29.05.1995

SiemensVerärgerte Kunden

Der Münchner Siemens-Konzern kappt eine wichtige Zukunftstechnologie, um bei seiner notleidenden EDV-Tochter SNI (Siemens Nixdorf Informationssysteme) schwarze Zahlen präsentieren zu können. Das Nachsehen haben wichtige Kunden wie die DG Bank, die Bundesbahn und das Bundeskanzleramt. Mit dem computergesteuerten Spracherkennungs- und Übersetzungssystem, kurz "Metal" genannt, bearbeiten die Bonner Ministerialbeamten unter anderem ausländische Pressemeldungen, Regierungsmitteilungen oder Berichte von Nachrichtendiensten. Siemens hatte in den vergangenen zehn Jahren fast 100 Millionen Mark in das System gesteckt und sich damit technologisch an die Spitze gesetzt. Trotzdem will der neue SNI-Chef Gerhard Schulmeyer die Schlüsseltechnologie komplett aufgeben, um die horrenden Verluste bei SNI zu drücken. Branchenkenner schätzen nun, daß viele der über 50 betroffenen Kunden Siemens künftig komplett von ihrer Lieferantenliste streichen könnten. Die meisten von ihnen haben Millionenbeträge für die Anpassung des Programms auf ihre Bedürfnisse ausgegeben und kaum eine Chance, schnell einen anderen Anbieter zu finden.

DER SPIEGEL 22/1995
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