30.07.2012

ARDGebühren und Spiele

Die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele verschlingen Millionenbeträge - doch im gewaltigen Etat des Ersten spielen sie eine Nebenrolle.
Als es zu Medaillen, Rekorden und Athletenpannen noch nichts zu berichten gab, empörte sich der Boulevard vergangene Woche über das Aufgebot öffentlich-rechtlichen Fernsehpersonals in London: Stattliche 480 Mitarbeiter hätten ARD und ZDF zu den Olympischen Spielen entsendet, bei denen 392 deutsche Sportler vertreten seien. Die Übertragung koste zehn Millionen Euro - je Anstalt. Doch das ist noch der kleinste Teil der Kosten.
Knapp 71 Millionen Euro hat allein die ARD für den Erwerb der Rechte eingeplant, so steht es im "Bericht der ARD an die Konferenz der Gremienvorsitzenden". Das ZDF steuerte noch einmal dieselbe Größenordnung bei. Dafür erhielten ARD und ZDF die Rechte für die Erstausstrahlung von Olympia 2010 in Vancouver und der aktuell laufenden Spiele in London.
Doch im 1,03 Milliarden Euro schweren Sportrechtebudget der ARD finden sich in der laufenden Gebührenperiode noch höhere Ausgaben.
Hauptposten sind die Fußballrechte des Ersten, die aus dem Gebühreneinzug allein mit 707 Millionen Euro veranschlagt werden. Rund 368 Millionen Euro entfallen auf die Rechte für Welt- und Europameisterschaften sowie für Länderspiele. Gut 339 Millionen Euro wurden für die "Fußball Bundesliga / Hörfunk-Kooperation" bereitgestellt. Diese gewaltige Summe erkläre sich damit, "dass Fußball unangefochten den größten sportlichen Stellenwert in Europa besitzt und damit auch die größte Resonanz beim Publikum erzeugt", heißt es in einem internen ARD-Papier.
17 Euro steuert also jedes sogenannte GEZ-Teilnehmerkonto innerhalb einer Gebührenperiode allein dazu bei, dass internationale Fußballereignisse und Schnipsel aus der Bundesliga gezeigt werden dürfen. Zum Teil handelt es sich nämlich nur um eingeschränkte Rechte - die Bundesliga wird derzeit zuerst im Pay-TV übertragen.
Weil sich innerhalb der ARD die einzelnen Sendeanstalten solche gewaltigen Summen aufteilen, trägt der Mitteldeutsche Rundfunk laut Verteilungsschlüssel knapp elf Prozent der Kosten, hat aber keinen Erstligisten im Kernsendegebiet. Im Anstaltsjargon ist das dann "seit Jahrzehnten gepflegte ARD-Solidarität".
In der neuen, im kommenden Jahr beginnenden Gebührenperiode sollen sich die Aufwendungen für die ARD allein bei den Rechten der deutschen Fußballliga um knapp zwei Prozent erhöhen. Die Steigerung, so heißt es in dem Papier, liege unterhalb der Inflationsrate.
Die EM-Rechte für 2016 werden ebenfalls teurer. Vor allem deshalb, weil erstmals 24 Teams antreten und statt 31 dann 51 Spiele gezeigt werden. Die ARD freut sich, dass "der Gesamtpreis zwar gestiegen, der Preis pro Spiel jedoch gesunken ist".
"Urlaubsbedingt" war eine Stellungnahme der ARD-Sportkoordination vergangene Woche nicht zu bekommen.
Rüffel werden in dem ARD-Papier auch verteilt - jedoch nur an die Kollegen vom ZDF. Die hatten sich zuletzt die Champions-League-Rechte gesichert, für angeblich 54 Millionen Euro pro Saison. Das ZDF habe Neuland betreten, heißt es spöttisch: Es lasse damit "wenigen internationalen Großvereinen indirekt erhebliche Gelder zufließen".
Von Martin U. Müller

DER SPIEGEL 31/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 31/2012
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

ARD:
Gebühren und Spiele

  • Dokuserie Russlands härteste Jobs: Ein Abwehrspieler als Bodyguard
  • Seltene Aufnahmen: Video zeigt Zebra mit Punkten
  • "Rambo 5: Last Blood": Blutiger Abschied
  • Wie zu König Blauzahns Zeiten: Dänen bauen längste Wikingerbrücke