18.03.2013

LETZTE RUHE„Nicht schön anzusehen“

Der münstersche Bestattungsunternehmer Hans-Harald Stokkelaar, 66, der 1999 den Leichnam von Raissa Gorbatschowa konservierte, über das Einbalsamieren von Toten
SPIEGEL: Die Einbalsamierung des Leichnams von Hugo Chávez gestaltet sich schwierig. Kann eine solche Prozedur nicht an jedem Toten vorgenommen werden?
Stokkelaar: Grundsätzlich schon. Aber im Fall von Chávez hat man wohl zu lange gewartet. Wenn ich eine Konservierung vornehmen will, muss ich das wenige Tage nach dem Ableben machen. Der Staatschef von Venezuela starb bereits am 5. März. Nach zehn Tagen ist die Verwesung im Brust- und Bauchraum schon zu weit fortgeschritten.
SPIEGEL: Da wäre dann auch mit viel Geld nichts mehr zu machen?
Stokkelaar: Nein, Chávez unterliegt den gleichen natürlichen Gesetzmäßigkeiten wie jeder andere Sterbliche.
SPIEGEL: Wie konserviert man einen Leichnam?
Stokkelaar: In Deutschland unterbinden wir den Verwesungsprozess nur für relativ kurze Zeit, bis zur Bestattung. Dazu wird eine formaldehydhaltige Lösung über das Gefäßsystem in den Körper geleitet. Mit Formalin hingegen kann man einen Körper für lange Zeit konservieren. Er ist dann aber nicht unbedingt schön anzusehen.
SPIEGEL: Wie man bei Lenin und Mao sehen kann ...
Stokkelaar: Ja, deren Körper müssen ständig in einem speziellen Milieu gehalten werden, es darf nicht zu feucht und nicht zu trocken sein. Diese Methode ist aufwendig und teuer.
SPIEGEL: Gibt es Alternativen?
Stokkelaar: Man kann einen Leichnam plastinieren, wie es Gunther von Hagens macht. Das ist die dauerhafteste Lösung überhaupt. Rechtlich bleibt es ein Leichnam, aber tatsächlich ist es dann ein Kunststoffgebilde.
SPIEGEL: Warum wollte Raissa Gorbatschowa, die Ehefrau des ehemaligen sowjetischen Staatsführers, einbalsamiert werden?
Stokkelaar: Davon kann keine Rede sein. Sie starb in einer Klinik in Münster. Länder wie Russland schreiben vor, dass ein Leichnam vor der Rücküberführung einbalsamiert sein muss. Es ging darum, für die Dauer des Transports und der Aufbahrung die Verwesungsprozesse zu unterbrechen.
SPIEGEL: Wie kamen Sie an diesen Job?
Stokkelaar: Der Bestatter, der mit der Überführung beauftragt war, wusste, dass ich die Fähigkeiten dazu habe. Das war schon eine große Ehre, sicher ein Höhepunkt meines Berufslebens.

DER SPIEGEL 12/2013
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