15.12.1997

UMWELTKleine Ozeanriesen

Die Vertiefung der niedersächsischen Ems wird offenbar für Schiffe gefordert, die auf der Meyer-Werft in Papenburg gar nicht gebaut werden können. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens des World Wide Fund for Nature (WWF). In dieser Woche beginnt der Erörterungstermin der Planfeststellung für das umstrittene Sperrwerk an der Emsmündung. Im Gutachten heißt es, der Bau von großen Kreuzfahrtschiffen mit über 100 000 Bruttoregistertonnen werde schon deshalb scheitern, weil die Schleuse vom Meyer-Dock zur Ems für Luxusliner gar nicht tief genug und das Dock nicht breit genug sei. Die jetzt in der Planfeststellung geforderte Emsvertiefung auf 8,50 Meter sei deshalb nach WWF-Meinung "nicht gerechtfertigt".
Bislang konnten vier große Kreuzfahrtschiffe auf der 7,30 Meter tiefen Ems in die Nordsee überführt werden. Selbst Werftchef Bernhard Meyer hatte noch 1994 in einer Anhörung gegenüber der Wasser- und Schiffahrtsdirektion erklärt, daß er "für größere Schiffe keine Zukunft sieht" und "maximal eine Anpassung des Emsfahrwassers an 7,30 Meter notwendig" sei. Meyer sieht das heute anders. Bei einer "gestauten Ems" könnten auch die "auf dem Weltmarkt geforderten größten Schiffstypen" die Werft verlassen.
Wenig Unterstützung können die Umweltverbände von Niedersachsens Ministerpräsident erwarten, der ein Sperrwerk befürwortet. Gerhard Schröder hatte kürzlich bei einem Treffen mit den Schiffsmanagern zugesagt, "die Werft bekommt, was sie will".
Von Knauer und

DER SPIEGEL 51/1997
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