15.05.1995

Hausmitteilung Betr.: Zweiter Weltkrieg

Als er 1974 mit dem US-Präsidenten Richard Nixon zu Leonid Breschnew nach Moskau flog, war Jürgen Leinemann SPIEGEL-Korrespondent in Washington. In die Nähe von Minsk reisten damals die beiden Staatsmänner mitsamt Leinemann und dem Journalistentroß, zu den Ruinen des russischen Dorfes Chatyn - niedergemacht von den "Hitler-Faschisten" und nun ein Kriegsdenkmal. Von Stund an, erinnert sich Leinemann, "waren wir Deutschen unter den ausländischen Kollegen völlig isoliert, die mieden uns". Letzte Woche, als SPIEGEL-Reporter Leinemann dem Bonner Kanzler nach London, Paris, Berlin und Moskau folgte, um Kohls Marathon-Tour zu den diversen Kapitulationsfeiern zu beobachten (Seite 24), war von Ressentiments nichts zu spüren. Am Rande der Zeremonien reagierten die Bürger unbefangen und gesprächsbereit auf den Deutschen. Der Zweite Weltkrieg, so empfand Leinemann gut zwei Jahrzehnte nach Minsk, ist dem überkommenen Muster von Siegern und Besiegten längst entrückt. "Ein Stück dieses Krieges schleppt anscheinend jeder mit sich, und alle sind Verlierer - offenbar ist daraus so etwas wie eine gemeinsame europäische Erfahrung geworden."

DER SPIEGEL 20/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 20/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Hausmitteilung Betr.: Zweiter Weltkrieg

  • Videoreportage zu seltenen Krankheiten: "Du denkst, das Kind stirbt"
  • Dugongbaby Marium: Thailändische Seekuh stirbt mit Plastik im Bauch
  • Drohkulisse in Shenzhen: Was bedeuten die Militärfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong?
  • Trumps Interesse an Grönland: US-Präsident erntet Spott