04.03.2013

Trash-TV

RTL II feiert seinen 20. Geburtstag.
Das Wort "Tittensender" ist aus der Mode gekommen. In der Frühzeit des Privatfernsehens musste sich RTL das Etikett ankleben lassen; später war es ein beliebtes, mit Erotikfilmen und Reportagen aus dem Milieu erarbeitetes Synonym für RTL II. Der Wandel kam erstaunlicherweise mit "Big Brother" und der damit verbundenen Erkenntnis, dass es Formen von Entblößung gibt, die nicht zwingend etwas mit sichtbaren Geschlechtsteilen zu tun haben, aber genauso erfolgreich den Voyeurismus der Zuschauer bedienen.
Aus dem "Tittensender" RTL II wurde für eine Weile der "Schmuddelsender" RTL II. Was blieb, um Erfolg und Wesen des Senders zu beschreiben, war das hilflose Wort "Trash". Als Jochen Starke, der Geschäftsführer des Senders, kürzlich vom "Handelsblatt" gefragt wurde, ob die Welt auf sein "Trash-TV" gewartet habe, sagte er nicht: "Das ist kein Trash-TV", sondern: "Ganz offensichtlich hat sie das."
Es ist ein Triumph der Billigkeit: mit Sendungen, die wenig kosten und auch so aussehen. Und mit Protagonisten, die es sich schlimmstenfalls viel Geld haben kosten lassen, billig auszusehen. Nicht einmal in der "Bunten" wirkt "Glamour" so trashig wie bei der RTL-II-Vorzeigefamilie "Die Geissens", wo wir dem Millionär Robert Geiss, seiner Frau Carmen ("Miss Fitness" 1982) und deren Kindern beim Reichsein zusehen. Und am Vorabend gucken sich die Zuschauer in "Berlin - Tag & Nacht" und "Köln 50667" selbst beim Leben-Spielen zu.
Empörend daran ist höchstens das Nichts darin. So gesehen ist der Sender vermutlich dankbar dafür, dass er wenigstens von "Bild" noch bekämpft wird. Die Kölner Redaktion beschimpft die Laien-Soap "Köln 50667" als "Asi-TV", das eine "Schande für Köln" sei.
In dieser Woche feiert der Sender seinen 20. Geburtstag und ist ganz mit sich im Reinen. Die Mitte der Gesellschaft ist unten bei RTL II angekommen.

DER SPIEGEL 10/2013
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