04.11.1996

FDPStörung von rechts

Die Führung der FDP fürchtet, daß es den Parteirechten um den Berliner Alexander von Stahl gelingen könnte, einen Mitgliederentscheid über die "Abschaffung der D-Mark und Einführung des Euro" durchzusetzen. Von den erforderlichen 4 000 Unterschriften für den Antrag auf Mitgliederbefragung hat einer der rechten Führer, der hessische FDP-Landtagsabgeordnete Heiner Kappel, angeblich bereits mehr als 1000 gesammelt. Bis zum Bundesparteitag im Mai muß er auch die restlichen Unterstützer gefunden haben.
FDP-Chef Wolfgang Gerhardt hatte noch versucht, die Aktion der Euro-Gegner zu behindern. Er verweigerte den Parteirechten aus Datenschutzgründen die Herausgabe der Mitgliederadressen. Gerhardt lehnt es ebenfalls ab, die Rundbriefe gegen Kostenerstattung von der Parteizentrale versenden zu lassen. Auch eine Anzeige im Parteiblatt Die Liberale Depesche durfte nicht erscheinen.
Die Befragung könnte im Sommer 1997 beginnen. Die Rechtsliberalen sind sich sicher, daß als Ergebnis eine "eindeutige Mehrheit" gegen die Abschaffung der D-Mark stehen würde - gerade in der FDP gebe es große Sorgen wegen der Stabilitätsrisiken. Kappel über die Folgen eines solchen Mitgliedervotums für die Bonner Koalition: "Die müssen sich da oben warm anziehen."

DER SPIEGEL 45/1996
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 45/1996
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

FDP:
Störung von rechts

  • Hawaii: Der klammernde Oktopus
  • Der brustschwimmende Weißkopfseeadler: Warum fliegt er nicht?
  • Urteil in London: Lebenslang für U-Bahn-Schubser
  • Waldbrand in Brandenburg: Feuer auf ehemaligem Truppenübungsplatz