03.09.2012

BriefeGroße Ideen, kleine Politik

Nr. 35/2012, Aufstand der Bundesbank - Deutschlands Währungshüter gegen den Kurs der Euro-Retter
Mag Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auch Angela Merkel sowie eine Reihe von Politikern nicht auf seiner Seite haben, so bin ich überzeugt, dass die Mehrheit der Bundesbürger hinter ihm steht und seine Ansichten voll und ganz teilt. Wir wollen nach den leidvollen Erfahrungen aus unserer Geschichte kein Anwerfen der Notenpresse, wie es EZB-Chef Draghi vorhat, weil dies zwangsläufig zu einer Inflation führen würde, die unser Geldvermögen und unsere wirtschaftlichen Grundlagen zerstört.
Alfred Nahrmann, Bremen
Herr Weidmann irrt in einem einfachen, aber entscheidenden Bereich: Hätte die Bundesbank ihr Veto gegen die Zusammensetzung der Euro-Zone eingelegt, hätte keine Bundesregierung es wagen können, diese Empfehlung zu ignorieren. Weidmann verfolgt die Politik, die Bundesbank von allen Fehlern - wie der unkontrollierten Vergrößerung der Geldmenge in den letzten 20 Jahren, die nun zu unverantwortlichen Spekulationen führt - freizusprechen und sich einer entschiedenen europäischen Lösung zu entziehen.
Johannes Fritz, Nidda (Hessen)
Zur Vermeidung unabsehbarer Schäden muss Jens Weidmann hart bleiben. Der Rettungsschirm ESM ist gesetzlich nicht als Sanierungsgesellschaft, sondern als dauerhafte Schuldenorganisation konzipiert. Die sogenannten Rettungsschirme und die EZB manipulieren mit ihren Käufen dauerhaft die Kurse von Staatsanleihen. Durch die Geldmengenpolitik der Zentralbanken haben alle Assetklassen nur noch virtuelle und überhöhte Kurse. Damit bekommen Teile der Finanzwirtschaft eine Dauersubvention, und die Realwirtschaft bleibt unten.
Dr. Volker Gallandi, Frankfurt am Main
Offensichtlich ist Weidmann auf einem Auge blind: Der Aufkauf von Staatsanleihen birgt Risiken, aber ein Bankrott Italiens und das damit einhergehende wirtschaftliche und politische Chaos wären auch für Deutschland verheerend. Bisher profitieren wir noch mit historischen Minizinsen vom Elend unserer Nachbarn - es wäre aber naiv zu glauben, dass dies während einer dramatischen Rezession bei unseren wichtigsten Handelspartnern immer noch so sein wird.
Norbert Sanftmann, Öhringen (Bad.-Württ.)
Worüber wundern wir uns? Die Problemlösungskompetenz der Politik hat sich auf das Geldausgeben reduziert. Die angebliche Alternativlosigkeit ist eine Bankrotterklärung des strategischen Denkens. Konzeptionelles Denken und Kreativität finden immer eine Perspektive, ein Grand Design. Doch für eine große Idee sind die amtierenden Politiker - nicht nur in Deutschland - einfach zu klein.
Dr. Dieter Heinrich, Düsseldorf

DER SPIEGEL 36/2012
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