13.10.1997

Aktenzeichen 33247/87 ungelöst

Barschel-Affäre (II): Wie starb Uwe Barschel vor zehn Jahren in seinem Hotel in Genf und warum? In die Schweiz flog er, um angeblich einen Mann namens „Roloff“ zu treffen, der sich als Bekannter Reiner Pfeiffers ausgegeben habe und ihm Entlastungsmaterial liefern wolle. Von Thomas Darnstädt
Samstag, der 10. Oktober 1987,war der letzte Tag in Uwe Barschels Leben. Und bis heute ist die Frage offen, ob er das gewußt hat.
Was dachte er, als er morgens sein Ferienhaus auf Gran Canaria verließ, um nach Genf zu fliegen? War er zum Selbstmord entschlossen, oder hoffte er wirklich, von dem geheimnisvollen Informanten "Roloff" Material zu bekommen, das ihm aus der Kieler Affäre heraushelfen konnte? War er resigniert oder zum Kampf entschlossen?
Seine Frau Freya ließ er es, wie meist, nicht merken. In wenigen Tagen, sagte er, sei er zurück. "Es war ein Abschied wie immer", sagt Frau Barschel - was auch immer das heißen mag.
Der letzte Tag im Leben Uwe Barschels begann viel zu früh. Sein Flug sollte erst um 10.30 Uhr gehen. Doch schon morgens um 8.00 Uhr verabschiedete er sich von seiner Frau.
Morgens um acht ist es in Gran Canaria im Oktober noch fast dunkel. Mit dem Bordcase in der Hand, einen hellen Regenmantel über dem Arm, schlich sich Barschel davon. "Er wollte", vermutet Gisela Sánchez, die Chefin der Ferienanlage Bahía Feliz, "von den Journalisten nicht gesehen werden", die ihm mittlerweile auf die Spur gekommen waren.
Zur Hintertür der Villa Lechner hinaus, das steile Treppchen hinunter zum Meer, am Strand entlang zur Rezeption des nahen Hotels Orquídea, das könnte sein Schleichweg gewesen sein. An der Hotel- Rezeption bestellte er sich ein Taxi.
Als Gisela Sánchez, die den prominenten Gast selbstverständlich zum Flughafen fahren wollte, etwa eine Stunde später an der Villa Lechner läutete, öffnete ihr die erstaunte Ehefrau: Mein Mann? Der ist längst weg.
Wo war Uwe Barschel um diese Zeit? Die Fahrt zum Flughafen dauert allenfalls 20 Minuten. Und das wußte der Stammgast Barschel auch.
Der Insel-Flughafen liegt auf halber Strecke zwischen Bahía Feliz im Süden und der Hauptstadt Las Palmas im Nordosten der Insel. Die Straße war damals schon durchgehend als Autobahn ausgebaut. Die wenigen Abfahrten führen in die Ödnis.
Da gibt es kein gemütliches Frühstückslokal, wo man die Zeit absitzen kann, kein romantisches Dörfchen, wo man am letzten Tag in seinem Leben noch im Sonnenaufgang spazierengehen kann. Verrottete Tomatenfelder, Steinbrüche, Bauruinen, Industrie und armselige Hütten - bis nach Las Palmas hinauf gibt es keinen Ort, in dem der Reisende Barschel sich hätte zwei Stunden lang die Zeit vertreiben können.
Der Flughafen war vor zehn Jahren auch bei weitem noch nicht so prächtig und gastlich wie heute. Und selbst wenn Barschel hier eine behagliche Lounge gefunden hätte - er hätte ja erst mal einchecken müssen, sich eine Bordkarte besorgen.
Doch das hat er nicht getan. Kurz vor Abflug der Maschine kam er mit fliegendem Mantel ans Gate, ohne Bordkarte - "keuchend und verschwitzt", wie der Lübecker Barschel-Ermittler Heinrich Wille sich das vorstellt. Auch Wille kann sich nicht erklären, was der Reisende im Morgengrauen angestellt haben könnte: "Was er in diesen zweieinhalb Stunden gemacht hat, dem sind wir noch nicht nähergekommen."
Es gibt wohl keine andere Erklärung als diese: Barschel muß an diesem Morgen noch einmal in Las Palmas gewesen sein.
Zwei Stunden reichen ganz gut, um im Taxi am Flughafen vorbei in die Insel- Hauptstadt und wieder zurück zum Flughafen zu fahren - und zwischendrin noch etwas zu erledigen. Kein Ermittler ist dieser Spur jemals nachgegangen. Spekulationen sind erlaubt.
VERSION EINS: Barschel besorgt sich Tabletten. Das hat er nach Berichten von Zeugen auch schon am Vortag getan. Zwar haben morgens um halb neun die Apotheken in Las Palmas noch nicht geöffnet. Doch die Apotheke, die an diesem Samstag Bereitschaftsdienst hatte, konnte er kennen: Sie liegt neben dem Reisebüro Kuoni, wo am Vortag sein Ticket abgeholt hatte. Ein Stück entfernt, in der Nähe des San-Telmo-Parks, liegt die Apotheke aus dem Freundeskreis eines der Zeugen, die von Barschel um Pharmaka angegangen wurden.
VERSION ZWEI: Barschel besorgt etwas anderes - sei es heiße Ware, sei es Geld -, was er in seinem Gepäck nach Genf schmuggeln wollte. Als Inhaber eines Diplomatenpasses mußte er ja nicht damit rechnen, kontrolliert zu werden. Und sein verschwitzter Auftritt am Gate wäre zudem geeignet gewesen, mögliche Kontrollen zu verhindern. Las Palmas war damals schließlich die Drehscheibe des legalen und illegalen Ost-West- Geschäfts. Er könnte dort jemanden getroffen haben. Auch der unbekannte Begleiter im Reise- büro Kuoni vom Vortag könnte auf heimliche Geschäfte Barschels in Las Palmas schließen lassen.
Die Iberia-Maschine mit Flugnummer 554 stand jedenfalls abflugbereit, als Barschel nur mit Handgepäck und in Begleitung eines weiteren Passagiers hastig und ohne Bordkarte in das Flugzeug gewinkt wurde. Den zweiten Nachzügler, einen Mann namens D. Théraulaz, haben die Ermittler nach jahrelangen Bemühungen zwar identifiziert. Es gelang ihnen aber nicht, den Mann, der sich zwischenzeitlich in Asien aufhielt, aufzutreiben.
Es kommt öfter vor, daß Business-Reisende zu spät am Gate erscheinen, um noch eine Bordkarte ausgestellt zu bekommen. Ohne rechtzeitig zugeteilten Sitzplatz müssen sie sich dann notgedrungen auf einen der Mittelsitze in der Maschine klemmen, die so unbeliebt sind, daß sie in der Regel noch frei sind. Jedenfalls sind die Gangplätze mit der großen Beinfreiheit immer schon weg.
Uwe Barschel bekam in der nahezu vollbesetzten Maschine den Sitzplatz 12 C, einen Gangplatz. Der Fluggast auf dem engen B-Sitz neben ihm war ein Schweizer Tourist, auf der anderen Seite des Ganges, in den Sitzen 12 D, E, F saßen drei gemeinsam reisende Fluggäste mit dem koreanischen Namen Kim.
Der Verdacht, daß irgendein Mitreisender den Platz für Barschel freigehalten hat, ist ohne konkreten Anhaltspunkt. Doch so richtig klären läßt sich der Sachverhalt nicht. Denn als am 15. Oktober, vier Tage nach Barschels Tod in Genf, die Passagierliste der Iberia von Interpol in Madrid nach Genf gefaxt wurde, fehlte eine Seite. Die Ermittler hat das offenbar nicht weiter gestört. Die Seite ist bis heute nicht bei den Akten.
Jedes Detail ist wichtig auf Uwe Barschels letzter Reise. Aber erstaunlich wenigen sind die Ermittler nachgegangen.
Da sind zum Beispiel die beiden kleinen Puppen im Bordcase des Reisenden. Sie wurden später, noch eingepackt in rotes Geschenkpapier, mit der Habe des Toten sichergestellt. Doch die Spurensicherer in Genf sind der Herkunft des Spielzeugs nicht nachgegangen.
Frau Barschel vermutet im nachhinein, die Püppchen, so groß wie eine Männerhand, habe ihr Mann auf dem Flughafen von Las Palmas gekauft als Mitbringsel für seine Kinder, die gerade beim Bruder in Genf Ferien machten. So etwas, das ist auch Freya Barschels Folgerung, tut niemand, der vorhat, sich am selben Abend umzubringen.
Und wann soll er sie besorgt haben? War er etwa zu spät dran, weil er die Geschenke noch gekauft hat?
Das macht wenig Sinn. Man holt sich doch wohl zuerst eine Bordkarte, dann kauft man Souvenirs.
Zumindest die Herkunft des Einwickelpapiers hätten die Ermittler klären kön- nen. Und möglicherweise hätte eine Untersuchung der Puppen eine Antwort auf die Frage gegeben, was Barschel an diesem Morgen in Las Palmas gemacht haben könnte.
Jemand, der auf eine Geschäftsreise geht, nimmt seinen Terminkalender mit. Und jemand, der seine Reise als Geschäftsreise tarnen will, wohl auch. Uwe Barschel aber hatte in seinem Köfferchen nicht nur den Kalender des laufenden Jahres 1987 dabei, sondern auch noch den von 1986. Beides ziemlich dicke, schwere Brocken. Die packt man nicht aus Versehen ein.
Daß der zurückgetretene Ministerpräsident den Kalender von 1986 überhaupt von Kiel nach Gran Canaria mitgenommen hat, läßt sich erklären. Barschel hatte auch einen Haufen leerer Tonbandkassetten dabei und hatte offenbar vor, so etwas wie seine politischen Erinnerungen oder Rechtfertigungen niederzulegen. Dazu kann man alte Terminkalender gut gebrauchen.
Die Ermittler haben mit der alten Agenda nach Barschels Tod alles mögliche angestellt, sie nach verdächtigen Terminen und nach Fingerabdrücken abgesucht. Aber der einfachsten Frage sind sie offenkundig nicht nachgegangen: Was wollte Barschel mit dem 86er Jahrgang in Genf?
Der Kalender spricht dafür, daß er dort tatsächlich vorhatte, Vorgänge der Vergangenheit mit Gesprächspartnern zusammen durchzusprechen - sei es mit einem Informanten namens Roloff, sei es vor dem Untersuchungsausschuß in Kiel, den aufzusuchen er ja zum eigentlichen Zweck seiner Reise erklärt hatte. Nur eine Deutung läßt das schwere Gepäckstück nicht zu: daß sein Träger vorhatte, noch heute nacht aus dem Leben zu scheiden.
Knapp vier Stunden Flugzeit hatte der gescheiterte Politiker Uwe Barschel zu überlegen, ob es Grund genug für einen wie ihn gab, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Konnte der Fluggast auf dem Gangplatz 12 C hoffnungsvoll auf die nächsten Tage oder gar Jahre seines Lebens blicken?
Was auch immer Barschel über seine Verstrickung in die schmutzigen Tricks gegen Björn Engholm versichert, geschworen, gelogen hat: Er selber mußte ja wissen, wie es wirklich war. Ob er Reiner Pfeiffer wirklich angestiftet hatte, Engholm zu bespitzeln, eine anonyme Steueranzeige gegen ihn auf den Weg zu bringen, ob er hinter dem Plan steckte, eine Wanze ins Telefon der Staatskanzlei einbauen zu lassen, um diesen Übergriff dann der SPD anzuhängen. Oder ob er in Wahrheit Opfer eines irrlichternden Intriganten und seiner fiesen Ideen geworden ist.
Und wenn er sich als Opfer sah - und sich nicht nur als solches aufspielte -, dann mußte er jetzt weiter grübeln: Was stand tatsächlich hinter Pfeiffers Aktionen? Gab es eine Intrige mit dem Ziel, ihn zu kippen?
Wie mag sich jemand fühlen, der gerade erst einen schwer erklärlichen Flugzeugabsturz wie durch ein Wunder überlebt hat und sich nun schon wieder von dunklen Mächten in eine existentielle Krise gestürzt sieht? Gute Gründe, Tavor zu schlucken.
Barschel muß es besser gewußt haben als der zweite Kieler Untersuchungsausschuß, der Ende 1995, mehr als sieben Jahre später, im Gegensatz zum ersten mehrheitlich zu dem Schluß kam: Es sei nicht beweisbar, daß Barschel der Urheber der Kieler Affäre gewesen sei, die ihn Amt, Ehre und wohl auch das Leben gekostet hat. Mindestens aber eine "politische Verantwortung", teilweise auch eine Mitwisserschaft oder ein Liebernicht- wissen-Wollen belasteten den Ministerpräsidenten.
Hinterher ist man immer klüger - doch Barschel war es ja damals schon.Warum hatte er sich auf falsche eidesstattliche Versicherungen eingelassen? Warum hatte er seine Sekretärin und seinen Fahrer angestiftet, falsche eidesstattliche Versicherungen abzugeben? Weil er sich aus der Verantwortung für die Affäre stehlen wollte, deren Urheber er war - oder weil er, schlecht beraten, keine andere Möglichkeit mehr sah, das Intrigentreiben mit falschen Vorwürfen zu beenden?
Daß man einen Meineid als Politiker ebenso überstehen kann wie eine Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung, das mußte Barschel aus der jüngsten deutschen Geschichte wissen. So etwas ist kein Grund, Schlaftabletten zu nehmen.
Wenn es aber so gewesen sein sollte, daß Barschel tatsächlich nur eine Art bösgläubiges Opfer Pfeiffers gewesen ist, daß er gar nicht der treibende Geist der Affäre war, dann muß der Mann auf Platz 12 C hinter seinem Klapptischchen eine wahnsinnige Wut bekommen haben: auf Pfeiffer, der ihn reingeritten hat, auch auf den Spiegel, der Pfeiffers Beschuldigungen am Vorabend der Wahl veröffentlicht hat, vor allem aber auf die SPD.
Am Tag vor dem Abflug, am selben Tag, an dem seine Parteifreunde in Kiel ihn so lautstark hatten fallen lassen, mußten der SPD-Landesvorsitzende Günther Jansen und sein Pressesprecher Klaus Nilius öffentlich zugeben, daß sie mit Pfeiffer insgeheim vor der Wahl Kontakt gehabt hatten. Und Barschel vermutete ja schon lange, so läßt sich aus einem Interview schließen, daß die Sozialdemokraten die Aktivitäten seines Medienreferenten ganz gut gekannt hatten.
Und Barschel ahnte zumindest auch, daß Pfeiffer im Zusammenspiel mit SPD-Leuten den bösen Brief im Stern lanciert hatte, in dem die Mutter eines Piloten ihm, Barschel, die Schuld an dem Flugzeugabsturz am 31. Mai zuschob. Der Pilot starb bei dem Unglück, Barschel überlebte - und die Vorwürfe, das ist unbestritten, waren ungerecht.
Wenn er jemals aus diesem Desaster herauskommen sollte, könnte sich Barschel überlegt haben, dann werde ich zeigen, wer im Lande die schmutzigen Tricks gefahren hat, dann werde ich diese Sozis von der Nordsee bis zur Ostsee jagen und wieder zurück, bis sie auf dem Zahnfleisch laufen. "Ich werde kämpfen", sagte Barschel seiner Schwester am Telefon.
Vielleicht hat er es ja wirklich gewollt. Als der Reisende den karierten Schreibblock aus dem Koffer angelte und nach dem grünen Reklame-Kugelschreiber mit der Aufschrift "Renata" in seiner Tasche suchte, hatte Flug IB 554 sicher schon das europäische Festland erreicht.Wenn er sich über seine Mitreisenden zum Fenster streckte, konnte Barschel unten vielleicht schon die Pyrenäen sehen.
Barschel schrieb: "Notiz auf Flug LPA-Genf ca. 12.00 Unterlage für UA."
Daß er das Folgende selber mit dem Renata- Kugelschreiber geschrieben hat, daran haben Kriminaltechniker keinen vernünftigen Zweifel. Und es gibt auch keinen vernünftigen Grund zu zweifeln, daß er die später gefundenen Aufzeichnungen tatsächlich an Bord des Flugzeugs gemacht hat. Um 12 Uhr Las-Palmas-Zeit, in Genf war es zu dieser Stunde schon 13 Uhr.
Über den Text haben Psychologen, Kriminologen, Staatsanwälte und Journalisten nach Barschels Tod viel gerätselt. Manches, was da geschrieben steht, könnte eine Enthüllung sein - wenn es stimmt.
Der Psychologie-Professor Hermann Wegener von der Universität Kiel hält es für "unwahrscheinlich, daß die vorliegenden Notizen als Stichwort-Unterlagen für die Anhörung in einem Untersuchungsausschuß geschrieben worden sind". Dafür stehe zu viel Persönliches drin. Aber auch die Wahrscheinlichkeit, so der Gelehrte, daß dieser Barschel-Text "Mitteilungen für die Nachwelt" enthalte, als Testament eines Suizid-Kandidaten, sei "als gering zu erachten".
Ein Abschiedsbrief, sagt Wegener, wäre voller Selbstrechtfertigungen, würde eine Art Bilanz enthalten, viele verschiedene Vorgänge zum Thema haben. Doch Barschels Notizen sind eine Art Krimi. Sie handeln von einer einzigen Person - von "Roloff".
Eigentlich ist es egal, ob es diesen Mann jemals gegeben hat. Ein gut erfundener Informant, so mag dem alten Trickser durch den Kopf gegangen sein, ist manchmal besser als die reine Wahrheit. Warum sollte nicht in dieser Affäre der Lügen und Gegenlügen, der Meineide und Täuschungen ein virtueller Kronzeuge die Wende bringen? Auch ein erfundener Roloff wäre kein Beleg dafür, daß das, was Barschel mit seiner Erfindung rüberbringen wollte, unwahr ist.
Der Text beginnt mit einem Memo über erste Kontakte mit dem rätselhaften Informanten, der habe schon im September angerufen, daheim in Mölln. ("Woher haben die unsere Geheimnummer?") Alle Spuren sind so gelegt, daß sie nicht überprüfbar sind:
1. Anruf Sonntag später Nachmittag (wohl 26.9.). Bei mir zu Hause. Anonym. Schon der zweite. Der sagte nichts (Woher haben die unsere Geheimnummer). Kurzes Gespräch. Mann, Alter schwer definierbar. (nicht sehr alt) gibt an, er wisse genaueres über Pfeiffer. Will sich wieder melden. Sage meiner Frau nichts. Nächsten morgen (ich glaube 27.9.) Treffen mit Min Schwarz bei einer Besprechung. Höflichkeit. Erwähne, daß ich erstmals Angst habe. Sage keine Einzelheiten. Personen + Objektschutz wird verlängert. So Schwarz. Geschieht dann ... eh.
2. Anrufe kommen noch zweimal. Immer zu Hause. Aber kein Gespräch; Da im Hintergrund unsere Kinder Lärm machen. 1 x saugte Frau Lewandowski. Das allererste Gespräch hatte ich im Arbeitszimmer (ab ?) - angenommen. Diese beiden Anrufe könnten auch von ganz anderen gewesen sein. Spreche auch darüber mit niemanden. Will Freya nicht ... Möglich, daß ich gelegentlich R. L. daran (davon?) erwähne
Der letzte Satz fällt auf: "Möglich, daß ich gelegentlich R. L. davon erwähne." R. L. ist offenbar sein Freund Rolf Lechner.
Ist die Geschichte im nachhinein erfunden, so hätte der Schreiber sie durch solche Erwägungen nicht glaubwürdiger gemacht - weil Lechner sie ja nicht bestätigen könnte. Die Bemerkung macht also nur Sinn, wenn Barschel es tatsächlich für möglich hielt, daß Lechner ein Zeuge sei.
Den nächsten Absatz begann Barschel mit dem Wort "Donnerstag", strich durch, schrieb "Freitag, 9.10." - also gestern - habe Roloff im Büro der Ferienanlage Bahía Feliz angerufen und sich mit "Landesregierung Kiel" gemeldet. Und nun kommt auch eine Zeugin ins Spiel: "Bin gerade wegen Telex an Kribben im Büro. Anruf für mich. Spanierin in Zentrale legt Gespräch in freien Raum."
Die "Spanierin", die an diesem Vormittag Telefondienst in Bahía Feliz hatte, Marta van Geeteruyen, sitzt noch heute auf ihrem Posten. Sie ist sich sicher: "Den ganzen Vormittag ist kein Anruf gekommen, den ich an Herrn Barschel vermittelt hätte."
So plump widerlegbar erfindet Barschel seine Geschichten nicht. Das könnte eine Verwechslung sein - und er hat tatsächlich einen Vorgang vom Donnerstag gemeint. Da hatte er zwar kein Telex an Fraktionschef Klaus Kribben geschickt, sondern an Finanzminister Roger Asmussen, auch saß nicht "die Spanierin" in der Telefonzentrale, sondern sein Freund Oscar Jessen, aber an diesem Donnerstag kam der rätselhafte Anruf aus der Schweiz, den Jessen für Barschel entgegennahm - ein Anruf, der möglicherweise von Roloff kam.
Jessen kann sich zwar nicht erinnern, daß der Anrufer vom Donnerstag seinen Namen genannt hätte. Aber er ist sicher: "Da hat jemand um Rückruf gebeten, der gab eine Telefonnummer mit Schweizer Vorwahl an." Dennoch habe der Mann nicht schweizerdeutsch, sondern hochdeutsch gesprochen.
Doch auf diesen Anruf kann Barschel sich nicht bezogen haben. Sich mit "Landesregierung Kiel" melden und dann um Rückruf unter einer Schweizer Nummer bitten, das tut kein Roloff, egal ob es ihn gibt.
Und wenn die Spanierin sich falsch erinnert? Das brächte auch noch nicht die Lösung. Wenn Roloff wirklich erst angerufen hat, als Barschel am Freitag das Telex an Kribben losschickte, dann wäre nicht zu erklären, warum er in diesem Telex bereits das Entlastungsmaterial angekündigt hat, das Roloff ihm angeblich angeboten haben soll.
Offenbar hat auch Barschel beim Schreiben gemerkt, daß an seiner Geschichte irgend etwas nicht plausibel ist. Wieso saß er eigentlich in diesem Flugzeug? Der Flug war doch am Freitag längst gebucht. Also schob Barschel eine geradezu alberne Erklärung nach: "Jetzt fahre ich aber über Genf (billiger)."
Barschel hatte den Flug über Genf gebucht, weil die Verbindungen über Madrid und Zürich nicht mehr zu bekommen waren. Und angeblich, weil er auch in Genf Roloff treffen konnte.
Es wird noch rätselhafter. Seiner Schwester Folke, schrieb er auf, habe er in einem Telefongespräch von Gran Canaria aus gesagt: "Ich hätte angerufen" bei Roloff, nicht Roloff bei ihm. Dies, erläuterte Barschel in seinem Text, habe er nur so gesagt, um seine Schwester nicht zu beunruhigen.
Folke Junker aber erzählt in ihrer sehr ausführlichen Aussage von einer Zwecklüge ihres Bruders nichts. Der habe ihr Freitag nachmittag am Telefon erzählt, Roloff habe mit "Landesregierung" angerufen. Warum log Barschel eine Lüge herbei?
Wem wollte er etwas vormachen? Die merkwürdigen Aufzeichnungen aus dem Flugzeug bekommen nur dann einen Sinn, wenn man dem Schreiber eine gewisse Nonchalance unterstellt. Barschel hat, weil er nicht damit rechnete, daß man einmal so genau nachprüfen werde, die Geschichte etwas vereinfacht. Das Leben ist oft so kompliziert, daß es nicht auf Karopapier paßt.
Es kann eigentlich nur so gewesen sein:
Roloff hat zweimal angerufen. Das erste Mal bei Jessen am Donnerstag aus der Schweiz. Barschel hat wie gewünscht zurückgerufen und mit ihm ein Treffen in Zürich oder Madrid vereinbart. Beide haben sich geeinigt, daß man am Freitagvormittag noch mal telefonieren werde, um den Treffpunkt festzuklopfen.
Dann, am Freitag, war Barschel nicht zufällig in der Anlage, als der erwartete Anruf von Roloff eintraf. Der meldete sich auch, und um nicht abgewimmelt zu werden, nannte er die Firma Landesregierung . Barschel sagte ihm, daß der Treffpunkt nun Genf sei und zwar am "Internationalen Info-Punkt" des Flughafens.
Von beiden Gesprächen erzählte er zusammengefaßt am Freitag nachmittag am Telefon seiner Schwester. Dabei erwähnte er auch - was ja für den Donnerstag-Rückruf zutrifft -, daß er seinerseits Roloff angerufen habe.
Dies würde auch übereinstimmen mit der Bemerkung in der Chronik Barschels, seine Schwester habe ihm geraten, Roloff erneut anzurufen und sich von ihm die begehrten Infos telefonisch geben zu lassen.
Diese Rekonstruktion hat den Schönheitsfehler, daß die Telefonistin Marta sich nun mal nicht an den Freitaganruf erinnern kann. Sie hat aber den Vorteil, daß sie im übrigen die einzig vernünftige Erklärung für den Ablauf der Dinge in Gran Canaria und Barschels merkwürdige Ausführungen ist.
Akzeptiert man die Rekonstruktion, so muß man auch die Art akzeptieren, in der Barschel im Flugzeug eine vereinfachte Darstellung versucht hat.Vielleicht hat er sogar mit der ganzen Geschichte am Donnerstag angefangen und dann "Donnerstag" durchgestrichen, weil er zu dem Schluß kam, daß man es einfacher erzählen kann.
Wer weiter grübelt, kommt zu einem merkwürdigen Ergebnis: Gerade weil Barschel etwas Halbwahres geschrieben hat, kann es nicht erfunden sein.
Wäre die Roloff-Geschichte erfunden, hätte Barschel sich nicht in so offenkundige Widersprüche verstrickt. Etwas Erfundenes vereinfacht man auch nicht. War sie aber wirklich, mußte er keine Bedenken haben, sie ein klein wenig zu straffen. Pünktlich um 15.10 Uhr landete der Flug IB 554 auf dem Flughafen Cointrin bei Genf. Und am Verwirrspiel, das nun begann, war Uwe Barschel wahrscheinlich gar nicht schuld.
Der Stern, der sich aus einem Buchungscomputer die Flugdaten Barschels besorgt hatte, war auf den Empfang des Urlaubers in Genf gut vorbereitet. Der Pressefotograf Max Vaterlaus bewachte mit seinem Tele das Flugfeld, Kollege Angelo Guarino hielt ein 85-mm-Objektiv bei der Paßkontrolle in der Ankunftshalle bereit. Frank Garbely, ein freier Mitarbeiter des Stern und der Weltwoche, hatte den Auftrag, ein Interview mit dem Ankömmling zu verabreden.
Als der Reisende die Ankunftshalle betrat, sprach Garbely ihn an: "Sie sind doch Herr Barschel?" Der nahm sein ganzes Englisch zusammen und antwortete: "I don''t understand. Who are you?" Guarino drückte ab - und so entstand das letzte Foto des lebenden Uwe Barschel.
Der Politiker auf der Flucht: Er eilte zu einem Seitenausgang, aus dem Flughafen, stieß zur Spitze der Reihe haltender Taxis vor und sprang "in einen beigen Wagen", sagt Guarino, in einen "dunklen", sagt ein anderer Kollege.
Beide Journalisten schnappten sich das nächste Taxi. "Folgen Sie dem Wagen vorn." Der Fahrer Mohammed Al-Kaar stieg aus seinem Wagen aus und wollte den Kollegen, der mit seinem Taxi unmittelbar vor ihm noch gar nicht losgefahren war, fragen, wohin die Reise gehen würde.
"Nein, nicht der, der andere, der da vorn fährt", rief Garbely. Die interne Taxi-Ordnung vor dem Flughafen war schuld daran, daß sich zwischen Barschels Taxi und den Wagen seiner Verfolger eine andere Droschke geschoben hat.
Al-Kaar lehnte es ab, dem schon weit vorausgefahrenen Barschel-Taxi hinterherzufahren. Die Journalisten ließen sich resigniert in die Stadt chauffieren.
Den Taxifahrer, der Barschel (wohin?) gefahren hat, haben die Genfer Ermittler mit großem Aufwand gesucht. An die tausend Chauffeure bekamen in den folgenden Monaten einen Brief von der Polizei mit der Bitte um Auskunft: Wer hat den deutschen Politiker gefahren, der kein Französisch sprach und wahrscheinlich mit deutschem Geld bezahlte?
Die Polizei, das gibt sie selber zu, ist bei den Genfer Taxifahrern außerordentlich unbeliebt. Entsprechend dürftig war die Ausbeute.
Zuerst stießen die Ermittler auf Pietro Gattuso. Den hatten Quick-Reporter fotografiert, wie er auf ein Foto von Barschel zeigte. Gattuso hatte sich die Aussage zuschreiben lassen, er habe Barschel gefahren. Später gab er zu, daß er dafür Geld bekommen habe.
Doch Gattuso kann es nach Ansicht der Ermittler nicht gewesen sein. Sein Wagen stand in der Reihe noch weit hinter dem Verfolger-Auto von Al-Kaar.Wie hätte er da der Verfolgte sein können?
Al-Kaar, der den Mann nicht hatte verfolgen wollen, meinte aber, sich an den davonfahrenden Kollegen erinnern zu können.
Das sei der Wagen GE 40 von Roger Beauverd gewesen. Beauverd erschien auch brav bei der Polizei, tatsächlich hatte er an diesem Samstagnachmittag Dienst am Flughafen geschoben. "Leider ist Herr Beauverd nicht imstande, sich an seinen Fahrgast zu erinnern", notierten die Ermittler. "Es ist ihm nicht nur unmöglich, Herrn Barschel wiederzuerkennen, sondern er ist auch nicht in der Lage, sich zu erinnern, ob er an diesem Tage eine Fahrt zum Hotel Beau-Rivage gemacht hat", wo Barschel schließlich abgestiegen ist.
Beauverd wußte so wenig, daß schon fast der Eindruck entstand, es sei eine Frage der Taxifahrer-Ehre, Polizisten keine Auskunft zu geben. Immerhin lieferte er, das mußte er wohl, seine Fahrtenschreiber- Aufzeichnungen vom 10. Oktober aus.
Die Tachographen-Scheibe verriet folgendes: 15.09 - 15.22 Uhr: Das Taxi GE 40 wird am Stand des Flughafens angehalten.
15.22 - 15.37 Uhr: Herr Beauverd fährt mit 40 km/h los auf einer Strecke von etwa 4,4 km.
15.37 - 15.40 Uhr: Das Taxi GE 40 hält an.
15.40 - 15.50 Uhr: Herr Beauverd fährt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 50 km/h los auf einer Fahrstrecke von etwa 5,5 km.
Die Polizei prüfte nach: Die Strecke zwischen dem Flughafen Cointrin und Hotel Beau-Rivage beträgt auf der typischen Taxifahrer- Route fast sieben Kilometer, bei Alternativ- Strecken kamen die Ermittler auf fünf Kilometer und 7,4 Kilometer. Nichts davon paßt mit der Fahrtenschreiber-Aufzeichnung zusammen. Schlußfolgerung in den Akten: " ... kann man ausschließen, daß er Herrn Barschel gefahren hat".
Von wegen. Der Schluß macht unübersehbar, was sich durch weite Teile der Akten zieht: Da war ein Routine-Fall, Selbstmord in der Badewanne. "Tote Diplomaten sind in Genf so etwas Besonderes auch wieder nicht", gibt heute noch Roman Pfister zu bedenken, der Polizeioffizier, der damals die kriminaltechnischen Ermittlungen geleitet hat.
Nur, wenn man von der Annahme ausgeht, Barschel sei vom Flughafen stracks ins Hotel Beau-Rivage gefahren, macht die polizeiliche Schlußfolgerung einen Sinn. Und wenn man nicht ernst nimmt, was er in seinen Aufzeichnungen notiert hat.
Die Fortsetzung auf dem karierten Block, geschrieben vermutlich im Hotelzimmer. Barschels Bericht von der Ankunft in Cointrin:
Beinahe wäre alles geplatzt. Als ich ausstieg, wurde ich von Weltwoche-Journalist empfangen + fotografiert. Tat es sei Irrtum. Bestieg Taxi, fuhr ein paar mal um Flughafen und traf dann ungestört R. R. Er erkannte mich sofort. Gespräch dauerte ca. 20 Minuten. Spaziergang in Flughafennähe.
"Ein paarmal um den Flughafen" - der Fahrer Beauverd, befragt nach dieser Version, sagt natürlich, er könne sich nicht erinnern. Aber mit den Daten auf seinem Fahrtenschreiber wäre das in Übereinstimmung zu bringen.
Um den Flughafen zu fahren, im Wortsinne, und dann noch ein paarmal, ist nicht leicht. Cointrin liegt unmittelbar an der französischen Grenze, überall Sperren, Zollübergänge, manche für Taxis gar nicht passierbar. Aber dieses Straßengewirr, diese künstliche Verzahnung von Schweiz und Frankreich am Flughafengelände ist ideal, um einen vermeintlichen Verfolger abzuschütteln. "Ein paarmal um den Flugha- fen" kann auch soviel bedeuten wie "ein paarmal um den Block laufen": Das sagt man, wenn man ziellos etwas herumgeht.
VERSION EINS: Eine kleine Spazierfahrt am Flughafen, 4,4 Kilometer weit, dann aussteigen, ein anderes Taxi nehmen, Beauverd fährt leer weiter. Oder 4,4 Kilometer zu irgendeinem Grenzübergang, kurzer Halt, dann 5,5 Kilometer zum Treff mit einem Roloff, oder zum nächsten Taxiplatz.
VERSION ZWEI: Barschel läßt sich zu irgendeinem Hotel in der Innenstadt bringen, das 4,4 Kilometer entfernt liegt - er war ja nirgendwo angemeldet. Als er am Ziel kein Zimmer bekommt, er sich ein neues Taxi - oder geht zu Fuß weiter zum Beau-Rivage.
VERSION DREI: Barschel läßt sich zum Treff mit Roloff "in Flughafennähe" (Aufzeichnungen) mit dem Taxi fahren - für den Ortsunkundigen ist unter Umständen auch ein 4,4 Kilometer entfernter Ort in Flughafennähe. Beauverd fährt leer weiter.
Für Version drei spricht im übrigen ein anonymer Anruf eines Taxifahrers, der bald nach dem Tod Barschels bei einer Genfer Zeitung einging. Der Unbekannte will Barschel zu einem Park in Genf gefahren haben, wo der sich mit einem Mann getroffen habe. Vom Park aus kann man das Beau-Rivage zu Fuß erreichen.
Das Traditionshotel am Ufer des Genfer Sees pflegt pietätvoll auch das Andenken an Mordopfer unter seinen Gästen. Im Foyer, neben dem Eingang zur Bar, steht die Glasvitrine mit den blutbefleckten Utensilien der Kaiserin Sissi. Das Gästebuch liegt aufgeschlagen mit der Zimmernummer des berühmten Gastes, der vor dem Hotel auf offener Straße mit einer Feile niedergestochen wurde.
Das war am 10. September 1898 - da steht nun auch ein rundes Datum an: Eli- sabeth Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn verblutete im Foyer des Beau- Rivage. Die Kaiserin, von den meisten Menschen hierzulande mit Romy Schneider verwechselt, wohnte in Zimmer 34-36.
Uwe Barschel bekam das Zimmer 317. "Spätestens um 16.30 Uhr", berichtet Garbely, sei seine telefonische Suche nach dem entflohenen Interview-Partner erfolgreich gewesen. "Wohnt bei Ihnen ein Dr. Barschel?" hatte der Journalist in den großen Hotels der Stadt gefragt. "Ja, der Gast hat Zimmer 317", hieß es im Beau-Rivage, "wollen Sie verbunden werden?"
Nein, danke, jetzt nicht. Mittlerweile hatte der Stern aus Hamburg den Fotografen Hanns-Jörg Anders und den Reporter Sebastian Knauer in Marsch gesetzt, um den Fall Barschel zu übernehmen.
Der Gast in Zimmer 317 setzte seine Notizen fort, bevor er noch mit irgend jemandem telefonierte. "17.10" schrieb er, "Hotel Beau-Rivage". Seine Uhr hatte er offenbar mittlerweile auf Genf-Zeit umgestellt, eine Stunde vor.
In den Notizen verfiel Barschel nun ganz offen in den Tagebuch-Stil - so schreibt keiner zum Vortrag vor dem Untersuchungsausschuß. "Treffen mit ,R. R.'' hat geklappt. Tatsächlich. Er hat mir viel erzählt." Dann folgt die wirre Geschichte, die mittlerweile fast so berühmt ist wie die von der Ermordung Sissis mit der Feile:
Über Roloff schrieb Barschel:
Er hat Pfeiffer nur 2 o 3 x kurz gesehen. Hat ihn im Fernsehen wiedererkannt. Sein Name damals Gelsenberg. R. kennt Pfeiffer- Gelsenberg über einen "Freund". Name nennt er nicht. Der ist ausgebildeter Paßfälscher. P. behauptet dieser oder weitere sind die Hintermänner Pfeiffers. Er weiß von seinem "Freund", daß Pfeiffer im SPIEGEL-Konzern sein Unwesen treiben sollte. Es soll um Erpressung der Firmenleitung gegangen sein mit echten o. gefälschten Dokumenten. Daraus wurde nichts, weil Pf. zur Pressestelle kam. Dann wurde Pfeiffer auf mich angesetzt. Da bei mir nichts zu holen war (kein Geld) "Überwechseln" zur SPD/SPIEGEL. Genaue Einzelheiten weiß R. R. auch nicht. Hat seine Informationen aus Gesprächen mit "Freund". Den kann er nicht nennen weil sonst selbst in Gefahr. Der hat ihn betrogen. R. R. will mir ein Bild geben, daß Pfeiffer + Freund zeigt. Freund seit ca. 4 Wochen verschwunden.
Kaum zu glauben, daß Barschel das alles erfunden hat. Denn der war zur selben Zeit heftig dabei, eine Komplott-Theorie mit sich selbst als Opfer zu schmieden. Mag er die Geschichte eines Komplotts von Pfeiffer und anderen als ehrlichen Verdacht oder als bewußt konstruierte Legende vorangetrieben haben: Keinesfalls paßt die hier niedergelegt e Geschichte dazu.
Pfeiffer erscheint darin als ein wirrer kleiner Verbrecher, der erst versucht, den Springer-Konzern zu erpressen (Spiegel- Konzern ist offenbar ein Schreibfehler Barschels), dann den armen Uwe Barschel, der aber ein schlechtes Opfer war,weil er kein Geld hatte. Schließlich habe sich der Unhold an "SPD/Spiegel" verkauft.
Zugleich tauchen in diesem Text Informationen auf, die schon deshalb nicht frei erfunden sein können, weil sie nachweislich stimmen - ohne daß Barschel dies schon vorher wissen konnte. Da ist vom "Freund" die Rede, der "ausgebildeter Paßfälscher" sei.
Bei dem "Paßfälscher" kann es sich um einen Mann gehandelt haben, den Barschel mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kannte: Gert Postel alias Dr. Dr. Bartholdy.
Anders als bei Uwe Barschel war dieser Doppeldoktor ein Fake. Der abgebrochene Postbeamte Postel ist ein manischer Betrüger, der mehrfach wegen Hochstapelei und Urkundenfälschung bestraft worden ist. Unter dem Pseudonym Dr. Dr. Bartholdy praktizierte er als stellvertretender Amtsarzt in Flensburg. Und über die Köpenickiade hat ein Freund Postels ein Buch geschrieben: Reiner Pfeiffer.
Postel soll sogar an einigen schmutzigen Tricks Pfeiffers in der Kieler Affäre mitgewirkt haben. Der fingierte Anruf eines "Dr. Wagner" beim angeblich aidsverdächtigen Engholm beispielsweise: Das ist die Handschrift des talentierten Pfeiffer-Freundes.
Es ist nicht auszuschließen, daß Barschel an diesem Nachmittag den echten Namen seines "Roloff" kennengelernt hat. Mitten im Text, wo er eigentlich, wie auch zuvor, "R." hätte schreiben müssen für "Roloff", schreibt er "P.". Für: "Postel"?
Schnelles Gegenargument: Das kann gar nicht sein. Eben noch tauchte Postel als Kandidat für den "Freund" und "Paßfälscher" auf - nun soll er Roloff sein, der die Geschichte vom "Paßfälscher" erzählt?
Es ist ein Denkspiel mit drei Unbekannten: Da erzählt Barschel von einem, der von einem erzählt, der ein Betrüger sei. Allen dreien, das ist das Problem, muß zugetraut werden, daß sie etwas erfunden haben.
Warum nicht diese Version:
Roloff ist Postel, trifft sich in Genf mit Barschel und erzählt ihm zutreffend von Hintergründen der Kieler Affäre. Seine eigene Rolle schönt er ein bißchen und verschiebt die Identität des Paßfälschers auf einen "Freund". Barschel notiert alles getreulich - wenn er auch nicht alles versteht.
Warum sollte Postel das getan haben? Er wollte ja nicht mal Geld für seine Materialbeschaffung. Warum hätte er Barschel helfen sollen, nachdem er ihn zuerst mit Pfeiffer in die Affäre hineingeritten hat? Die Antwort ist verblüffend einfach: aus Jux. Postel, der nach den Worten des Spie- gel-Gerichtsreporters Gerhard Mauz "für die Psychiatrie das ist, was Schneider für die Banken", hat aus Jux schon ganz anderen Aufwand getrieben.
Eine Bremer Staatsanwältin piesackte er, weil er sich über sie geärgert hatte, bis sie mit einem Nervenzusammenbruch in die Klinik mußte. Wiederholt beschaffte er sich die Geheimnummer der Juristin und trat telefonisch unter den verschiedensten Pseudonymen auf. Postel schaffte es sogar, in das staubig-seriöse Fachblatt Neue Juristische Wochenschrift eine redaktionelle Meldung zu lancieren, die Frau sei zur Generalstaatsanwältin befördert worden.
Im Sommer 1984 ließ Postel auf Bütten die Vermählung der Staatsanwältin mit "Prof. Dr. multiplex Reinhard Ritter Ronstorf" verbreiten - verbunden mit einer Einladung zu einem Empfang in ihrer Wohnung.
Kein anderer als dieser Telefon- Kujau hätte es geschafft, frechen Anrufen unter dem Pseudonym "Landesregierung Kiel" sich den Ex-Ministerpräsidenten an seinem Urlaubsort ans Telefon holen zu lassen. Nur ein Talent wie Postel - er erschwindelte sich, sogar nachdem das Buch über Bartholdy veröffentlicht worden war, abermals eine Stelle als Facharzt - konnte es schaffen, den gewieften Trickser Barschel mit wilden Versprechungen aus Gran Canaria vor der Westküste Afrikas bis nach Genf zu locken.
Postel, der den Kieler Untersuchungsausschuß mit dem Zitat beglückte, jemand lüge so heftig, daß nicht mal das Gegenteil stimme, ist für jede Geschichte gut. Er wird sie, wenn sie ihm gefällt, heftig bestätigen. Na klar, sagt Postel, er sei am 10. Oktober in Genf gewesen. Er sei mit dem Leihwagen hingefahren, im Hotel De la Paix sei er abgestiegen. Und um 18 Uhr habe sich mit Uwe Barschel vor einem Zigarrenladen in der Rue de Rive getroffen.
Fall gelöst? Kein Wort von Postel darf man glauben, hatte er doch schon zuvor eidesstattlich versichert, er sei keinesfalls Genf gewesen.
Doch, so hübsch das Zitat vor dem Untersuchungsausschuß auch war: Es stimmt ja nicht.Wenn eins von beidem gelogen ist, dann ist das Gegenteil davon die Wahrheit.
Das Hotel De la Paix, wo Postel gewohnt haben will, liegt ganz nahe am Beau-Ri- vage. Der Hoteldirektor kann sich an einen Gast dieses Namens nicht erinnern. Unterlagen aus dem Oktober 1987 existieren nicht mehr.
Jedenfalls kann die von Postel genannte Treffzeit, 18 Uhr, nicht stimmen. Zwischen 17.41 Uhr und 19.13 Uhr hat der Gast auf Zimmer 317 des Beau-Rivage ausweislich des Hotelcomputers nahezu pausenlos telefoniert.
Offenbar erst, nachdem er seine Aufzeichnungen beendet hatte, informierte Barschel seine Vertrauten, was gelaufen sei: Zuerst rief er seine Frau auf Gran Canaria an und erzählte ihr vom Roloff- Treff. "Er schien glücklich und erleichtert", berichtet Frau Barschel, und versprach, am nächsten Tag wieder anzurufen.
Außerdem habe Uwe Barschel angekündigt, er werde am Abend mit seinem Bruder Eike und den Kindern in den Zirkus Knie gehen, der in Lausanne gastierte. Doch woher wußte Barschel das? Sollten die beiden Brüder doch schon mal zuvor telefoniert haben?
Das nächste Telefonat um 18.01 Uhr war ein langes Gespräch mit Schwester Folke. Er könne jetzt beweisen, soll Barschel gesagt haben, daß ein Komplott gegen ihn geschmiedet worden sei. Und am Abend komme noch ein "Knüller": Der Informant werde ihm ein Foto übergeben, das beweise seine Unschuld. Abends habe er sich noch mit "unserer Familie in Genf treffen wollen".
Dann, 18.28 Uhr, das erste Gespräch mit Eike Barschel. Es dauerte nur etwa drei Minuten. Der Bruder berichtet, Uwe Barschel habe ihm ebenfalls erzählt, er habe mit jenem Kontakt, "der beweisen kann, daß ein Komplott gegen ihn gelaufen ist". Deshalb werde es noch am selben Abend ein Zusammentreffen im Restaurant des Hilton-Hotels geben.
Um 20.00 Uhr, so besprachen dann angeblich die beiden Brüder, beginne der Zirkus Knie. Uwe Barschel habe dann vorgeschlagen, die Familie solle schon mal vorausfahren, er komme dann mit dem Taxi nach.
Das erste Gespräch mit dem Bruder, die ganze Roloff- Geschichte in nur drei Minuten? Vielleicht gab es ja doch schon von Gran Canaria aus ein Telefonat, an das sich Eike Barschel nicht mehr erinnert oder erinnern will?
Er sei, sagt der Bruder, gerade erst von einer Dienstreise zurückgekommen.
Weil Barschel das Telefonat um 18.30 Uhr beendet, haben die Ermittler das folgende Gespräch auf 18.31 Uhr datiert. Es ging an den Zimmerservice.
"Etwa gegen 18.30 Uhr", sagte der Zimmerkellner Jean-Pierre Vergori am Tag nach dem Fund der Leiche durch die Polizei, habe er für Zimmer 317 eine Flasche Beaujolais Le Chat Botté gebracht.
Ich klopfte an, und ein Mann öffnete. Ich trat ein und setzte mein Tablett auf ein Tischchen hinten im Zimmer. Ich durchschritt den ganzen Raum. Ich öffnete die Flasche vor dem Gast, und er kostete den Wein. Er wollte nicht, daß ich sodann sein Glas füllte.
Er unterschrieb seine Rechnung und fragte mich, was man machen sollte, um nicht gestört zu werden. Er sagte mir - immer auf englisch -, daß er müde wäre und schlafen wolle. Ich schlug ihm vor, ihm seine rote Karte an seine Tür zu hängen. Er antwortete mir, daß er das selber machen wollte. Danach ging ich hinaus. Ich bekräftige, nur einen Mann im Zimmer 317 angetroffen zu haben. Ich erinnere mich nicht, Gepäckstücke gesehen zu haben. Das Bett war unbenutzt. Ich erinnere mich nicht, ob die Bettdecke tadellos glattgezogen war.
Wie immer bei solchem Service brachte ich zwei Gläser. Ich beendete meinen Dienst um Mitternacht und kehrte nicht mehr in das Zimmer 317 zurück. Im Augenblick meiner Verrichtung im Zimmer 317 hatte der Gast ein Hemd und eine Hose an.
Es ist also keinesfalls sicher, daß Barschel den Rotwein bestellte, nachdem er seinen Bruder angerufen hatte. Es könnte ebensogut vorher gewesen sein.
Zwischen 18.30 Uhr und 19.08 Uhr muß etwas geschehen sein. Von Eike Barschel unerwartet, rief Bruder Uwe ein zweites Mal an. Die Familie im Hause Eike Barschels in Yens machte sich gerade für den Zirkus-Besuch fertig, ein Kind wurde als Clown geschminkt.
"Die Transaktion beginnt jetzt", habe Uwe Barschel in aufgeregtem Ton ins Telefon gerufen. Der Kontaktmann wolle ihm gleich das Foto übergeben - im Hilton.Wer denn darauf zu sehen sei, will Eike gefragt haben.
"Hör zu", habe Uwe geantwortet, "du bist aus dem schleswig-holsteinischen Leben zu lange entfernt, und der Name würde dir nichts sagen."
Er werde, soll Barschel seinem Bruder angekündigt haben, vielleicht erst zur Vorstellungspause in den Zirkus kommen. Wenn er es nicht schaffe, werde er am nächsten Morgen zum Frühstück nach Yens kommen, spätestens 9.30 Uhr.
Eike Barschel, der überlegte, ob er seinen Bruder vielleicht im Hotel abholen sollte, erinnert sich, beim ersten oder beim zweiten Telefonat gefragt zu haben: "Sag mal,wo bist du eigentlich?" Barschel habe geantwortet: "Wo bin ich hier eigentlich? Ich bin im Hilton."
An der Antwort rätseln die Ermittler nun seit zehn Jahren herum. Er hatte doch in seinen Aufzeichnungen geschrieben: "17.10 Hotel Beau-Rivage". Selbst wenn die Aufzeichnungen in Wahrheit erst nach diesem Telefonat entstanden sein sollten, könnte Uwe Barschel doch keine Zweifel gehabt haben, daß er nicht im Hilton war. Neben dem Telefon lag ein Blöckchen des Hotels, auf dem er sich Notizen machte. Groß steht drauf: "Hôtel Beau-Rivage Genève".
Mehrere Erklärungen sind möglich:
VERSION EINS: Eike Barschel hat sich den Wortwechsel, warum auch immer, ausgedacht. Möglicherweise hat er Interesse an der Version, nicht gewußt zu haben, wo sein Bruder wohnte, weil er nicht in Verbindung mit den Ereignissen der folgenden Nacht gebracht werden wollte.
VERSION ZWEI: Uwe Barschel hat seinen Bruder bewußt angelogen. Das wäre ein Hinweis darauf, daß er ihn nicht sehen wollte und auch nicht vorhatte, ihn zu treffen möglicherweise, weil er ungestört aus dem Leben scheiden wollte.
VERSION DREI: Uwe Barschel war nicht mehr klar im Kopf und hat den mit dem Informanten verabredeten Treff (Hilton) mit seinem Aufenthalt durcheinandergebracht. Das könnte daran liegen, daß einige von den Tabletten, die er an diesem Abend zu sich nahm, schon ihre Wirkung entfalteten.
Barschel hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch wenige Stunden zu leben. Da kommt es auf jede Minute an. Deshalb muß auch einer auffälligen Verwirrung in den Uhrzeiten der Bruder-Telefonate nachgegangen werden.
Insgesamt nicht zweimal, sondern dreimal hat ausweislich des Hotelcomputers Uwe Barschel die Nummer seines Bruders gewählt. Nur beim ersten Mal, das war um 18.19 Uhr, hat sich Barschel verwählt - er vergaß eine Null der Vorwahl. Der Computer registrierte immerhin das mißglückte Gespräch.
Den Genfer Ermittlern, die nach Barschels Tod die Telefonlisten filzten, fiel das nicht auf. Sie registrierten "zur Weiterleitung an die Untersuchungsrichterin" in einem Info vom 14. Oktober drei Eike-Telefonate: 18.19 Uhr, 18.28 Uhr, 19.08 Uhr.
Bei der Polizei sagte zutreffend der angerufene Eike Barschel aus, er sei von seinem Bruder zweimal, nicht dreimal angerufen worden. Unzutreffend sind jedoch seine Zeitangaben: "Zwischen 18.15 Uhr und 18.30 Uhr" seien beide Telefonate gewesen, und er wiederholte noch mal, das zweite Gespräch habe zehn Minuten nach dem ersten stattgefunden.
In Wahrheit war ja das erste Gespräch erst um 18.28 Uhr, das zweite immerhin 40 Minuten später. In 10 Minuten kann kaum viel geschehen. In 40 Minuten schon.
Eine Erklärung für Eike Barschels falsche Zeitangaben könnte darin liegen, daß er sich auf die falschen Polizei-Angaben aus dem Computer-Info statt auf seine Erinnerung gestützt hat und - wie übrigens fälschlich auch in späteren Aktenno- tizen die Ermittler - irrtümlich das dritte Gespräch um 19.08 Uhr als das mißlungene angenommen hat.
Doch so kann es auch nicht sein. Die falsche Telefonliste der Ermittler stammt vom 14. Oktober. Eike Barschels Vernehmung aber fand schon am 11., dem Todestag seines Bruders, statt.
Irgend etwas stimmt nicht mit Eike Barschels Telefon-Geschichten. Weil die Ermittler schlampig mit den Telefonnummern umgingen, fiel das bislang nicht auf. Doch im nachhinein sprechen die Ungereimtheiten dafür, daß vielleicht die Version eins des Hilton-Rätsels die zutreffende ist.
Noch ein Telefonat - vielleicht sogar das wichtigste: "In den Abendstunden", so die Aussage der Telefonistin in der Hotelzentrale, sei dem Gast auf Zimmer 317 ein Ferngespräch durchgestellt worden. Der Anrufer wurde niemals gefunden.
Es war 19 Uhr vorbei. Draußen war es jetzt dunkel, der Bettaufdeck-Dienst, der irgendwann um diese Zeit die Zimmer abklapperte, hatte bei 317 nicht geklopft,weil - so die Zeugenaussage - das rote Nichtstören- Schild gehangen habe.
Von diesem Zeitpunkt an ist alles weitere Spekulation. Es ist kein Lebenszeichen von Uwe Barschel mehr bekannt geworden. Niemand hat den Gast das Hotel verlassen sehen - aber das will nicht viel heißen. Das Foyer des Hotels, wie ein Tempel vollgestellt mit Säulen und Statuen, ist dermaßen unübersichtlich, daß Sissi mit Gefolge hier hätte ausziehen können, ohne daß jemand an der Rezeption es gesehen hätte.
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Im nächsten Heft Auf der Spur der Rotweinflasche - K.-o.- Tropfen im Blut - Barschels Terminkalender bei der Stasi
* Nach dem Flugzeugabsturz im Juni 1987 in einem Lübecker Krankenhaus.
Von Thomas Darnstädt

DER SPIEGEL 42/1997
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