19.06.1995

Theater„Ende erwartet“

SPIEGEL: Sie waren nur zehn Monate im Amt. Warum gehen Sie?
Mattes: Weil sich herausgeschält hat, daß unser Kodirektor Heiner Müller das Haus am liebsten allein leiten wollte. Peter Zadek hatte sich ja schon beizeiten aus dem Gerangel verabschiedet, und ich will meine Kraft auf keinen Fall im Behaupten einer Machtposition vergeuden. Als Schauspielerin bleibe ich am BE.
SPIEGEL: Hat Sie das böse Ende wirklich überrascht?
Mattes: Nein, ich habe es lange erwartet. Nur bin ich nicht von Natur aus pessimistisch. Wenn sich aber Kräfte gegenseitig eher behindern als ergänzen, dann soll ein Theater von einem einzelnen geleitet werden.
SPIEGEL: Sie wollten neue Talente fürs BE entdecken. Statt dessen wandelt sich das Haus zu einer Müller-Bühne. Der Chef inszeniert und läßt seine eigenen Stücke spielen.
Mattes: Ich will das nicht kommentieren, soll er sich austoben. Ich bewundere sein Selbstbewußtsein.
SPIEGEL: Ob das dem Theater bekommt?
Mattes: Eine offene Frage. Man wird sehen. Ich weiß nur, daß umgekehrt das BE unter Zadeks Leitung eine große Chance gehabt hätte. Ich wünsche dem Theater Entfaltung!

DER SPIEGEL 25/1995
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