09.06.1997

LEUNA-AFFÄREKieps Kontakte zu Elf

Walther Leisler Kiep, bis Ende 1992 Bundesschatzmeister der CDU, hatte im Zusammenhang mit dem Erwerb der ostdeutschen Erdölraffinerie Leuna durch den französischen Mineralölkonzern Elf Aquitaine Kontakte mit Dieter Holzer. Der Geschäftsmann, ein Freund von Franz Josef Strauß, gilt als eine Schlüsselfigur im Skandal um den Elf-Konzern. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, beim Kauf von Leuna Kommissionen in Höhe von 300 Millionen Francs gezahlt zu haben. Holzer war nach Informationen von LE MONDE einer der beiden Hauptakteure in dem undurchsichtigen System von Briefkastenfirmen im Fall Leuna. Es habe sich "um keine amtlichen Aufträge oder Aufträge im Rechtssinne gehandelt", sagt Kiep über seine Kontakte mit Holzer. Seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Elf Aquitaine hätten sich darauf beschränkt, "Gesprächsvermittlungen zwischen den verschiedenen Beteiligten" zu ermöglichen. Im übrigen weist der ehemalige CDU-Schatzmeister die Vorwürfe aus Frankreich, daß ein Teil der Bestechungsgelder von Elf in den Kassen der CDU gelandet sein könnten, weit von sich.
Doch ganz eindeutig scheinen die Kontakte mit Elf nicht gewesen zu sein. Acht Tage vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags für Leuna erschienen in Paris Unterhändler des Versicherungsmaklers Gradmann & Holler, deren persönlich haftender Gesellschafter Leisler Kiep ist. Sie wollten die künftigen Aktivitäten von Elf in Deutschland, vor allem das Milliardenprojekt, den Neubau der Raffinerie in Leuna, versichern.
Die Versicherungsmakler verwiesen darauf, daß der Holzer-Vertraute Hubert Le Blanc-Bellevaux und auch der mit Bestechungsvorwürfen belastete damalige Elf-Chef Loïk Le Floch-Prigent die Verträge "politisch" unterstützten. Im übrigen sei Leisler Kiep Helmut-Kohl-Berater und ein Direktor der Treuhand. In einem Schreiben wehrte sich der zuständige Versicherungsexperte von Elf, Pierre Saubestre, gegen das Vorgehen. Dennoch konnten sich die Franzosen dem Druck der Deutschen nicht ganz entziehen. Gradmann & Holler war "in geringem Umfang als Makler für normale und übliche Versicherungsangelegenheiten in Deutschland eingeschaltet", erklärt Leisler Kiep. Holzer will zu seinen Kontakten nicht Stellung nehmen.
Von Pauly und

DER SPIEGEL 24/1997
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