07.07.1997

USAKriegslegende zertrümmert

Gegen den hartnäckigen Widerstand des Pentagon wurde in Washington jetzt eine schneidende Kritik an der Wirksamkeit amerikanischer High-Tech-Waffen im Golfkrieg von 1991 veröffentlicht. Das General Accounting Office - der Rechnungshof des Kongresses - hält darin den Militärs und der Rüstungsindustrie "systematische Übertreibungen" vor: "Die Kluft zwischen dem, was der Luftwaffe während ,Desert Storm' zugeschrieben wurde, und dem, was tatsächlich passierte, ist zum Teil beträchtlich."
Die hochgelobten Stealth-Bomber vom Typ F-117A hätten statt der behaupteten 80 Prozent womöglich nur 41 Prozent ihrer Ziele getroffen. Zudem seien die extrem teuren Jets, die für Radarstrahlen nahezu unsichtbar sein sollen, von der irakischen Luftabwehr wiederholt geortet worden, noch ehe sie durch Bombenabwürfe ihre Präsenz verrieten. Nicht zuletzt weil die F-117A immer nachts in großer Höhe flog und die irakischen Radaranlagen von Spezialflugzeugen gestört worden waren, sei keiner dieser Superjets abgeschossen worden.
Dem Militär, das vor einer neuen Beschaffungsrunde teurer Waffensysteme steht, kommt das Fazit der Rechnungsprüfer sehr ungelegen: "Es gab keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen den Kosten für Flugzeuge und Munition und deren Wirksamkeit." Unbefriedigend sei auch die Trefferquote der angeblich zielsicheren Marschflugkörper gewesen.
In Bagdad, so eine andere, kürzlich veröffentlichte Studie des angesehenen Militärautors William Arkin, habe das massive Bombardement der US-Luftwaffe "wenig erkennbaren militärischen Schaden" angerichtet. Trotz aller "Bravourstücke" mit Bomben, die durch "Fahrstuhlschächte und Türen von Saddam Husseins Palästen flogen", sei der Herrschaftsapparat des Diktators völlig unbeschädigt geblieben.
Besonders peinlich ist, daß die Amerikaner selbst Schuld tragen am größten Golfkriegsfiasko - der ergebnislosen Suche nach den mobilen irakischen Scud-Raketen. US-Experten hatten Bagdads Streitmacht während des Kriegs zwischen Irak und Iran von 1980 bis 1988 in der Kunst unterwiesen, die Raketen vor iranischen Luftangriffen zu verstecken.

DER SPIEGEL 28/1997
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