10.06.1996

GESTORBENFerdinand Leitner

84. Ein Star wollte der Dirigent nie sein - ihm ging solides Handwerk über alles, und dafür liebten ihn die Kollegen. Das Komponieren hatte der Berliner Kaufmannssohn von Meistern wie Paul Hindemith und Franz Schreker gelernt, am Klavier unterrichtete ihn der strenge Artur Schnabel, und schon mit 17 durfte er gar beim Wagner-Papst Carl Muck in Bayreuth assistieren. Doch im Beruf blieben Weitblick und Teamgeist seine Stärken. So überließ Leitner 1951, obwohl er alle Proben geleitet hatte, zur umjubelten Uraufführung der Oper "The Rake's Progress" in Venedig den Taktstock neidlos ihrem Komponisten Igor Strawinski selbst. Allürenfrei führte er über 20 Jahre lang die Stuttgarter Staatsoper (wo seine Zusammenarbeit mit Wieland Wagner Epoche machte), danach bis 1984 das Zürcher Opernhaus - traditionsbewußt und doch mit wacher Neugier für die deutsche Moderne von Schillings bis Zimmermann. Ferdinand Leitner starb am vergangenen Montag in Forch bei Zürich.

DER SPIEGEL 24/1996
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