08.07.1996

Belcanto im Dreierpack

Ein Traum-Trio geht auf Tournee: Die Star-Tenöre Luciano Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras singen für ein Millionenpublikum auf vier Kontinenten. Preise und Gagen brechen alle Rekorde. Der multimediale Rummel hat Tradition: Schon immer haben sich die Megastars der Musik ihren Ruhm vergolden lassen.
Osole mio, sie sind wieder unter uns. Sie stehen wieder da, die Matadore der Kehle, strahlen sich an, reißen ihre Arme hoch und spucken lauter große Töne ins Sommerloch der Hochkultur.
Wieder reihen sie Ohrwurm an Ohrwurm, singen "Granada, Granaaada", besingen "Maria, Mariamariamaria", und wieder lauscht die Musikwelt auf Wolke sieben.
Ein Sommernachtstraum weltweit: Der Dicke, der Lange und der Smarte sind heimgekehrt ins Reich des Wohlklangs, und alle, alle wollen dabeisein, wenn sie im Dreierpack den Mund aufmachen: 56 000 waren es am vorletzten Wochenende in Tokio, 50 000 vergangenen Samstag in London; 56 000 werden es demnächst in New York sein, 67 000 in München; am Ende sollen 600 000 live und, geschätzt, eine halbe Milliarde vor der Glotze Zeuge sein beim Jahrhundertrummel.
Seit am 11. Oktober 1995 - zeitgleich in London und München - das gemeinsame Comeback der Tenöre Luciano Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras angekündigt worden ist, fiebert die Szene im Größenwahn:
Riesig, gewaltig, geradezu olympisch und völkerverbindend soll die Wiedervereinigung der Wundermänner gefeiert werden. "Jedem Konzertbesucher", trommeln die Veranstalter, würden "die einzigartigen Live-Auftritte ein Leben lang in Erinnerung bleiben", und das "Ereignis" werde "neue Maßstäbe setzen in der Welt der klassischen Musik".
Sicher, Klappern gehört zum Mundwerk, und selbst der kleinste und feinste Männerchor der Musikgeschichte braucht die Lautsprecher der PR. Doch so viel stimmt: Die erste Welttournee der drei alten Sängerknaben ist ein künstlerisches, kommerzielles und logistisches Großunternehmen ohne Beispiel. Nun, endlich, hat auch die Klassik ihre Rolling Stones.
Kaum war der Deal - noch geheim - perfekt, wurde für die drei Megastars ein Logo entworfen und festgeschrieben: "The 3 Tenors", die Zahl mit weit nach unten ausschweifender Rundung. Eine eigens in Irland gegründete Gesellschaft - Inhaber: die drei - hält und vergibt die Rechte an dem Warenzeichen. In bislang 109 Ländern ist die Handelsmarke eingetragen - Belcanto gesetzlich geschützt.
Dann wurde der Souvenirhandel angekurbelt: Pünktlich zum Start der Tournee gibt es nun Poster, Schals, Baseballkappen, Schlüsselanhänger, T- und Sweat-Shirts, Kalender, eine Armbanduhr im Stil der Swatch und, für 20 Mark, ein buntes Programmheft, 86 Seiten im stattlichen B4-Format. Jeder zweite Besucher, so die Schätzung, wird es haben wollen. Macht sechs Millionen Mark.
Während das Merchandising anlief, inspizierten Promotor und Producer geeignete Spielplätze, und keine Stätte der Welt zwischen Londons Wembley-Stadion und dem Skydome in Toronto war für das strahlende Dreigestirn zu kolossal - alles mega, alles majestätisch.
Ursprünglich sollten sich die Tenöre der Tenöre nur fünfmal (Tokio, London, New York, München, Melbourne) zum Trio verbandeln. Man wollte sich, in allergrößtem Rahmen, rar machen.
Doch kaum war der weltweite Kartenverkauf eröffnet, "schlug" bei dem Mannheimer Tournee-Veranstalter Matthias Hoffmann "eine Bombe ein": "Es tat sich was völlig Verrücktes, und wir wurden total überrollt."
In Tokio waren die 56 000 Tickets in wenigen Stunden weg, und das bei einem Toppreis von 750 Dollar, weltweit Spitze. Japan, sagt Hoffmann heute, "hätte ich noch dreimal verkaufen können".
Auch München, wo am 3. August die zahlreichste Hörerschaft zusammenkommen wird, "wäre für 40 000 weitere Karten gut gewesen".
Jedenfalls waren die gut 250 000 Billetts der ersten Tourneephase ruck, zuck unter den Besserverdienenden, und Hoffmann hatte, bei einem Durchschnittspreis von 400 Mark pro Stadionplatz, schon mal 100 Millionen Mark Umsatz sicher.
Im Rausch der Nachfrage bekniete er seine drei Goldesel: "Die ganze Welt schreit nach euch." Die Welt wurde erhört, die Auftrittszahl verdoppelt. Hinzu kamen nun noch Wien, Göteborg, Düsseldorf, Toronto. Am Silvesterabend geleitet die Unio mystica der Musik die Singfreaks von Vancouver ins neue Jahr. Und für jedes Konzert erhält jeder der drei Künstler 500 000 Dollar und ein Zubrot aus Nebenrechten, vermutlich noch einmal denselben Batzen.
Unterm Strich kann der Pfälzer Hoffmann mittlerweile mit 200 Millionen Einnahmen und 50 Millionen Mark Gewinn rechnen: "Nach dieser Tour bin ich der reichste Promotor im Lande" (siehe Seite 136).
Dabei ist Hoffmanns Coup nichts anderes als die clevere Reprise eines alten Liedes: Im Lunapark Oper war der männliche Hochtöner, der Tenor, schon immer der sicherste Kassenschlager.
Schon im Solo wirkt er Wunder. Sein Legato, schön schmelzend, macht an, und je höher er singt, um so tiefer weckt er die Sinneslust seines Publikums. Der Tenor gilt als der geborene Galan.
Carmens Don José und Aidas Radames, Wagners Siegfried, Tannhäuser und Lohengrin - sie alle sind Tenöre, und zu ihnen allen gehört der erotische Kitzel wie Tristan, der Tenor, zu Isolde.
Und wenn die Stimmbänder dieser Herren erst einmal 523,3 Vollschwingungen pro Sekunde erreicht haben, dann rastet jedes Auditorium aus. Dann nämlich ist das hohe C erreicht, dann kommt die Oper zum Höhepunkt.
Doch mit der legendären Traumnote und ihrem erotischen Kick ist das so eine Sache, und alle drei Tenöre, die jetzt auf großer Tour sind, schaffen den Gipfelsturm nur noch in Sternstunden. Schlimmer noch, weil folgenreicher: Auch Kraft und Glanz ihrer Stimmen haben, unüberhörbar, die besten Jahre hinter sind.
1972 versetzte Pavarotti, der Libero der Combo, die New Yorker Met noch in einen wahren Taumel, als er in Donizettis "Regimentstochter" gleich neunmal in einer einzigen Arie das hohe C traf. Jetzt, im November vorigen Jahres, verpatzte er im selben Stück gleich den ersten Spitzenton; unter dem Schock stöhnte die Met auf; der Versager ließ sich für den Rest der Aufführungsserie vertreten: Ciao, Tenorissimo!
Auch auf dem, laut Zeit, "All-Parteien-Tenor" Domingo lastet längst des Sängers Fluch - die Ausbeutung der Gurgel, wenn einer den Hals nicht vollkriegen kann. Domingo hat mittlerweile mehr als 2500 Opernvorstellungen bedient und, Kleinkram beiseite, bei rund 100 Operngesamtaufnahmen mitgewirkt. Seit Jahren dirigiert er auch, und neuerdings führt ihn die Oper in Washington D. C. als Musikdirektor.
Soviel Engagement bleibt auch einem Domingo nicht im Kostüm stecken. Die Stimme, urteilt der Kritiker und Biograph Jürgen Kesting ("Die großen Sänger"), sei oft "gaumig", "ihre Lautformung lasch", zuweilen knödle der Star, als hätte er "eine heiße Kartoffel im Mund".
Und erst José Carreras, der Dritte im Bunde, der den Volksmund am vollsten nimmt! Auch er, einstmals Karajans Lieblingstenor, hat sich in der Rollenwahl und Dauerproduktion übernommen; auch ging seine lebensbedrohende Leukämie, inzwischen wohl überwunden, nicht folgenlos an ihm vorüber.
Mittlerweile, ketzert Kesting, sei "die einst samtige Stimme so rauh wie Sackleinen" und so "rissig wie Bimsstein"; der früher mal feinfühlige Poet gefalle sich heute in "tränenfeuchtem Singen", und wo er kultiviert gestalten müßte, komme nur "Himbeercreme in Des".
Na und? Hören die Massen in den Arenen, ob die Triller wie gestochen und die Koloraturen aus dem Effeff kommen? Sie hören es nicht, und wenn, dann pfeifen sie drauf. Melisma, Morbidezza, Parlando und Portamento - alles Erbsenzählerei jener Beckmesser, die ihre Opfer wie HNO-Doktoren abhorchen und jeden Krümel in der Tröte gleich als Götterdämmerung des Belcanto bejammern.
Nein, im Hexenkessel der Stadien, bei der Riesen-Gala unter vielen feinen Leuten, entscheiden andere Qualitäten. Was zählt, sind die hautnahe Kameraderie von drei sonst unnahbaren Weltstars, die populistische Mixtur ihrer Evergreens und der Musikantenstadl im Freien.
Musik in frischer Luft und mundgerechten Häppchen konsumiert sich nun mal angenehmer als in den heiligen Hallen mit ihren abendfüllenden Mehraktern und ihrem peinvoll engen Gestühl. Belcanto à la Borussia - das zieht, und da sind die drei unschlagbar.
Big P., sagt Pavarottis langjähriger Betreuer Tibor Rudas, sehe aus "wie ein schöner, knutschiger Teddybär", und keine "Frau der Welt" könne "der Versuchung widerstehen, einen Teddybär zu knuddeln".
So steht er da, von Blicken geknuddelt: der Buddha aus Modena, zweieinhalb Zentner Oper, Schweißtuch überm Arm, Lebenslust in den Kulleraugen, bekannt und beliebt wie Pizza und Pasta.
Wenn diese genudelte Frohnatur unterm Sternenzelt "Nessun dorma" singt und die Massen verzückt in die Knie gehen, dann nimmt ihm keiner seine Werbung für Amexcos Plastikkarte übel, und niemand verargt ihm die Seitensprünge in ein neues Techtelmechtel, mit seiner Sekretärin Nicoletta Mantovani, oder in die Halbwelt der Pop-Softies. Big P. ist dick Freund mit allen.
Und Kollege Domingo - was für ein Mannsbild! Ein Herzensbrecher aus dem Bilderbuch, ein idealer Herr für den Laufsteg, der doch ruhig mal, ganzseitig und einträglich, die Rolex an seinem Handgelenk preisen oder "Heidschi bumbeidschi" trällern darf.
Er weiß, was er singt und wie das wirkt: "Dein ist mein ganzes Herz" - sein ist ihr ganzes Herz. Domingo taugt seit Jahren gleichermaßen zum Messias der Wagner-Gemeinde und zu Don Schmuso für Herrn Jedermann und Frau Gemahlin.
Und dann ist da noch Carreras, der hat, was keiner hat: die Gnade der zweiten Geburt, den unbezahlbaren Bonus, der Macht des Schicksals getrotzt zu haben. Er gilt als Geschenk des Himmels.
Bild sah ihn am 29. Januar 1988 bereits "im Sterben liegen", und gewiß stand es ernst um ihn. Doch dann ist ihm, laut britischem Guardian, ein "Wunder" widerfahren, "wie man es gemeinhin nur in Opernlibrettos findet": erst Genesung, dann Auferstehung, und zwar mit allem multimedialen Tamtam.
Die spanische Königin Sofía umarmte ihren gesundeten Landsmann unter dem Triumphbogen von Barcelona. In der zehnfach überbuchten Wiener Staatsoper erhob sich, zu Carreras'' Comeback, der damalige österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim nebst 2600 Untertanen von den Plätzen, aus den Logen drang der Jubel: "Danke, José, danke!"
Seitdem singt der elegante Katalane wieder und singt und singt. Und alles und jedes, selbst die klebrigste Geschmacklosigkeit, wird dankbar gekauft. Da steht er nun: der Unterhaltungskünstler für alle Häuser, alle Fächer, alle Stände; und alle haben ihn lieb.
So, auf der Woge globalen Entzückens und tauber Verehrung, haben die drei - jeder für sich - längst ihre großen Nummern abgezogen, vom Central Park in New York bis vor den Dom zu Köln. Immer haben sie das Bad in der Menge genossen, immer hat die Menge in Wohllaut gebadet.
Merkwürdig nur, daß es jahrelang kein Agent geschafft hat, die drei Solisten zum Kombi zu bündeln und auf diese Weise endlich ein klassisches Woodstock aufzuziehen.
Ausgerechnet im alten Rom, bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990, glückte der Coup - eher ein Zufallsereignis denn das Resultat eines Planspiels, und ohne daß irgend jemand die Folgen ahnte, am wenigsten die Sänger selbst.
Der Vollmond stand damals, am Abend des 7. Juli 1990, über den römischen Caracalla-Thermen, und Italien hatte England 2:1 geschlagen. Da, zur Feier des Tages und des runden Leders, gaben die drei ihr Debüt als Kollektiv.
Arrangiert hatte den flotten Dreier der Ex-Polizist und Bologneser Manager Mario Dradi, der die Zelebritäten - Fußballfans allesamt - nur so aus Spaß zum Liederabend überredet hatte.
Gerade mal 8000 Herrschaften, aus mehr als 100 000 Interessenten handverlesen, besaßen das bis zu 360 Dollar teure Billett, das Einlaß in das antike Spaßbad verschaffte. 700 Millionen Menschen verfolgten die Live-Übertragung im Fernsehen.
Niemand ahnte Unerhörtes. Auf dem Programm standen damals schon alte, abgelutschte Kamellen. Dreimal innerhalb ihres ersten Auftritts verbrüderten sich die umjubelten Maulhelden zu "O sole mio". Es war ein richtig bunter Abend im Kicker-Milieu.
Aber dann! Die englische Plattenfirma Decca setzte vom Audio- und Video-Mitschnitt der römischen Super-Serenade zwölf Millionen Exemplare ab - das war nun wirklich Weltrekord in der Geschichte der Klassik und verblüffte selbst die Pop-Branche: Erstmals konnten drei Gurgeln aus der alten Opernschule einem jungen Schreihals wie Michael Jackson Paroli bieten.
"Wir kriegten nichts", stänkerte Pavarotti angesichts dieses besten aller Bestseller. "Wir haben bloß die Decca vor dem Ruin gerettet", schimpfte auch Zubin Mehta, der Dirigent des Abends. Domingo verdächtigte die Decca sogar, dem Dicken, ihrem Exklusivkünstler seit 1968, heimlich ein saftiges Extra zugesteckt zu haben. Die Harmonie im Team war gestört.
Leer sind die Tenöre, selbstredend, nicht ausgegangen. Decca-Präsident Roland Kommerell hätte ein - vergleichsweise bescheidenes - Fixum und die üblichen, satten Verkaufslizenzen vorgezogen. Doch Dradis Stars glaubten wohl selbst nicht an einen Jahrhundert-Hit und ließen sich lieber pauschal mit 500 000 Dollar pro Gurgel abfinden. Den Reibach machte die Decca: Sie verdiente gut und gern 200 Millionen Mark.
"Hoppla, da passiert ja was!" fuhr es damals dem überraschten Manager Hoffmann aus Mannheim durch den Kopf. Damals, sagt er heute, sei "eine ganz neue Klientel mobilisiert" worden, und "Millionen Menschen" hätten "die Klassik als Entertainment" entdeckt. Für ihn war das endgültig "die Wende" vom Konzert zum Event.
Auch Pavarotti-Intimus Tibor Rudas, der alte Fuchs mit der sonst so feinen Nase, war platt: "Wir haben uns in Rom nicht vorgestellt, daß wir die Beatles für Senioren entdeckt hatten."
Nun gab es nur noch eins: da capo und noch eins drauf; nächste Gelegenheit: die Fußball-WM 1994 in den USA. Gleich war Rudas am Ball, stürmte seinem Konkurrenten Hoffmann ("Ich war nicht auf Zack") davon und dribbelte die Umsätze in neue Höhen: Time Warner, der New Yorker Medienriese, bezahlte ihm Super-Lizenzen für die Übertragungs- und Verwertungsrechte, er spendierte jedem der Tenöre erst einmal eine Million Dollar. Dazu kamen später Lizenzen in mehrfacher Höhe.
Für die spektakuläre Termineinlage bei der Weltmeisterschaft wurden in Los Angeles 56 000 Tickets von 15 bis 1000 Dollar abgesetzt. Der Sperrbezirk für die VIPs, von Tom Cruise und Dustin Hoffman bis Arnold Schwarzenegger und Ex-Präsident Bush, glich einer Milchstraße der Stars und Sternchen.
1,3 Milliarden Sangesfreunde lauschten am TV. Zehn Millionen griffen danach noch zu CD und Video. Das Konzert aus dem Dodger Stadium wurde zum meistgehörten, meistgesehenen E-Musik-Ereignis aller Zeiten.
"Ich habe etwas geschaffen", brüstete sich der Rekordhalter Rudas, "das immer leben wird." Zugleich dämpfte er alle Spekulationen, die drei Tenöre tingelten nun munter weiter. "Definitiv" würde, wenn überhaupt, "keinesfalls" vor der Fußball-WM in Frankreich 1998 noch mal "was passieren". Durch seinen Pakt mit Time Warner waren die Tenöre an Rudas gebunden, genau bis 1998. Wer wollte ihm da?
Hoffmann wollte, Hoffmann konnte - Ballwechsel. Beim gemeinsamen Strandurlaub hatte ihm Carreras gestanden, er würde gern mal zu dritt "um die ganze Welt reisen"; auch Domingo finde die Idee toll. Schnell wurde ein erster Fahrplan entworfen und Domingo in die Planung eingeweiht. Dann reisten alle zwecks Absegnung zu Pavarotti.
Aber der war anfangs gar nicht erpicht auf eine Welttournee unter Hoffmann, und auch Rudas hielt sich bedeckt: So eine Monstertour sei "verrückt", "ich würde sie mir nicht zutrauen".
Doch als Hoffmann sich bereit erklärte, ihm die Rechte und das Know-how der "Rudas Production" für 500 000 Dollar abzukaufen, gab der Widersacher nach, und auch Pavarotti nickte.
Um die Vorarbeiten zu finanzieren und die Tenöre, wie vertraglich vereinbart, für einige Auftritte im voraus entlohnen zu können, mußte Hoffmann bei seiner Hausbank, der Mannheimer Sparkasse, "eben mal 30 Millionen Mark zusammenkratzen": "Da hatte ich schon schlaflose Nächte."
Hinter den Kulissen entstanden politische Turbulenzen um den Austragungsort am Standort Deutschland. Kaum war Frankfurt am Main mit seinem "völlig unzureichenden Stadion-Service" (Hoffmann) aus dem Rennen, schoß sich Köln auf den Mitbewerber Berlin ein, und Berlin ballerte zurück an den Rhein.
Zum lachenden Dritten erkor Hoffmann daraufhin München, "wo man mir unglaublich entgegengekommen ist". Die 350 000 Mark Miete beispielsweise für das Olympiastadion spendierten ihm, wahrhaft unglaublich, "ein paar Sponsoren, die ungenannt bleiben wollen".
Gefährlicher als der innerdeutsche Städtewettkampf eskalierte der Knatsch um den Dirigenten der Tournee. Der Inder Zubin Mehta, in Rom und L. A. noch mit von der Partie, hatte abgewinkt. Die drei Tenöre, allesamt Stammgäste der New Yorker Met, verständigten sich daraufhin auf James Levine, den altgedienten Musikchef des Hauses.
Also flog Hoffmann nach New York, um das Engagement mit Levines Agenten Ronald Wilford auszuhandeln. Wilford ist in solchen Fällen nicht kleinlich: 1,5 Millionen Dollar forderte er für jeden der schließlich zehn Auftritte. Hoffmann "glaubte nicht recht gehört zu haben", bot 500 000 Dollar dagegen und wurde von Wilford vor die Tür gesetzt.
Erst nachdem Domingo und Pavarotti interveniert und Levine persönlich ins Gebet genommen hatten, kam aus der Met das Jawort. Jetzt war alles in Butter.
So ist es nun, mit dem Beifall der Massen, in Gang gekommen und auf dem Weg um die Welt: das einzigartige Global-Event unter einem singenden Warenzeichen, und in den Feuilletons wird nun die Diskussion einsetzen, was das eigentlich ist, diese Gala der heiligen drei Könige des Schöngesangs:
Ist es Oper auf dem glitschigen Weg zur Soap opera, ist es Klassik als Volksfest oder nur Schlagerparade mit ein paar Kulturhäppchen vornweg; ist es nichts als ein Wanderzirkus für die Wohlstandsgesellschaft, mit Verdi, Schicki und Micki?
Oder ist es vielleicht doch der Anfang vom Ende jener unheilvollen Scheidung, die E-Musik und U-Musik in fast feindliche Lager gespalten hat? Kann es sein, daß über den Singsang der drei Tenöre am Ende wieder zusammenkommt, was zusammengehört: die Musik?
Das ganze Großunternehmen, mäkelte die Zeit vorweg, sei nichts anderes als "die große Absahne vor der Abdankung". Hier, urteilte das Handelsblatt, würden "die Schleusen für eine Popularisierung, um nicht zu sagen Banalisierung des Genres geöffnet", und, so der Rheinische Merkur, "die Restbestände der Gesangskunst großzügig verhökert". Da ist was dran.
Aber es ist auch was dran, wenn der Großverdiener Hoffmann pauschal bilanziert: "Wenn Janet Jackson (die Schwester von Michael) einen Deal für 80 Millionen Dollar zeichnet, sind die drei Tenöre völlig unterbezahlt." Und warum sollen die begehrtesten Kehlen der Welt nicht für sich rausholen, was die Tennisarme von Steffi und Boris spielend rausschlagen: Unsummen? Bum, bum, Belcanto - wieso eigentlich nicht?
Immer schon hat die Hybris des Publikums die Gagen in schwindelnde Höhen getrieben. Schon immer ließ sich Charisma, diese unbekannte Größe, viel leichter vergolden als Können. Nur haben CD,
* Oben: 1979 bei "Aida"-Proben in Salzburg; Mitte: 1992 als Riccardo in Verdis "Maskenball"; unten: 1989 als Andrea Chénier in der gleichnamigen Oper.
Kabel, Schüssel und Satellit den ganzen Zirkus potenziert.
Die Preistreiberei der Firma Pavarotti & Co. folgt altem Brauch im Musikunwesen. Gerade die gefeierten Virtuosen, ob der Kehle oder des Instruments, waren auch immer Virtuosen des Inkasso.
Wenn der barocke Kastrat Farinelli (1705 bis 1782) durch entlegene Höhen trällerte, warfen ihm die Damen aus den Logen Diamantringe und Kolliers zu. Die Impresarios überboten sich in den Gagen. Schon mit 23 war dieser Youngster der reichste Sänger seiner Zeit.
Der Tastenlöwe Franz Liszt (1811 bis 1886) beherrschte auch die Klaviatur der PR perfekt. Konzertgänger prügelten sich um die Handschuhe, die er - wie zufällig - liegenließ. Sein langmähniges Porträt zierte Amulette und Bonbonnieren. Er reiste vom Zar bis zum Papst, nicht selten im Sechsspänner und mit 365 verschiedenen Jabots im Gepäck. Er verwandelte den selbstlosen Diener der Musik in deren selbstherrliches Luxusgeschöpf.
Die viktorianische Soprandiva Jenny Lind (1820 bis 1887) war nicht nur eine der ersten Primadonnen, sondern auch eine der geschicktesten Rattenfängerinnen. Zu ihrem US-Debüt versammelten sich über 20 000 Stimmnarren vor ihrem New Yorker Hotel, und sie hielt hof. Beim Konzert in Castle Garden wurden die begehrtesten Plätze unter ihren 6000 Fans versteigert. Das Höchstgebot kletterte auf 225 Dollar, damals ein Vermögen.
Allein in Amerika ersang sich die "schwedische Nachtigall" 700 000 Dollar. In Deutschland wurden ihr zu Ehren ganze Huldigungswochen ausgerufen, in England läuteten zur Ankunft der gemachten Frau die Kirchenglocken.
Der irische Tenor John McCormack (1884 bis 1945) sang 1918 im New Yorker Hippodrome bereits vor 7000 Gästen. Er, als Sänger und Genießer gleichermaßen begnadet, trank nur Champagner, residierte in erlesensten Landhäusern und vornehmsten Stadtetablissements, gab ein Vermögen für Rennpferde aus und chauffierte zeitweilig ein ganzes Dutzend Rolls-Royces. Für den Film "Song of My Heart" kassierte er in sechs Wochen 500 000 Dollar.
Und erst der Neapolitaner Enrico Caruso (1873 bis 1921), der - als 18. von 21 Kindern - zur absoluten Kultfigur unter den Tenören aufstieg! 15 000 Dollar forderte er als Spitzengage. Im New Yorker Hotel Knickerbocker bewohnte er monatelang eine Suite mit 14 Salons. Als erster Interpret der Musikgeschichte setzte er von einer einzigen Aufnahme eine Million Schallplatten ab. Bei seinem Tod hinterließ er neun Millionen Dollar.
Und alle diese hochmögenden Artisten sind mit der Kunst, der angeblich hohen, holden, heiligen, nie pingelig umgegangen. Sie wußten, gewiß, um den Wert der großen Werke, aber sie kannten auch immer die Vox populi und gaben ihr Zucker.
Liszt war sich nicht zu schade, gewichtige Programme mit selbstgemachtem Nippes aufzulockern. So wickelte er die Hörer um den kleinen Finger. Caruso, auf der Bühne ein Edelmann, schnulzte für Geld jede Menge sämige Romanzen, Love Stories und frömmelnde Weisen.
Der geistvolle McCormack ließ sich gern zur "Toselli-Serenade", diesem Schmachtfetzen der Sonderklasse, hinreißen, und Fritz Kreisler, immerhin ein Jahrhundert-Geiger, begleitete ihn.
Und genau diesen Spagat zwischen den ewigen Werten der Musik und deren Instant-Produkten machen nun die drei Tenöre nach - von den Puristen beargwöhnt, von der Masse umjubelt wie die Zwitter der Branche, die dem Publikum in der Musik ein E für ein U vormachen. Heute heißt das Crossover.
* In der Karibik.
Mit dreckigen Fingernägeln und Glibber im Stoppelhaar fetzt der englische Violinist Nigel Kennedy durch altbackenen Vivaldi und landet einen Hit. Kollegin Vanessa Mae geigt, glaubt man ihrem CD-Cover, den Thomaskantor Bach mit sündigem Blick und pitschnaß anliegendem Hemdchen und streicht so einen Superseller ein. Schon kündigt Sony, ganz trendy, "KuschelKlassik" an, mit Soundtracks aus "Sinn und Sinnlichkeit" und mit Liedgut von der Nomenklatura: Domingo, Pavarotti, Carreras.
Und genau wie sich die großen Interpreten von einst gern die Rosinen aus dem Kuchen gepickt haben, um damit die Masse auf den Geschmack zu bringen, so betreiben auch die heutigen Aktivisten eine raffinierte Parzellierung des Repertoires. Aus großen Stücken und gewichtigen Werken brechen sie Stückwerk - angeblich immer das Schönste, das besonders leicht zu Herzen geht.
Der Hamburger Sender "Klassik Radio" bringt den lieben langen Tag nur klassische Kleinkunst und Kurzwaren - hier das Menuett aus einer Sinfonie, da das Rondo einer Sonate. Karajans Erben verdienen derzeit Millionen mit der CD "Adagio", auf der der tote Maestro ein Rührstück ans andere reiht, alles aus
dem Zusammenhang gerissen und gefühlig kompiliert. Jüngst hatte der Dirigent Claudio Abbado gegen den französischen Ableger des Polygram-Konzerns sogar gerichtliche Schritte eingeleitet, weil der lauter langsame Mahler-Sätze zum digitalen Dauerlauf gekoppelt hatte.
Aber nicht nur der sagenhafte Goldregen auf die Megastars hat Tradition im Gewerbe. Nicht nur der einträgliche Mißbrauch der klassischen Musik für dumme Gefühlsduselei gehört von alters her zum großen Geschäft. Auch die Spektakel für die breite Masse mit dem ganzen Rummel eines Lunaparks sind keine Erfindung des 1. FC Pavarotti und seiner Kopisten.
Der französische Komponist Hector Berlioz (1803 bis 1869), wahrlich kein Schaumschläger, ließ 1844 zum Pariser "Grand Festival de l''Industrie" 1022 Mitwirkende aufmarschieren und von acht Kapellmeistern dirigieren. Beim Händel-Festival 1857 im englischen Sydenham kamen 2500 Musikanten zusammen, und 12 000 Gäste hörten ihnen zu.
Als der Wiener Walzerkönig Johann Strauß Sohn (1825 bis 1899) im Jahre 1872 zum Weltfriedensfest an der Bostoner Rock Bay antanzte, leitete er 1000 Orchestermusiker, 1000 Mann Militärkapelle und 20 000 Sänger. Ein Kanonenschuß gab den Einsatz, dann gingen 100 Subdirigenten ans Werk. Mister Strauß nannte die Show ein "Heidenspektakel" und kassierte eine entsprechend spektakuläre Gage: 100 000 Dollar.
Auf den Spuren dieser Gernegroße treffen sich heute in der Arena von Verona, dem Mekka aller erlebnishungrigen Opernkonsumenten, jeden Sommer an die 600 000 Belcantisten, und in ihrem Gedünst von Schweiß und Deo ist die Stimmqualität der Protagonisten kaum wichtiger als der Preis für Gelati Motta.
Letzte Saison kamen 200 000 Besucher nach Bregenz, um auf der Seebühne bei frischer Luft Beethoven anzuschauen. Selbst ins burgenländische Kaff Mörbisch zieht es Karawanen von Sangesfreunden, da gibt es eine Freilichtbühne, auch da am Wasser, und da will man hin.
Was sie alle anlockt und was letztlich auch den drei Tenören ihren sagenhaften Triumphzug sichert, ist weniger ein Verfall der abendländischen Kunstsitten als vielmehr die Genußlust der modernen Freizeitgesellschaft, die viel Ferien hat und viel Geld.
Kulturelle Angebote auszuwählen und wahrzunehmen ist mittlerweile ein fester Teil der Urlaubsplanung geworden, und im Sog des Tourismus hat die Kultur wohl endgültig ihren erhabenen Stellenwert eingebüßt - runter vom Sockel und rein ins Vergnügen.
Heute gehört der Opernabend längst zur Sommerfrische, und durch die hunds- tägig aufgeheizten Großstädte ziehen derweil Sang und Klang zur Erbauung der Daheimgebliebenen.
Daß das 1986 gegründete Schleswig-Holstein Musik Festival so grandios einschlug, hatte nicht nur mit Swjatoslaw Richter und Lennie Bernstein zu tun, sondern auch mit den angenehmen Konzertpausen, wo die Plattländer hinterm Kuhstall ihren Butterkuchen mampften. Es gab eben auf der Ohrenweide auch Backwerk und Klönschnack, da war Beethoven leichter verdaulich.
Und auch das ist kein Witz: 180 000 drängelten sich 1995 auf dem Münchner Königsplatz und anderen Freiräumen des Landes zur Darbietung der "Cantiones profanae cantoribus et choris cantandae comitantibus instrumentis atque imaginibus magicis" - doch nicht nur, weil sie Carl Orffs altphilologisch untertitelte Kantate "Carmina burana" so flippig fanden, sondern weil es da auch Feuerwerk gab und Feuerschlucker, heiße Würste, Zuckerwatte und Bier vom Faß. Orff als Oktoberfest - das Ende der Musikkultur?
Der Trend zur Kulturkirmes ist letztlich ein nostalgischer Zug. Es geht zurück in die Zeit, da die leichte Muse (welch schöner Begriff!) noch nicht in Verruf stand wie heute das leichte Mädchen.
Mozart war überglücklich, als die Prager seinen "Figaro" auf der Straße tanzten und pfiffen. Beethovens Albumblatt "An Elise" ist nichts anderes als eine Schmonzette für klimpernde Bürgertöchter.
Erst in diesem Jahrhundert, unter dem Einfluß des Bayreuther Donnergottes Wagner, drifteten ernste und unterhaltsame Musik immer weiter auseinander, und mittlerweile stehen sie sich unversöhnlich gegenüber: der Konzertsaal, wo der Herr Kammersänger mit schicklich gefalteten Händen Liedgut verbreitet, und der Rockpalast, wo sich die Gitarrenfritzen kreischend in den Schritt grapschen.
Verschwunden ist zwischen den entfremdeten Branchen das gehobene Genre, das nicht so anstrengt wie Brahms'' Erste, nicht so schleimt wie James Last und nicht so martert wie Techno.
Das Publikum indes, das danach lechzt, ist nicht verschwunden. Es stillt, eher frustriert als wirklich animiert, sein Verlangen in öden Musicals und an sentimental verschnittenen CD-Potpourris. Und wenn dann auf einmal drei Tenöre kommen und ihnen den Himmel auf Erden vorsingen, dann ist kein Halten mehr.
Doch noch ist die Tour nicht gelaufen und nicht alles Geld im Sack. Bis zum Finale am 1. März 1997 in Australien bleibt die Weltreise eine Zitterpartie: Jeder Gesangsabend kostet, im Schnitt und mit Gagen, rund 13 Millionen Mark. Nichts darf da schiefgehen, nichts dazwischenkommen - kein heiseres Stimmband, kein Knatsch unter den Tenören, nicht die kleinste Panne beim gewaltigen Umschlag von Menschen und Material.
Die drei Meistersinger fliegen, aus versicherungstechnischen Gründen, in drei getrennten Maschinen. Eine Catering-Firma sorgt sich nur um die leiblichen Bedürfnisse des Herrenklubs, ein Ausstattungsteam um dessen Garderobe.
An die 500 Techniker, Ingenieure, Designer und Beleuchter sind seit Monaten auf Achse und am Werk. 11 Sattelzüge transportieren die Zusatztribünen für den Innenraum der Stadien, 16 rollen die Produktion durch die Lande, 2 die Blumenerde und das Grünzeug für die Ausschmückung der Arenen.
Die 35 Meter breite und 25 Meter tiefe Bühne mit zehn Säulen und künstlichem Sternenhimmel wird bei den Konzerten von mehr als 500 Spots in allen Farben des Regenbogens angestrahlt. Ein computergesteuertes Lautsprechersystem soll, mittels 68 Mikrofonen, jeden Ton aus den drei Goldkehlen unverfälscht bis in die letzte Sitzreihe tragen.
Auf zwei Videowänden können auch die sozial schwachen Hinterbänkler überlebensgroß verfolgen, was sich verschwindend weit vorn eigentlich abspielt: Da stehen drei weltbekannte Künstler wie echte Kerle aus dem Männergesangverein und geben aus vollem Halse und Herzen ein Wunschkonzert.
Denn nichts anderes ist in der weltwelt fast gleichlautenden Vortragsfolge programmiert: ein bißchen Zuckerzeug aus der Opernbonbonniere, ein paar Gassenhauer mit südländischem Flair, Medleys aus Operette und Musical - das ist alles und alles längst bekannt.
Egal. Es bringt Hunderttausende auf Trab und Millionen in die Kasse. Es entlockt Sponsoren mit ersten Adressen, von BMW bis LTU, stattliche Summen zur Unterstützung. Es vereint Reisebüros, Fluggesellschaften, Busunternehmen und Hotelketten zu global operierenden Touristikverbünden. Drei Tenöre - das ist eine magische Troika, das ist ein Joint-venture der geläufigen Gurgeln. Das hat es so noch nie gegeben, da muß man dabeisein.
Dann verstopfen, wie beim Tourneestart in Japan, die Karossen der feinen Herrschaften stundenlang die Anfahrt zu den Arenen, und auf dem Rummelplatz Oper ist Rush-hour. Dann macht in Tokio Prinz Akishino dem Ereignis seine Aufwartung, zum New Yorker Auftritt hat sich schon halb Hollywood angesagt, und in München wird der dicke deutsche Kanzler dem Ereignis Gewicht geben.
Kunterbunter noch als in den gemeinen Operntempeln werden sich zum Singspiel unter freiem Himmel die Leute feinmachen: In Nippons Nationalstadion rauschten die Damen in den langen Roben des landeseigenen Mode-Tennos Issey Miyake, im Münchner Olympiastadion wird das Publikum, zur Feier des Abends, sündhaft teure Janker tragen und die feinen Fummel vom Moshammer aus der Maximilianstraße.
Vorn, im Sperrbezirk der Hautevolee, werden sich die Betuchten zur Häppchenkultur am prickelnden Ambiente von Champagner und erlesenen Duftwässern berauschen; hinten, im Abseits der Stadien, darf die Gala ruhig Gaudi werden: In Tokio jedenfalls hat das Fußvolk zum "Opern-Sushi" der drei Tenöre Nudeln vom Plastikteller genossen und Bier aus dem Pappbecher.
Und allüberall, wo das Dreigestirn nun einfliegen und seine Oldies darbieten wird, ist kein Halten mehr, wenn die Deep Throats zugleich polyglott und tümlich werden. Den Japanern haben sie jedenfalls "Kawa-no nagare nayomi" vorgesungen, die schmachtende Weise vom ewig fließenden Fluß, und das Publikum schmolz dahin.
So wird das nun weitergehen, und jedes Auditorium wird wohl sein Loblied in der Landessprache kriegen - kein schöner Land in dieser Zeit, kein schöner Lied in diesem lauten Sommer.
Rudas, der alte Knabe an Pavarottis Seite, hatte schon recht, als er vor sechs Jahren, nach dem Wirbel um das römische Gipfeltreffen der Tenöre, verblüfft gestand: "Das Publikum hat lange auf so was gewartet. Aber kein Mensch hat das erkannt."
Nach diesem Sommer, o sole mio, weiß es die Welt.
* Oben: 1979 bei "Aida"-Proben in Salzburg; Mitte: 1992 als Riccardo in Verdis "Maskenball"; unten: 1989 als Andrea Chénier in der gleichnamigen Oper. * In der Karibik.

DER SPIEGEL 28/1996
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