22.05.1995

Eberhard Diepgen,

53, Regierender Bürgermeister von Berlin, wurde von den Chinesen kräftig übervorteilt. Vor sechs Wochen hatte der Regierende in einer werbeträchtigen Aktion den Pandabären Yan Yan von Peking nach Berlin geholt und das Tier auf seiner Reise begleitet. Der Vertrag "über die gemeinsame Forschung auf dem Gebiet der Fortpflanzung von Riesenpandas", den Diepgen im April in Peking unterzeichnet hat, verpflichtet indes Berlin, das Panda-Weibchen Yan Yan (Forschungsnummer 378) nach fünf Jahren wieder an China zurückzusenden. Sollte Nachwuchs aus der Berliner Pandabären-Vereinigung entstehen, steht dieser einzig der Volksrepublik China zu. Auch wenn Yan Yan die Berliner Luft, wie schon ihre Vorgänger, nicht überlebt, geht die Versicherungssumme von 500 000 Dollar ausschließlich an das sozialistische Land. Dennoch verpflichtet sich der Hauptstadt-Zoo für alle Kosten des gemeinsamen Forschungsprojekts aufzukommen. Alle zwei Jahre müssen drei chinesische Wissenschaftler für mindestens sieben Tage nach Berlin eingeflogen werden, "um sich nach dem Befinden des Pandas zu erkundigen". Forschungsergebnisse, die in Berlin über den Riesenpanda gewonnen werden, müssen den Chinesen übergeben werden. Eine Veröffentlichung ist nur mit Zustimmung aus Peking möglich. Ausdrücklich hält der Schriftsatz fest: Die Bärin werde nur zum Zweck der Fortpflanzung ausgeliehen. Für "kommerzielle Zwecke" dürfe Yan Yan nicht verwendet werden.

DER SPIEGEL 21/1995
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