05.06.1995

AdoptionHEISSE WARE BABY

Fünf Millionen Paare in der Ersten Welt wünschen sich vergebens ein Kind. Wenn sie auf legalem Weg kein Baby adoptieren können, holen sich viele von ihnen eins in den Armenregionen der Welt. So ist der internationale Kinderhandel zur Wachstumsbranche geworden - mit Gewinnspannen wie im Drogengeschäft.
Die Frau mit dem dicken Bauch, die sich in der Aufnahmestation des Kreuzberger Krankenhauses Am Urban meldete, sprach kein Wort Deutsch. Sie legte einen rumänischen Paß vor und gab eine Adresse in der nahe gelegenen Crellestraße an.
Für weitere Fragen war keine Zeit, denn die 28jährige hatte schon heftige Wehen. Wenige Stunden später kam ihre Tochter zur Welt. Das schwarzhaarige, dunkelhäutige Baby war klein und wog zuwenig, deshalb mußte es in den Brutkasten. Die Ärzte verlegten die Mutter auf die Wöchnerinnenstation.
Als kurz darauf Schwestern der Frau ein Essen bringen wollten, fanden sie das Bett leer. Auf dem Nachttisch lag ein Zettel mit der hingekritzelten Botschaft: Adoption. Ein Glücksfall. Zu jener Zeit, als die Mutter des Rumänenkindes spurlos verschwand - Anschrift und Name waren falsch -, warteten etwa 500 Paare in Berlin auf ein Kind von der amtlichen Adoptionsstelle.
Ende vergangenen Jahres, kaum neun Monate nach dem Vorfall im Urban-Krankenhaus, sprach eine Vormundschaftsrichterin das schwarzgelockte verlassene Baby einem Berliner Ehepaar zu. Die glücklichen Adoptiveltern hatten sich "lange Jahre schon bemüht", berichtet die Leiterin der Zentralen Adoptionsvermittlungsstelle für Berlin, Elke Kannenberg.
Soviel Geduld haben viele Paare nicht. Heribert W. und seine Frau aus Bayern haben sich ihr Baby einfach aus Argentinien geholt. Mitte Mai kehrten sie mit Scarlett Vivian in ihr Zuhause nahe München zurück. Das Kind ist noch nicht drei Monate alt und war 50 000 Mark teuer.
Kassiert hat der argentinische Dolmetscher Ramon Oscar Villon, 54, der in München-Schwabing lebt und reichen Kinderlosen seine Dienste bei der Babybeschaffung anbietet.
In der Kleinstadt Goya am RIo Parana arbeiten zwei Frauen für ihn, die Mütter überreden, ihre Neugeborenen abzugeben. 1000 Dollar soll die bettelarme, unverheiratete Juana Espinoza für ihre kleine MarIa Belen bekommen haben. Nachbarn sagen, das sei schon ihr drittes Kind, alle habe sie verkauft.
Der argentinische Babyhändler Villon und zwei seiner Komplizen gingen der Polizei vor zwei Wochen ins Netz - und kamen gleich wieder gegen Kaution frei. 25 Säuglinge sollen sie nach Bayern und in die Schweiz verschachert haben.
Der Markt ist unersättlich. Allein in Deutschland hoffen etwa 21 000 als adoptionswillig registrierte und vom Jugendamt für geeignet befundene Paare auf ein Baby fremder Eltern. Und noch viel größer ist die Zahl derer, die in den Akten der Behörden nicht auftauchen, weil sie ohnehin die strengen Eignungstests für eine Adoption hierzulande nicht bestehen könnten und deshalb von vornherein versuchen, den Nachwuchs auf grauem Wege zu beschaffen.
Kinder sind zum Geschäft geworden, Babys zur heißen und begehrten Ware. Etwa fünf Millionen Paare im reichen Teil der Welt wollen nach Schätzungen des Kinderhilfswerks Unicef und anderer Experten ein Kind adoptieren. Und im armen Teil der Welt, in den Ländern Lateinamerikas, in Fernost und im hungergeplagten Afrika schlagen sich 100 Millionen Straßenkinder allein durch: eine faszinierende Gleichung für skrupellose Geschäftemacher.
Der Kinderhandel von der Dritten in die Erste Welt kommt als Wachstumsbranche dem Drogenhandel gleich - nur Risiko und Umsatz sind geringer. Von Gesetzen kaum gehindert, können Babydealer mit jenem makabren Gemisch aus Elend und Elternliebe Millionen machen.
"Je jünger und weißer das Kind, desto höher der Preis", sagt Rolf P. Bach, in Hamburg Leiter der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle (GZA) der vier norddeutschen Bundesländer. Und wo ein hellhäutiges Baby einem Anwalt, Kinderarzt oder Waisenhausmanager am anderen Ende der Welt ein Vielfaches seines Monatseinkommens einbringen kann, gehört auch Kinderklau zum Beschaffungsrepertoire.
Besonders in Chile und Argentinien, in Brasiliens Süden, nahe der Grenze zu Paraguay, wo viele Deutschstämmige leben, sowie im Nordosten, wo einst Holländer als Kolonialherren lebten, finden sich die begehrten blonden und blassen Babys. Die können schon mal bis zu 70 000 Mark kosten.
So werden jährlich nach Schätzungen der Unicef bis zu 60 000 Kinder aus Lateinamerika, Asien und Osteuropa für ein vermeintlich besseres Leben in die Wohlstandsländer exportiert. Die USA sind der größte Abnehmer mit 8195 ausländischen Minderjährigen 1994, Frankreich liegt an zweiter Stelle (mit 3074 Adoptivkindern aus Übersee). Jedes sechste Kind fremder Eltern, das Deutsche 1993 adoptiert haben, wurde aus dem Ausland geholt (1993 waren es 678).
Doch "wirklich verlassene, verwaiste Kinder sind Mangelware", weiß die Soziologin Annegret Winter-Stettin von der Hilfsorganisation Terre des Hommes (siehe Seite 116). Straßenkinder sind nicht zu vermitteln. Und kaum jemand nimmt einen kleinen Afrikaner, obwohl auf diesem Kontinent wegen der raschen Ausbreitung von Aids mehr und mehr Jungen und Mädchen Eltern und Verwandte verlieren.
Für Unicef ist Auslandsadoption inzwischen "die umstrittenste aller Methoden, Kinder zu unterstützen". Kommerzielle Agenturen, die in den USA, in Kanada und Australien zugelassen sind, beherrschen den Markt weltweit. Schon drei Viertel der Adoptionen aus dem Ausland nach Deutschland "kommen auf privaten, in der Regel auf obskuren Wegen zustande", schätzt der GZA-Mann Bach.
Eine Säuglingsmafia hob die Polizei 1992 im indischen Bundesstaat Uttar Pradesch aus. Da konspirierten Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen, um ledigen Müttern die Neugeborenen zu stehlen. Ihr Baby sei gestorben, erfuhren die Wöchnerinnen. Währenddessen bekam der völlig gesunde Säugling zahlungskräftige Ausländer als Eltern.
Erst diesen Februar flog ein brasilianischer Kinderhändlerring auf: Die Bande entführte kleine Jungen und Mädchen aus dem Bundesstaat Rio de Janeiro und bot diese dann im zweieinhalbtausend Kilometer entfernten Staat Para Touristen zur Adoption an. Der Deal kam gewöhnlich während einer Bootsfahrt auf dem Amazonas zustande, an Bord der "Djard Vieira" zwischen Belem und Manaus.
Brasilien, wo der Service gegen klingende Münze so hoch gehalten wird, ist Zentrum des Kinderhandels in Lateinamerika geworden. Jährlich kommen dort 3,5 Millionen Babys zur Welt. 44 Millionen der 63 Millionen Minderjährigen leben in Familien, denen monatlich weniger als der Mindestlohn zur Verfügung steht. Im Windschatten korrupter Behörden und Regierungsbeamter hat sich in den vergangenen Jahren ein bestens organisierter Dienstleistungssektor für kindergierige Ausländer entwickelt.
Moderne medizinische Technik wie Ultraschall ermöglicht schon im Mutterleib die Auswahl je nach erwünschtem Geschlecht. Sie habe in Paris die Nachricht bekommen, ihr kleines Mädchen sei da, erzählt die Krankengymnastin Isabelle B. Daraufhin reiste sie nach Rio, wo die Anwältin Maria Lucia Duarte sie in einem Appartement an der Copacabana für 2000 Dollar Monatsmiete unterbrachte.
Die Französin bekam das Baby, ein Siebenmonatskind, nur eineinhalb Kilo schwer, sofort in die Arme gelegt. Sie pflegte das Frühchen während der im brasilianischen Gesetz vorgesehenen zwei Wochen Probezeit. Danach, so hoffte sie, würden die Behörden innerhalb zweier Monate das Okay zur Adoption geben. 12 000 Dollar sollte Isabelle bezahlen, weitere 800 für den Paß ihrer Adoptivtochter.
Doch deren leibliche Mutter wollte ihre Kleine plötzlich zurückhaben. "Klapperstorch" genannte Komplizinnen der Anwältin hatten die 42jährige aus der Trabantenstadt Duque de Caxias nahe der verslumten Nordzone von Rio geködert, als sie noch schwanger war. Man habe ihr ein Haus im Tausch gegen ihr Baby versprochen und garantiert, daß es im Lande bleiben werde.
Der Handel platzte, und Isabelle B., die inzwischen bereits 40 000 Dollar umsonst ausgegeben hatte, zeigte ihre vertragsbrüchige Babybeschafferin an. Nur so kam heraus, daß Duarte seit 1990 schon 15 Kinder an Ausländer verkauft hatte.
Die Dritte Welt rückt mittlerweile bis nach Europa vor. Seit dem Zusammenbruch der kommunistischen Regime sind Kinder aus der GUS, aus Polen und Rumänien nahezu im Dumping-Angebot zu haben. Der Flug ist kürzer - und überdies: Die Kinder sehen europäisch aus.
So flog der jüngste Fall von Kinderklau im ukrainischen Lwiw (Lemberg) auf. Auch dort kungelten Chefärzte und Schwestern. Sie fälschten Geburtsurkunden und Adoptionspapiere. Komplizen verkauften die Babys vor allem in die USA (siehe Seite 118).
Schon 38 Prozent aller 1993 aus dem Ausland nach Deutschland "importierten" Kinder stammen aus Ost- und Südosteuropa. Polnische und rumänische Schlepper geben abtreibungswilligen Frauen den Tip, ihr Kind einfach und kostenlos in einer deutschen Klinik zur Welt zu bringen und da zu lassen - wie im Berliner Fall, der sich ähnlich in letzter Zeit noch dreimal wiederholte.
"Manchmal kommen Ehepaare aus Deutschland oder Frankreich zu uns, die wollen Kinder kaufen, als ob''s Kartoffeln wären", beklagt sich ein Mitarbeiter der "Gesellschaft für Kinderfreunde", die in Polen Adoptionen vermittelt - seit Anfang des Jahres auch mit staatlicher Anerkennung. Noch im letzten Jahr seien zwei Drittel der 3000 Adoptionen von Polen ins Ausland direkt von Kliniken, Waisenhäusern und Unterkünften für alleinstehende Frauen gefingert worden. Dies sei regelrechter Kinderhandel gewesen.
In einem "guide to hot spots" für die Adoptionsinteressenten titelte das amerikanische Magazin U.S. News & World Report: "Korea''s down - Russia''s up". Rund 180 000 südkoreanische Kinder waren seit 1954, nach dem Ende des Koreakriegs, vor allem an amerikanische Adoptiveltern vermittelt worden. Härtere Gesetze bewirkten, daß Korea seine Spitzenposition als Babyexporteur inzwischen an Osteuropa abgegeben hat.
In Rußland wurde 1992 eine staatliche Agentur "Das Recht des Kindes" ins Leben gerufen - als Anhängsel des Moskauer Bildungsministeriums. Der Verein sollte sich der wachsenden Zahl elternloser Kinder annehmen. In Wirklichkeit betrieb die Agentur den Groß- und Einzelhandel mit Kindern.
Über die Volksbildungseinrichtungen der Region baute "Recht des Kindes" ein Marktnetz auf. Während Ausländer 1000 Dollar allein für die Reservierung eines Kindes löhnen mußten, bekamen die Lieferanten in den Kinderheimen nur 8 Dollar.
Seit März gilt ein neues Gesetz: Nun können auch Ausländer offiziell gesunde russische Kinder adoptieren, aber nur, wenn sich kein russischer Interessent findet. Nach dem muß die Heimleitung acht Monate lang in allen 89 russischen Verwaltungsgebieten fahnden.
Alla Kassimowa, Chefin des Adoptionszentrums bei der Moskauer Stadtregierung, plädiert für großzügige Auslegung des Gesetzes, denn "selbst kranke Kinder erkennt man nach drei Monaten im Ausland nicht mehr wieder". Ihr Zentrum arbeitet deshalb seit vier Jahren mit ausländischen Adoptionsagenturen, vorwiegend aus den USA, zusammen.
Die US-Agenturbesitzerin Margaret Cole entdeckte vor drei Jahren ihr Herz für die verlassenen Kinder dieser Welt. Damals hatte die Regierung in Bukarest, entsetzt über den Exodus von 15 000 vermeintlichen rumänischen Waisenkindern binnen eineinhalb Jahren nach Ende der Ceausescu-Diktatur, gerade Auslandsadoption verboten. Die Amerikanerin reiste durch die GUS und fand die Geschäftsbedingungen dort ideal.
Inzwischen operiert ihre European Adoption Consultants von Ohio aus in elf Ländern, darunter Rußland, Belorußland, Moldawien, die Ukraine, die jungen zentralasiatischen Staaten Usbekistan und Kasachstan sowie China.
Über die aktuelle Lage an der heiß umkämpften Adoptionsfront klärt eine telefonische Hotline auf: "Rußland wird schwieriger, Rumänien dauert länger als erwartet, China läuft phantastisch, aus Kasachstan und Usbekistan sind Videos unterwegs."
Jeden dritten Tag kann Cole einem Elternpaar zum Kind verhelfen; einen Profit darf das Unternehmen offiziell nicht erwirtschaften, da es sich gemeinnützig nennt. Es werden nur Kinder vermittelt, deren Papiere in Ordnung sind, und nur Kunden bedient, die den Kleinen ein geräumiges Zuhause bieten können. Die Kinder wählt Cole selbst mit Hilfe von Videos aus, die ihre Späher aus den Herkunftsländern schicken.
"Formalrechtlich ist das alles völlig in Ordnung", sagt der Adoptionsexperte Bach, "aber immer, wenn Geld im Spiel ist, wird es kritisch." Die meisten der von European Adoption vermittelten Kinder sind jünger als sechs Monate. Da konnte man nicht, wie es die Uno-Kinderrechtskonvention und manches Landesgesetz vorschreiben, ernsthaft nach Eltern im eigenen Land suchen.
In fast allen Nachfolgestaaten der Sowjetunion entscheiden - auch ohne ausdrückliche Einwilligung der leiblichen Eltern - Verwaltungsbeamte, nicht Gerichte, über die Freigabe eines Kindes zur Adoption. Und die sollen, so Bach, "nicht ganz unanfällig sein für Korruption".
Auch deutsche Paare wenden sich inzwischen an amerikanische Vermittler, die im allgemeinen als seriös gelten, Lieferung binnen kürzester Zeit versprechen und ihre Klientel nicht, wie die deutschen Jugendämter und Wohlfahrtsverbände, mit psychologischen Tests und ethischen Bedenken in Selbstzweifel stürzen.
Sechs Ehepaaren aus der Bundesrepublik konnte Cole unlängst zu Kindern verhelfen. Einem vermittelte sie zum "Selbstkostenpreis" von 8000 Dollar ein kleines chinesisches Mädchen.
Doch alle Deutschen, die sich eigenmächtig im Ausland ein Kind beschaffen, müssen auf die Nachsicht der Behörden spekulieren. Denn eine voll rechtsgültige Adoption kann nur in Deutschland und über anerkannte Vermittlungsstellen, das heißt immer mit Hilfe des Jugendamts vollzogen werden.
Bei "wilden" Adoptionen im Ausland steht es im Ermessen jedes einzelnen Beamten beim Standesamt, bei der Kindergeldkasse, auf dem Einwohnermeldeamt oder in der Ausländerbehörde, ob er das Verfahren aus dem Herkunftsland anerkennt.
Meist halten Eltern ihre Auslandserwerbung solange vor dem Jugendamt versteckt, bis eine Bindung zum Kind nicht mehr zu leugnen ist. Da die deutschen Vormundschaftsgerichte immer im Sinne des "Kindeswohls" entscheiden, werden sie dem meist keine erneute Trennung von der Familie zumuten und über allerhand Schönheitsfehler der ausländischen Unterlagen hinwegsehen.
Der Boom mit der Ware Kind hat inzwischen dazu geführt, daß viele Staaten ihre Gesetze verschärfen. In Deutschland steht auf "gewerbs- oder geschäftsmäßige" Vermittlung von Kindern seit 1989 Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren. Doch die Käufer-Eltern werden nicht belangt.
Um den grassierenden Mißbrauch einzudämmen, haben vor zwei Jahren Vertreter von über 60 Staaten in Den Haag bei der Konferenz für Internationales Privatrecht eine Konvention zum Schutz von Kindern und zur Zusammenarbeit bei Auslandsadoptionen verfaßt. Oberste Priorität: Kindern soll geholfen werden, bei ihren leiblichen Eltern zu bleiben. Nur wenn das unmöglich ist und sich auch keine andere Familie in der Heimat findet, soll ein Minderjähriger außer Landes gegeben werden dürfen.
In manchen Teilen der Welt gehört der Verkauf von Kindern quasi zum Staatshandel. Die Volksrepublik China bewältigt so die Folgen der Familienpolitik: Paare dürfen nur ein einziges Kind haben, wenn sie nicht große finanzielle und berufliche Nachteile riskieren _(* In der US-Botschaft von ) _(Guatemala-Stadt bei der Ausstellung ) _(eines Visums. )
wollen. Da traditionell männliche Nachkommen bevorzugt sind, setzen Eltern häufig kleine Mädchen aus. Eine zentrale Adoptionsvermittlungsstelle in Peking weist die Säuglinge auf Bestellung den aus aller Welt anreisenden Adoptiveltern zu; die Papiere stellen die Waisenhäuser selbst aus.
Die jüngste Entdeckung der Babymakler heißt Vietnam. Generalstabsmäßiger Kinderexport hat dort Geschichte: 1975, wenige Tage vor ihrem endgültigen Abzug, ließen die Amerikaner fast 2000 angebliche Kriegswaisen ausfliegen.
Die siegreichen Kommunisten in Hanoi taten in den nächsten Jahren alles, um Kriegswaisen, nichteheliche Mischlingskinder und ausgesetzte Säuglinge bei vietnamesischen Familien oder in Heimen unterzubringen. Doch mit der Öffnung des Landes zur freien Marktwirtschaft wurden die staatlichen Sozialprogramme zurückgedreht. Jetzt sind auch kommerzielle Adoptionsvermittler aus den Vereinigten Staaten und Frankreich eingefallen. Säuglinge werden feilgeboten wie Versandhausprodukte.
Einheimische Kontakter fangen Interessierte vor den Hotels ab. Sie drücken ihnen Fotoalben mit Kinderporträts in die Hand. Bei Preisen zwischen 1600 und 3000 Dollar gelten die kleinen Vietnamesen vor allem bei den französischen Aufkäufern als echtes Schnäppchen.
Die chinesischen Kinderagenten mögen sich von der benachbarten Konkurrenz nicht das Geschäft verderben lassen. Mittels bilateraler Verträge versuchen sie zur Zeit, auf höchster diplomatischer Ebene den Menschenhandel voranzubringen.
Vor wenigen Wochen traf im Bonner Familienministerium ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft in Peking mit einem Vertragsentwurf zur Regelung des Imports von Jüngstchinesen ein. Die fernöstlichen Anbieter locken darin mit Sonderbedingungen für deutsche Eltern: bei Nichtgefallen Rückgaberecht. Y
[Grafiktext]
Registrierte Adoptionen ausländ. Minderjähriger in d. BRD -
Ausgewählte Herkunftsländer
[GrafiktextEnde]
* In der US-Botschaft von Guatemala-Stadt bei der Ausstellung eines Visums.

DER SPIEGEL 23/1995
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