22.07.1996

GESTORBENHans Katzer

77. Vor wenigen Wochen noch, nach seiner Magen-Darm-Operation, erregte Hans Katzer sich temperamentvoll wie immer über die Rentendiskussion in seiner Partei, der CDU. Der Rheinländer Katzer hatte einen schweren Start gehabt: Das Abitur konnte er nicht machen, weil sein Vater 1933 arbeitslos wurde. Im Winter 1941/42 wurde er vor Moskau durch einen Lungensteckschuß schwer verwundet. In den fünfziger Jahren machte er als Angehöriger des linken Parteiflügels rasch Karriere. Seine Hausmacht waren die damals noch einflußreichen CDU-Sozialausschüsse. Deren Vorsitzender wurde er 1963, zwei Jahre später stieg er zum Arbeitsminister unter Ludwig Erhard auf. Diesen Posten behielt er auch während der Großen Koalition bis zum Jahre 1969. Mit geschickt eingesetzten Rücktrittsdrohungen verhinderte der CDU-Politiker oft soziale Einschnitte und sicherte die dynamische Rente. Er trotzte dem Wirtschaftsflügel seiner Partei - trotz schmerzlicher Niederlagen - eine nahezu paritätische Mitbestimmung in Großbetrieben ab. Für viele Unternehmer war er ein "schwarzer Kommunist" oder ein "Herz-Jesu-Marxist". Hans Katzer starb am vergangenen Donnerstag in Köln.

DER SPIEGEL 30/1996
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Parabel-Flug: Promi-Party in der Schwerelosigkeit
  • Slackline-Artistik: Messerscharfer Salto auf der Wäscheleine
  • Ungewöhnlicher Trip: Weltreise für 50 Euro
  • "Horrorhaus" in Kalifornien: "Meine Eltern haben mir das Leben genommen"