09.06.1997

Viel Geld und große Sprüche

Die Erfolge der Südkoreaner in Deutschland sind bisher noch sehr bescheiden.
Schlechter hätte der Start kaum sein können. Mit viel Geld (rund 60 Millionen Mark Werbeetat) und großen Sprüchen (Verkaufsziel: 30 000 Autos) startete Daewoo 1995 auf dem deutschen Markt. Die auffällige Werbung mit dem rotgeschminkten Mund sorgte zwar dafür, daß viele Deutsche inzwischen wissen, wie sich Daewoo ausspricht. Dennoch konnten sich 1995 nur gut 14 000 für den Kauf eines Daewoo entscheiden.
Die Stimmung in der Wiesbadener Daewoo-Zentrale war mies. Viele Beschäftigte klagten über rüde Führungsmethoden der Südkoreaner. Die Geschäftsführer wurden mehrmals ausgewechselt. Die eigenen Niederlassungen in München und Frankfurt müssen wegen dauernder Verluste schließen.
Schuld an den Pannen ist oft krasses Mißmanagement. So hatten die Daewoo-Manager die Niederlassung in Frankfurt in schlechter Lage eröffnet. Kunden mußten ihre Fahrzeuge in einem Parkhaus abstellen, das Autohaus hatte keine eigenen Parkplätze.
Doch an Rückzug vom deutschen Markt denkt bei Daewoo niemand. Im Gegenteil: Die Rückschläge führen nur dazu, daß der koreanische Konzern seinen Einsatz erhöht.
Mit den ersten selbstentwickelten Modellen, die Vorgänger waren Nachbauten des Opel-Kadett und Opel-Vectra, will Daewoo in Deutschland endlich auch Gewinne einfahren. Ab 30 000 verkauften Fahrzeugen ist dies der Fall. 1996 wurde der Konzern gerade mal 19 000 los.
Als erster koreanischer Hersteller startete Hyundai vor sieben Jahren in Deutschland. Und Hyundai ist bislang mit knapp 32 000 verkauften Fahrzeugen (1996) auch der erfolgreichste Koreaner.
Im Gegensatz zum Konkurrenten Daewoo, der nur zwei Modelle anbot, offerierte Hyundai von Beginn an eine Fahrzeugpalette von der billigen Kompakt- bis zur Mittelklasse. Hyundai profitierte auch von der deutschen Wiedervereinigung: In den ersten Jahren verkauften die Koreaner viele Fahrzeuge im Osten; den Kunden dort imponierte der niedrige Preis der Koreaner mehr als die ausgefeiltere Technik der Japaner.
Mit einer besonderen Methode will sich Kia in Deutschland etablieren. Der koreanische Konzern läßt den Geländewagen Sportage beim Osnabrücker Automobilspezialisten Karmann montieren. Die Einzelteile kommen in Kisten verpackt nach Osnabrück und werden dort zusammengebaut. Kia verspricht sich davon ein besseres Qualitätsimage.
Der Erfolg ist bislang eher bescheiden. Statt der geplanten 30 000 wurden im vergangenen Jahr bei Karmann nur 7300 Kia-Geländewagen montiert.
Auf die Hilfe eines renommierten Herstellers setzt auch der vierte Koreaner, Ssangyong. Der Geländekombi Musso wird von einem Mercedes-Benz-Motor angetrieben, den die Koreaner in Lizenz fertigen. Geholfen hat dies wenig: Im vergangenen Jahr verkaufte Ssangyong gerade 1202 Autos.
So schwierig der Start für koreanische Hersteller in Deutschland auch ist - von der Konkurrenz werden sie ernst genommen. Schließlich haben die Japaner einst ähnlich bescheiden begonnen, und außerdem haben die Koreaner zusammengerechnet bereits einen beachtlichen Marktanteil erobert: 1996 waren es 1,9 Prozent.
Südkorea hat damit in Deutschland bereits die Tschechische Republik (0,6 Prozent) und Schweden (0,9 Prozent) mit den renommierten Marken Škoda, Saab und Volvo überholt.
Von Hawranek und

DER SPIEGEL 24/1997
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