15.07.1996

USAUnzüchtige Mütter

Justizbeamte des Gem County im US-Bundesstaat Idaho greifen im Kampf gegen den vermeintlichen Mißbrauch des Wohlfahrtsstaats zu drakonischen Maßnahmen. Unter Berufung auf ein Gesetz aus dem Jahre 1921 können ledige Teenager-Mütter mit bis zu sechs Monaten Haft oder 300 Dollar Geldbuße bestraft werden. Die Mädchen hätten sich der Unzucht schuldig gemacht, argumentiert Bezirksstaatsanwalt Douglas Varie. Nach dem vor einem Dreivierteljahrhundert erlassenen Staatsgesetz mache sich "jede unverheiratete Person, die Geschlechtsverkehr mit einer unverheirateten Person des anderen Geschlechts hat", strafbar. Kriminalisiert werden so jene jugendlichen Mütter, die aktenkundig werden, weil sie für sich und ihr Baby staatliche Beihilfen beantragen müssen. Den Vätern droht, sofern sie über 18 sind, eine Anklage wegen Vergewaltigung. Minderjährige Mädchen könnten, so Varie, rechtmäßig nicht in den Geschlechtsverkehr einwilligen. Der Staatsanwalt findet in Richter Gordon Petrie einen willigen Vollstrecker: "Ich räume nur die Schweinerei auf", sagt der.

DER SPIEGEL 29/1996
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