16.10.1995

MusicalCarmen klappert kölsch

Die Oper "La Traviata" verlegte er in einen Massagesalon, Aida ließ er in Gestalt von Cleopatra bei der Ufa agieren: Walter ("Wally") Bockmayer, 47, Kölns kreischigster Theater-Vogel, hat sich nun für sein Kaiserhof Theater an Georges Bizets nimmermüder "Carmen" vergriffen - und den iberischen Ohrwurm gehörig durch die rheinische Dialektmangel gedreht. Aus der rassigen Titel-Senorita wird in Wallys Musical-Version (Premiere an diesem Donnerstag) eine deftige Kölner Nutte vom Klapperhof im Rotlicht-Viertel der Stadt. Ihr Verehrer Don Jose mutiert am Rhein zu einem Provinz-Schupo namens Jupp Schmitz, und Escamillo, in der Vorlage Torero, wirbt nun am Kölner Hohenzollernring als Fußball-Idol Toni Schmuhmacher um Carmens flatterhafte Zuneigung. Auch musikalisch mischt Bockmayer das immergrüne Musikdrama munter auf und implantiert ihm unbekümmert fremde Schlager und Musical-Hits. Zur Queen von "Carmen. Die Königin vom Klapperhof" dürfte sich wieder Gigi Herr in der Titelrolle aufschwingen, pummelige Nichte der Kölner Dialekt-Duse Trude Herr. Sie war im vergangenen Jahr schon in Wallys Verhohnepipelung der "Rocky Horror Picture Show" unbestritten die Schaumkrone auf dem köstlichen Komik-Kölsch.

DER SPIEGEL 42/1995
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Carmen klappert kölsch

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