30.07.2012

FUSSBALLFANSLetzte Ruhe

Geschäftsführer Ender Ulupinar, 39, über eine Gelsenkirchener Grabanlage für Schalke-Anhänger
SPIEGEL: Vergangenen Freitag wurde der Grundstein für Ihr Grabfeld auf einem Friedhof nahe der Schalker Fußballarena gelegt. Das Projekt erinnert an die Tradition der Gemeinschaftsgräber für Ordensbrüder und -schwestern, die über den Tod hinaus im Glauben verbunden bleiben.
Ulupinar: Jetzt kommen Sie mir nicht mit dem Spruch, Schalke sei eine Religion. Das trifft nicht zu. Wahr ist aber, dass sich die Anhänger mit diesem Verein in besonderer Weise identifizieren. Ich selbst stand als Vertragsamateur Anfang der neunziger Jahre bei Schalke im Tor, Fan bin ich seit meiner Geburt.
SPIEGEL: Und nun verbinden Sie das mit dem Geschäftlichen?
Ulupinar: Ich bin gelernter Immobilienfachwirt, meine Frau betreibt eine Friedhofsgärtnerei. Mit einer Kollegengesellschaft haben wir seit 2008 fünf Gemeinschaftsgrabfelder gebaut, das sind Parkanlagen, Friedhöfe im Friedhof. Die Nachfrage nach solchen Begräbnisstätten steigt, sie sind kostengünstig und pflegeleicht. Seit 2007 stehen wir in Kontakt mit Schalke 04.
SPIEGEL: Die geplante Anlage mutet wie ein Stadion an, mit dem Vereinswappen im Mittelkreis. Sie glauben, dass es einen Bedarf an gemeinsamer letzter Ruhe in solchem Ambiente gibt?
Ulupinar: Es sind Symbole, wie es sie sowieso auf Grabstellen gibt. Wenn Sie im Ruhrgebiet über die Friedhöfe gehen, sehen Sie viele Bergbausymbole - und ebensolche des Fußballs: die Jahreskarte auf dem Grabstein etwa. Es gibt auch Särge in den Schalker Vereinsfarben.
SPIEGEL: Nun wird es genau 1904 Grabstellen auf Ihrem Feld geben, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Clubs. Was kostet ein Grab?
Ulupinar: Ab 5406 Euro, darin sind 25 Jahre Grabpflege enthalten. Schalke 04 verdient nichts daran. Ich übernehme - in Abstimmung mit der Stiftung "Schalke hilft!" - die Kosten für eine vertraglich festgelegte Zahl an Grabstellen für Fans, deren Angehörige bedürftig sind.
SPIEGEL: Gibt es schon Vorbestellungen?
Ulupinar: Ja, die Grabstelle Nummer 215 wurde gerade vergeben. Ein Herr wünschte sich diese Zahl in Anlehnung an den 21. 5. 1997 - an den Tag, als Schalke den Uefa-Cup gewann.

DER SPIEGEL 31/2012
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