15.04.2013

POLENGedenken in Granit

Die Flugzeugkatastrophe von Smolensk, bei der vor genau drei Jahren Präsident Lech Kaczyński und seine Entourage ums Leben kamen, sorgt erneut für Verstimmungen zwischen Warschau und Moskau. Noch immer hat die russische Seite am Unglücksort kein Grundstück für ein Denkmal zur Verfügung gestellt - dabei hatten sich Präsident Bronislaw Komorowski und sein damaliger russischer Kollege Dmitrij Medwedew schon vor zwei Jahren darauf geeinigt.
Die kremlnahe Zeitung "Iswestija" warf den Polen nun vor, anmaßende Forderungen zu stellen: Warschau fordere für die Gedenkstätte mehr als zehn Hektar - ein Areal, "größer als der Rote Platz". Das polnische Projekt sieht jedoch nur eine 115 Meter lange Gedenkmauer aus Granit vor, in die die Namen aller 96 Toten - Politiker, Geistliche und Militärs - eingraviert werden sollen. Die Polen wiederum beklagen, dass Russland das Wrack der Unglücksmaschine noch immer nicht freigegeben hat. In diesem Klima des Misstrauens verstummen auch die Verschwörungstheorien nicht. Die von Jaroslaw Kaczyński, dem Bruder des toten Präsidenten, geführte Opposition verbreitet, das Unglück sei ein Anschlag gewesen. Mehrere Explosionen an Bord hätten die Maschine zum Absturz gebracht. Es soll sogar Zeugen geben, die beobachtet haben wollen, wie russische Krankenwagen am Unglückstag drei Überlebende weggeschafft hätten. Umfragen zufolge glauben 33 Prozent der Polen, ihr Staatsoberhaupt sei einem Attentat zum Opfer gefallen.

DER SPIEGEL 16/2013
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POLEN:
Gedenken in Granit

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