30.07.2012

Ein Sommer im Süden

EURO-KRISE
Durch die Brille Berliner Politiker betrachtet, war es ein Aufstand, den einige Südländer beim letzten Brüsseler Gipfel angezettelt hatten. Eine Rebellion der angeblich so bedenkenlosen Verschwender aus Madrid und Rom, die sich mit dem neuen Helden des Club Med, dem Franzosen François Hollande, verbündet hatten, um Deutschland zu erpressen.
Nur: Liefert eine solche Beschreibung noch ein angemessenes Abbild europäischer Realität? Oder hat sich nach drei Jahren Euro-Krise, mit wachsenden Schuldenbergen, gewaltigen Rettungsschirmen, immer nervöseren Märkten, eine starre Sicht auf die Verwerfungen eingeschlichen, die nun Europa in zwei Lager teilen? In Nord und Süd, die beide auf eine Katastrophe zusteuern, das Auseinanderbrechen der gemeinsamen Währung. Geht der Euro wirklich "zur Hölle", wie der gute Professor Mario Monti fürchtet, falls sich der reiche Norden nicht zu mehr Solidarität durchringt? Oder ist es vielmehr Zeit, "Abschied vom Süden" zu nehmen, wie die Hamburger "Zeit" meint, weil in der Währungsunion nun mal nicht zusammenwächst, was nicht zusammengehört? Oder ist das alles eine Frage der Perspektive?
Um die zu überprüfen, hat der SPIEGEL in den vergangenen Wochen ein gutes Dutzend Redakteure in jene drei Länder geschickt, die derzeit Deutschlands gewichtigen Gegenpart in der Euro-Zone bilden: Spanien, Italien, Frankreich. Gemeinsam mit den SPIEGEL-Korrespondenten sowie Gastautoren und Gesprächspartnern vor Ort sollten sie herausfinden: Wie sieht Europa aus, wenn man vom Süden her auf den Kontinent blickt, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, wie derzeit den Politikern in Madrid und Rom? Oder wenn, wie im Fall Frankreichs, die Wettbewerbsfähigkeit verlorenzugehen droht? Die Ergebnisse dieser Recherche werden in einer dreiteiligen Serie zusammengefasst. Natürlich können die Analysen und Reportagen, die Interviews und Essays keine endgültige Antwort geben auf die Frage, ob der Euro nicht doch noch gerettet werden kann und wer dafür welche Kompromisse eingehen muss. Aber die Erkundigungen vor Ort geben Aufschluss darüber, ob bei Spaniern, Italienern und Franzosen noch genügend Substanz vorhanden ist, sich für das gefährdete Projekt Europa stark zu machen. Der Augenschein legt, bei aller Vorsicht, nahe: Noch ist Europa nicht verloren.

DER SPIEGEL 31/2012
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