31.12.2012

ANTARKTISPermafrust im Eis

Der Eisforscher Martin Siegert ist gescheitert. Seit Wochen haust der Glaziologe von der University of Bristol mit elf Mitarbeitern auf einem Gletscher in der Antarktis. 16 Jahre lang hatte er seine millionenteure Mission vorbereitet - vergebens. An Heiligabend musste Siegert, 45, das Projekt abbrechen. Der Brite wollte in mehr als drei Kilometer Tiefe den Ellsworth-See anzapfen, der seit über 500 000 Jahren unter dem Eispanzer verborgen liegt (SPIEGEL 50/2012). Darin hoffte er Leben nachzuweisen. Doch ihn verfolgte eine Pechsträhne. Zunächst ging ein Widerstand kaputt, ein winziges elektronisches Bauteil, ohne das der kerosinbetriebene Kocher kein heißes Wasser für den Hochdruck-Bohrstrahl bereitstellen kann. Das Ersatzteil, das Siegert dabei hatte, versagte gleichfalls unter den harschen Bedingungen der Antarktis. Ein weiteres Ersatzteil wurde ihm nach Tagen des Wartens über Chile aus Großbritannien geliefert. Dann folgte der Todesstoß: Wie sehr sich Siegerts Leute auch anstrengten, es gelang ihnen nicht, in 300 Meter Tiefe den notwendigen Pool zu schaffen, eine Blase voll flüssigem Wasser. Nach 20 Stunden vergeblicher Arbeit hatten sie so viel Kerosin verbraucht, dass der Brennstoffvorrat nicht mehr ausreichte, um noch bis hinab zum See zu bohren. Jetzt räumt Siegert tief enttäuscht sein Lager - und hofft, die Mission 2013 fortzusetzen. Dann allerdings könnten ihn andere geschlagen haben. Bereits Anfang Januar will eine amerikanische Mannschaft den Whillans-See anbohren, der nur unter 800 Meter Eis liegt. Und auch die Russen setzen ihre Bemühungen am Wostok-See fort. Sie hatten bereits vor knapp einem Jahr seine Oberfläche erreicht, rund 4000 Meter unter dem Eis. Wegen des hereinbrechenden Winters mussten sie ihre Arbeit damals unterbrechen, ehe sie Proben entnehmen konnten.

DER SPIEGEL 1/2013
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