22.04.1996

„Alles gute Bodys hier“

Fit zu sein gilt als chic. Deshalb stemmen und schwitzen 3,5 Millionen Deutsche regelmäßig in den 5500 Sportstudios des Landes, als könnten so die Statuen aus der Antike zum Leben erweckt werden. Doch die Lifestyle-Welle schwappt über: Rund 100 000 helfen mit gefährlichen Medikamenten nach - bis in den Tod.
Mann hat schon immer alles versucht. Selbst Franz Kafka verfiel den Thesen eines Gesundheitspredigers. "Täglich ein Viertelstündchen" dehnte und streckte der Dichter daheim seine Muskeln, stemmte Eisen und ließ dabei frische Luft an den schmächtigen Körper. Schon bald freute er sich über die Fortschritte: "Die Waden gut, die Schenkel nicht schlecht, der Bauch geht noch an."
Der Mann, der Kafka in Bewegung brachte, war ein dänischer Lehrer namens Jens P. Müller. Seine Anleitung, ein knapp hundert Seiten dünnes Brevier zur Leibesertüchtigung mit dem schlichten Titel "Mein System", wurde ab 1904 einmillionmal verkauft. Und weil noch kein Wort für derartiges sportliches Treiben erfunden war, nannte das wilhelminische Deutschland die "Tägliche Arbeit für die Gesundheit" ganz einfach ,müllern''.
Vergeblich suchte der Schriftsteller, auch seiner Felice die neue Körperkultur _(* Ausschnitt aus dem Deckenfresko ) _("Die Erschaffung Adams" in der ) _(Sixtinischen Kapelle. )
nahezubringen. "Langsam, systematisch, vorsichtig, gründlich, täglich zu ,müllern'' anfangen", trug Kafka der Verlobten schriftlich auf. Alsbald von ihren Erfolgen zu hören werde ihm "eine große Freude" sein. Die Briefe mit den guten Nachrichten blieben aus, die Verbindung ging in die Brüche.
Erst mehr als ein halbes Jahrhundert später, im Fernsehzeitalter, sollte es der Schauspielerin Sydne Rome gelingen, die deutschen Wohnzimmer zu Turnhallen zu machen. Millionen Hausfrauen folgten ihrer Videobotschaft ("Let''s move") - die moderne Mühsal hieß nicht mehr müllern, sondern Aerobic.
Heute, gut ein weiteres Jahrzehnt danach, hat sich der Körperkult allein in der Bundesrepublik 5500 eigene Tempel gebaut - die Fitneßstudios. Sie sind vollgestopft mit Maschinen, die eine an sich widersinnige Aufgabe erfüllen: Sie nehmen dem Menschen nicht die Arbeit ab, sondern lassen ihn malochen. Sie heißen Butterfly, Muscle-Booster oder Doppel-Twister.
Die chromblitzenden Sportgeräte mit den eingebauten Computerchips suggerieren, daß jetzt, endlich, der moderne Zeitgenosse seinen körperlichen Idealvorstellungen nahekommen kann. Gesteuert wird sein Tun von einer Sehnsucht, die dem Menschen offenbar schon seit Jahrtausenden innewohnt: den eigenen Körper wie ein Bildhauer zurechtzumeißeln und ihn zu einem Sinnbild des Schönen zu formen.
So wird mit einem Eifer gehüpft und gestemmt, gekeucht und geschwitzt, als könne in diesen Karosseriewerkstätten des Homo sapiens die Erschaffung des Adam von Michelangelo täglich neu inszeniert werden. Die Fitneßgesellschaft betrachtet den Leib nicht mehr als nachrangiges Gefäß der höheren geistigen Werte. Das Selbstgefühl hängt heute auch vom Erscheinungsbild der irdischen Hülle ab. "Mein Körper ist die Gestalt, in der ich lebe", hat die amerikanische Leinwand-Schöne Raquel Welch postuliert, "und er gestaltet die Art, wie ich lebe."
In den Urzeiten der Studios, das erste wurde Mitte der fünfziger Jahre in Schweinfurt eröffnet, galten die Trainingswütigen der Intelligenzija noch als Spinner, die nichts als Muskeln im Kopf hätten. Doch der Zeitgeist drehte.
Der Boom setzte ein, als auch die gehobenen Schichten, von theoretischen Diskussionen ermattet, einen ansehnlichen Körper als erstrebenswert begriffen.
Das Credo des Lebensreformers Theodor Siebert aus dem Jahre 1910, "in einer Zeit des Dampfes und der Elektrik", sei nur durch Körperertüchtigung die "Dreieinigkeit von Seele, Geist und Körper" zu retten, gilt mehr denn je in der Ära der Mikrochips.
Modedesigner wie Wolfgang Joop oder Calvin Klein entdeckten enthüllte Körper als Medium ihrer Werbebotschaften; und kaum eine Kampagne für exklusive Duftwasser kommt heute noch ohne nackte Haut aus.
Die These "Bodybuilding für die Unterschichten, Fitneß für die Yuppies" - von der taz 1993 vertreten - ist längst brüchig geworden. Der amerikanische Schriftsteller John Irving ließ sich in seinem Haus ein Studio einrichten - seitdem sitzt der Literat muskelbepackt an seiner Schreibmaschine.
Hochglanzmagazine (Fit for Fun), die dem neuen Körperbewußtsein huldigen, erwiesen sich als Auflagenhits, in diesen Tagen debütierte mit Men''s Health eine weitere Fitneß-Bibel für den Mann.
Sie verkünden unablässig: Fit sein ist Lifestyle. Wer trainiert, gilt als besserer Mensch - und immer mehr wollen bessere Menschen werden. Seit 1990 hat sich die Zahl der Bundesbürger, die regelmäßig ins Studio gehen, auf 3,5 Millionen verdoppelt; im Jahr 2000, so die Hochrechnung, werden es mehr als 5 Millionen sein. Über drei Milliarden Mark setzt die Branche jährlich um; 75 000 Besucher werden sich ab Donnerstag in Essen auf der Fitneßmesse Fibo über die neuesten Trends informieren.
Angefeuert von den Erfolgsmeldungen prominenter Mitturner, wähnen sie sich auf dem richtigen Weg. Prinzessin Diana kurierte an der Beinpresse ihren ehelichen Frust; Popstar Madonna, die vergebens per Zeitungsannonce den Erzeuger eines von ihr gewünschten Kindes gesucht hatte, fand selbigen im Fitneßcenter: den kubanischen Übungsleiter Carlos Leon. Und Cover-Boy Markus Schenkenberg stylte seinen Körper zum meistgefragten männlichen Nacktmodell hoch - er kassiert, dem Latissimus sei Dank, Gagen wie Claudia Schiffer.
Mitunter finden sich die Vorbilder aber auch am Gerät nebenan ein: Körperkulturisten, die fast jeden ihrer 434 Muskeln einzeln präsentieren können und sich Bodybuilder nennen. Sie werden bestaunt, als seien sie zum Leben erweckte Herkules-Darstellungen aus der Antike.
Doch genau bei dieser Spezies der Körperarchitektur scheiden sich die Geister: Den einen erscheinen sie als perfekte Interpreten der Ästhetik, den anderen gelten die Kraftprotze als Schmuddelkinder. Noble Adressen wie das Münchner "Prinz" oder die "Kaifu Lodge" in Hamburg etwa weisen die überbreiten Damen und Herren rigoros ab.
"Bodybuilder sind bei uns unerwünscht", sagt Conny Hasselbach, Geschäftsführer der Kaifu Lodge, der alles tut, um den Young Urban Professional vor der Versuchung zu schützen. Denn mit den Muskelmännern kommen in der Regel auch die Drogen ins Haus.
Doping gilt im Bodybuilding längst nicht mehr als Betrug. Es ist ein selbstverständlicher Teil des Trainings. "Die Profis schlucken ohne Ausnahme", sagt Nuri, ein 29jähriger Türke, der in Berlin-Kreuzberg trainiert, und auch jeder zweite Amateur habe "schon seine Erfahrungen gemacht". Ohne Anabolika, hat der ehemalige Bodybuilder Manfred Eifler am eigenen Leib erfahren, "kannst du nichts gewinnen" (siehe Interview Seite 136).
Mit Anabolika aber, auch das mußte die Szene gerade mal wieder schmerzlich erkennen, kannst du auch zu Tode kommen: Am 14. März starb in einem Münchner Klinikum Andreas Münzer. Er war für die deutschsprachigen Kraftmeier so etwas wie der Alleinerbe Arnold Schwarzeneggers, der sich in 20 Jahren Körpertraining zum Filmhelden und Millionär hochgehantelt hat (siehe Seite 140).
Der Tod traf die Branche hart. Denn Strahlemann Münzer galt auch einem Großteil jener Fitneßjünger als Idol, die selbst nicht an Maschinen Kraft tanken, sondern sich für 150 Mark die Stunde einen "Body-Butler" zum "Vitalizing" ins Haus kommen lassen.
Lange Zeit waren chemische Muskelmacher wie Stromba und Winstrol, die eigentlich dazu dienen, die Folgen der Kinderlähmung zu bekämpfen, Privatdrogen einer elitären Clique von Leistungssportlern. Inzwischen aber gehen immer mehr Bodyshaper auf den Drogentrip. Allein in der Bundesrepublik helfen schätzungsweise über 100 000 Menschen ihrem Körperbau mit Medikamenten nach, weil sie ihre natürlichen Leistungsgrenzen erreicht haben.
"Breit sein ist ein Wert an sich geworden", hat der Orthopäde Martin Engelhardt erfahren, der in Frankfurt eine Sportlersprechstunde eingerichtet hat. Anabolika, warnen Insider, sind längst zum Heroin der neunziger Jahre geworden - überall erhältlich, modern, hochgefährlich. Der Abhängige von heute stirbt nicht mehr blaß und abgemagert. Er stirbt in Schönheit.
Die Zahl junger Menschen nimmt zu, die trotz äußerlich gesunder Körper sterben: 46 Fälle von totgedopten Kraftsportlern werden bereits in wissenschaftlichen Schriften diskutiert; weit über 100 Tote finden sich in einschlägigen Statistiken. Auf über 600 schätzen jedoch Insider wie der Heidelberger Dopingexperte Werner Franke die Zahl derer, die ihren Muskelwahn mit dem Leben bezahlt haben. Die hohe Dunkelziffer hat eine einfache Erklärung: Nicht nach jedem tödlichen Herzinfarkt eines jungen Bodybuilders taucht Anabolika als Ursache wirklich im Totenschein auf.
Ein Kölner Athlet nahm 13 Jahre lang die Anabolika Dianabol und Oral-Turinabol ein. Mit 28 Jahren starb er offiziell an Herzversagen. Doch das rechtsmedizinische Gutachten der Uni Köln zählt auf: "Chronische Leber- und Milzstauung. Die Lungen histologisch mit zahlreichen Herzfehlerzellen. Fortgeschrittene allgemeine Arteriosklerose der Aorta." In einem Wort: "Anabolikatypisch."
Der Münchner Frank Hoffmann, 29, verzichtete auf Wettkämpfe: Als Trainer im Fitneßstudio wollte er nur attraktiv aussehen, mehr nicht. Eines Tags fiel seiner Freundin ein "extremes Muskelzittern an Armen und Beinen, wie Schüttelfrost", auf - das ist die klassische Nebenwirkung des Kälbermastmittels Clenbuterol. Er dope nicht, sagt Hoffmann noch, ehe er im Frühjahr 1995 stirbt, offiziell an einer verschleppten Lungenentzündung. In seinem Spind im Fitneßstudio werden Clenbuterol, Anabolika und das Aufputschmittel Ephedrin gefunden. "Mein Sohn war immer so ein gesunder Kerl", sagt Hubert Hoffmann, der Vater: "Er ist im Studio irgendwie verführt worden."
Doch selbst wenn die Organe dem übermäßigen Pillenverzehr widerstehen, ist Gefahr in Verzug: Amerikanische Wissenschaftler stellten bei Anabolika-Schluckern in einer Studie ähnliche Suchtsymptome fest wie bei Konsumenten von Opiaten. Bodybuilder, die hohe Dosen Anabolika zu sich nehmen, neigen zu Gereiztheit und körperlicher Gewalt. "Allein am aggressiven Umgangston", sagt der Hamburger Fitneßtrainer Zlatko Sajfer, könne man oft schon erkennen, "ob einer gerade eine Kur macht". In England gründete Sherry Lambert die "Steroid Abusers Wives Association", eine Selbsthilfegruppe von Ehefrauen, deren bodybuildende Männer regelmäßig durchdrehen.
Geraten die Kraftprotze vollends aus dem seelischen Gleichgewicht, führt das nicht selten zum Suizid: In Köln überlebte ein Bodybuilding-Profi, 41, einen Schlaganfall. Zurück blieben Sprachstörungen, er verlor seinen Job als Aushilfstrainer in einem Studio. Seine Ehefrau fand ihn eines Abends tot im Wohnzimmer, mit aufgesetztem Kopfschuß.
Die Kraftmeier von heute haben nichts mehr gemein mit dem Königsberger Zirkusathleten Karl Friedrich Müller, der sich Eugen Sandow nannte und anno 1905 den Begriff "Bodybuilding" etablierte. Der muskulöse Gemüsehändlersohn gab an, die Posen antiker Statuen nachzustellen, die er angeblich in Italien beim Studium der klassischen Bildhauerkunst entdeckt habe.
Sandow unterschied sich damit von jenen Artisten, die auf Jahrmärkten und im Zirkus Ketten sprengten oder wie der von Bertolt Brecht bewunderte "Eisenkönig" Siegmund Breitbart Kanonenkugeln mit der bloßen Brust stoppten. Sandow pries die "zweckfreie Schönheit", von da an wurde die Kraft an Expandern und Hanteln geholt, öffentlich die Stärke aber nur noch zur Schau gestellt.
Wie Siegfried wollen die Bodybuilder aussehen, am besten noch stärker, noch mächtiger, noch strahlender. Und weil das auf natürliche Weise nicht zu schaffen ist, wird mit der chemischen Keule nachgeholfen.
Rund 10 000 Muskel-Menschen betreiben hierzulande schätzungsweise das sogenannte Hardcore-Doping mit extrem hohen Dosierungen. Wer Schmerzen spürt, betäubt sie mit Stimulanzien, Kokain oder auch nur mit ganz gewöhnlichen Schmerztabletten. Im Drogenrausch verhallen alle Warnsignale, der Bodybuilder schluckt sich seine Qualen schön.
Extensive Körperlichkeit verbindet: Die harten Doper trainieren oft im Milieu. In Berlin trifft sich die Szene im Studio Reichenbach in Tegel oder in einem Hinterhaus an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Gym 80 heißt der Laden des mehrfachen Karate-Europameisters Andreas Marquardt. 400 Bodybuilder foltern sich hier. Daß Andy Münzer häufiger in diesem Schuppen trainiert hat und hin und wieder einen heißen Tip fallenließ, empfinden sie als Auszeichnung.
Studios wie das Gym 80 finden sich überall im Land. Im Düsseldorfer Bugs Body führt Geschäftsführer Holger Trotzki Besucher stolz durch das Etablissement: "Alles gute Bodys hier."
Im Olympic im Hamburger Bahnhofsviertel, neben Scientology und diversen Nachtklubs, fällt die Begrüßung auch schon mal zünftig aus. Wer ein Konto und genügend Geld habe, sagt der Mann am schmalen Holztresen, dem könne "alles" geboten werden: "Wir machen hier richtiges Bodybuilding."
Die Beschaffung der gängigen Mittel bereitet keine Probleme (siehe Grafik). Die "Thais", derzeit der Renner, werden von Touristen aus Thailand mitgebracht, Trainer der osteuropäischen Muskelhochburg Moskau bessern ihren kargen Lohn mit dem Steroidhandel auf und Chartermaschinen fliegen über Gran Canaria die spanischen Anabolika-Produkte regelmäßig nach Deutschland ein.
Innerhalb von fünf Jahren wurden vom Kölner Zollkriminalamt 4,5 Millionen illegal eingeführte Anabolika-Tabletten, -Ampullen und -Kapseln beschlagnahmt, allein 1995 registriert das Bundesamt 83 Fälle. "Aber viel von dem Zeug", weiß ein Beamter, "kommt auch einfach per Post."
Hierzulande blüht der Schwarzhandel, weil viele Bodybuilder Geld für die eigene Kur benötigen - Not macht, wie beim Heroin, Dealer. Die fühlen sich relativ sicher: In etlichen Studios trainieren und spritzen auch Polizeibeamte mit. In Moers ließ sich Wachtmeister Olaf P. erwischen, als er 70 000 Pillen ankaufte.
Mitunter sind die Studios auch behilflich. Zu ihm, gibt ein Studiobesitzer aus Westfalen an, kämen oft Leute, "die noch keine Hantel in der Hand gehabt haben und schon nach Stoff fragen". Wer da nichts unterm Ladentisch habe, sehe den Kunden nicht wieder. Deshalb, weiß Reinhard Wodick, Sportmediziner an der Universität Ulm, würden dort auch "Adressen von Ärzten gehandelt, die Anabolika ohne jede medizinische Indikation verschreiben".
Wer erwischt wird, muß kaum Folgen fürchten. Anabolika-Handel ist ein Delikt, das nicht unter das Betäubungsmittel-, sondern nur unter das Arzneimittelgesetz fällt.
Eine Initiative der SPD, Hormon- und Drogenbesitz nach amerikanischem Vorbild strafrechtlich auf eine Stufe zu stellen, wurde 1994 von der Regierung abgelehnt. Nicht Gesundheitsminister Horst Seehofer, sondern Innenminister Manfred Kanther konterte die oppositionelle Forderung - schließlich betreffe der Anabolika-Mißbrauch hauptsächlich den Sport. Und der, verkündete Klaus Riegert, Sportpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, lakonisch, "braucht keine Bevormundung".
Längst aber haben die Kraftspender auch die Klassenzimmer erreicht. In den USA beziffern Wissenschaftler die Zahl der 14- bis 18jährigen Anabolika-Verwender auf mindestens 700 000. In der Schweiz fanden Soziologen heraus, daß zehn Prozent der Jugendlichen schon künstliche Hormone probiert haben.
Hamburger Nachwuchs-Bodybuilder berichten, "alles Nötige auf dem Schulhof einkaufen" zu können. Der Kölner Dopingfahnder Wilhelm Schänzer fordert, daß "längst überfällige Studien" erstellt werden: Gerade Jugendliche könnten durch Anabolika "extrem in ihrer Wachstumsphase gestört werden".
Die von oben verordnete, über 20 Millionen Mark teure Aufklärungskampagne ("Keine Macht den Drogen") wirkt da wie Geldverschwendung. "Wir sind eine Risikogesellschaft", sagt der Soziologe Bero Rigauer: "Wir leben im Hier und Jetzt." Was zähle die Nebenwirkung von übermorgen, "wenn ich morgen ein stärkerer Typ bin?"
Die narzistische Epoche, so scheint es, hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht: Alle Berichte über Nebenwirkungen wie Akne, Impotenz, Aggressionen und Depressionen sind vergessen, wenn TV-Bilder von der scheinbar prallen Vitalität der Körperfetischisten von Venice künden. Das Stückchen Strand in Los Angeles gilt immer noch als Mekka aller Fitneßfans. Und von dort droht eine neue Welle - in Form von synthetisch hergestellten Wachstumshormonen.
Schon heute produzieren Pharmakonzerne in aller Welt deutlich mehr Wachstumshormone vom Typ HGH als medizinisch notwendig. Das Präparat gilt in Kombination mit Anabolika als absolute Wunderwaffe - birgt aber auch deutlich höhere Risiken der Selbstvergiftung.
Noch kursiert das Wirkstoffduo eher als Geheimtip. Bei entsprechender Verbreitung, ahnt ein Frankfurter Arzt, der selbst Eisen stemmt, "werden so viele dahingerafft wie noch nie".
"Mein Sohn ist im Studio irgendwie verführt worden"
[Grafiktext]
Anzahl der Doping-Konsumenten
Mitglieder in deutschen Fitneßcentern
Doping-Hitparade
[GrafiktextEnde]
* Ausschnitt aus dem Deckenfresko "Die Erschaffung Adams" in der Sixtinischen Kapelle.
Von Udo Ludwig, Klaus Brinkbäumer und Alfred Weinzierl

DER SPIEGEL 17/1996
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