26.06.1995

GenetikZwergwuchs ererbt?

Seit der französische Maler und Karikaturist Henri de Toulouse-Lautrec im Jahre 1901 starb, rätseln die Wissenschaftler, welche Krankheit wohl seinen Zwergwuchs verursacht haben mag. Jetzt scheint einem Forscherteam der Mount Sinai School of Medicine, New York, die Lösung des Rätsels gelungen zu sein. Der gerade 152 Zentimeter große Künstler stammte aus einer Adelsfamilie, deren Wurzeln sich bis in die Zeit Karls des Großen zurückverfolgen lassen. Wie im Hochadel üblich, kam es immer wieder zu Hochzeiten unter engen Verwandten. So waren beide Großmütter von Henri de Toulouse-Lautrec Schwestern. Dies macht einen angeborenen Gendefekt wahrscheinlich. Unter der Leitung des Genetikers Bruce D. Gelb analysierten die New Yorker Forscher zwei Familien, deren Mitglieder häufig einen ähnlichen Typ von Zwergwuchs (Pyknodysostose) aufweisen wie Toulouse-Lautrec. Die Genanalyse ergab Hinweise darauf, daß das zwergwuchsverursachende Gen auf dem Chromosom 1 lokalisiert ist. Da die Analyse von Fotos des Künstlers nicht eindeutig beweist, daß Toulouse-Lautrec alle für die Pyknodysostose typischen Symptome aufweist, hoffen die Wissenschaftler nun darauf, daß sich die noch lebenden Nachfahren des berühmten Malers zu einer Genanalyse bereit finden.

DER SPIEGEL 26/1995
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