„Cool bleiben, nicht kalt“

Für die Zeit ist er „das Denkmal des politischen Moderators“, die Tageszeitung sieht in ihm „Deutschlands Sinnbild für Glaubwürdigkeit und Charme“, und für den Stern ist er „der Anchorman des deutschen Fernsehens“. In den 40 Jahren seiner Bildschirmpräsenz ist Hanns Joachim Friedrichs zum Vertrauensmann der Fernsehdeutschen geworden - als Sportkommentator ebenso geschätzt wie als Kriegsreporter, als Amerikakorrespondent so beliebt wie als Moderator der „Tagesthemen“. Er habe für die Menschen vor den Fernsehgeräten immer so etwas sein wollen wie ein gerngesehener Gast an deren Eßtisch, sagte er den SPIEGEL-Reportern Jürgen Leinemann und Cordt Schnibben, die er am Dienstag letzter Woche zum Gespräch an sein Bett bat. Der 68jährige Friedrichs, schwerkrank, will, daß die Menschen, die ihm jahrelang Abend für Abend zugehört haben, von ihm persönlich erfahren, was mit ihm los ist, und nicht scheibchenweise aus der Boulevardpresse. Daß das Fünf-Stunden-Gespräch zur Titelstory wurde, ist auch sein Wille - letzte Konsequenz eines Journalistenlebens.
Von Jürgen Leinemann und Cordt Schnibben

DER SPIEGEL 13/1995

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