17.07.1995

UmweltkampagnenBritische Forscher gegen Greenpeace

Der Erfolg der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit ihrer Kampagne gegen die Versenkung der Ölplattform "Brent Spar" sei ein "Pyrrhussieg", auch wenn die Organisation "ohne Zweifel dadurch an Mitgliederstärke gewinnt", schreibt das britische Wissenschaftsblatt Nature in einem abschließenden Kommentar zu der Affäre. Gestützt wird diese Meinung durch einen in derselben Ausgabe des Magazins veröffentlichten Bericht zweier britischer Meeresforscher, die darauf hinweisen, daß die Schwermetalle, wie sie sich an Bord der "Brent Spar" befinden, in weiten Bereichen der Ozeane in großen Mengen aus heißen Quellen - etwa entlang des Mittelatlantischen Rückens - aus dem Boden strömen. Ein einziges Feld solcher Quellen (Broken Spur) entläßt zwischen 500 000 und 5 Millionen Tonnen dieser Metalle jährlich in die Tiefsee. Gerade in diesen Gebieten aber, in denen häufig auch Öl aus der Tiefe sickert und komplexe Kohlenwasserstoff-Moleküle entstehen, gedeiht ein reiches Tiefseeleben. "Die Bakterien des Meeresbodens", kommentiert Nature sarkastisch, "würden die Ankunft der "Brent Spar" so willkommen geheißen haben, als ob all ihre Weihnachtsfeste auf einmal stattfinden würden." Die Überbewertung relativ kleiner Probleme, so die beiden Londoner Wissenschaftler Evan Nisbet und Mary Fowler, würde letztlich dazu führen, daß dabei die "dringendsten Umweltprobleme", wie etwa die Überfischung des Nordatlantiks, vernachlässigt würden.

DER SPIEGEL 29/1995
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