03.09.2012

PFERDEZUCHT„Mercedesstern auf dem Schenkel“

Der Wiener Veterinärmediziner Jörg Aurich, 51, über das Brandmarkieren von jungen Pferden
SPIEGEL: Ist das Fohlenbrennen Tierquälerei?
Aurich: Zumindest bedeutet die Prozedur eine akute Belastung für die Pferde, die man messen kann. Das gilt bisher allerdings auch für das Markieren mit Chips, denn die sind noch relativ groß. Neuere Chips wird man aber schon bald mit einer deutlich kleineren Nadel implantieren können.
SPIEGEL: Worin sehen Sie die Vorteile der Chips?
Aurich: Dass man sie wirklich lesen kann - was für Brandzeichen nicht immer gilt. Wir haben das in einer Studie mit 248 Turnierpferden untersucht. Erfahrene Tester konnten dabei das Rassesymbol nur bei 84 Prozent der Pferde richtig erkennen. Der darunterstehende zweistellige Nummernbrand war sogar nur in knapp 40 Prozent der Fälle abzulesen. Selbst bei eingeschläferten Tieren, bei denen die Haut an den Brandmalen eigens rasiert wurde, waren die Ergebnisse ähnlich.
SPIEGEL: Wenn die Zeichen oft unleserlich sind - warum hält die Pferdelobby dann so verbissen am Brennen fest?
Aurich: Der Stempel ist ein Prestigesymbol. Ein Pferd mit Hannoveraner-Brandzeichen lässt sich besser verkaufen. Es ist wie ein Mercedesstern auf dem Schenkel, auf den man nicht verzichten will.
SPIEGEL: Und ohne ein solches Qualitätssymbol geht es nicht?
Aurich: Doch. Die Niederländer zum Beispiel züchten und verkaufen sehr erfolgreich Sportpferde - obwohl sie die Brandzeichen schon vor über zehn Jahren abgeschafft haben. Und in vielen arabischen Ländern gilt eine solche Narbe sogar als Verunstaltung, das wäre dort eine echte Wertminderung.

DER SPIEGEL 36/2012
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