15.02.1999

GESTORBENLotte Loebinger

93. "Hübsch war er nicht, aber dekorativ", sagte die Schauspielerin über den Mann, der da zu ihrem Berliner Vermieter Erich Mühsam kam, um mit dem Gottvater der deutschen Anarchisten die Zeitschrift "Fanal" herauszugeben. Sie verliebte sich, Ende der zwanziger Jahre, in Herbert Wehner, beide tingelten mit einer Agitprop-Theatergruppe übers Land, traten der KPD bei und heirateten 1927. Die Ehe hielt nur kurz, wurde aber erst später geschieden. Loebinger hatte von Breslau aus schnell den Sprung an die Berliner Volksbühne zu Erwin Piscator geschafft. Von 1933 bis 1945 flüchtete die Tochter einer jüdisch-protestantischen Arztfamilie vor den Nazis ins Moskauer Exil, aber auch nach ihrer Rückkehr an die Spree blieb die zeitlebens überzeugte Kommunistin ihrer künstlerischen Linie am Ost-Berliner Maxim-Gorki-Theater treu. Anmut lag ihr nicht, Charaktere, die Verletztheit und Härte, Freundlichkeit und Leidenschaft in sich trugen, forderten sie heraus. In Fritz Langs Klassiker "M" gab sie 1931 ihr Filmdebüt; oft stand sie für Defa-Filme vor der Kamera. Lotte Loebinger starb vergangenen Dienstag in Berlin.

DER SPIEGEL 7/1999
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