23.10.1995

Björn Engholm,

55, ehemaliger SPD-Vorsitzender und 1993 zurückgetretener Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, erhält dieser Tage vom Satiremagazin Titanic die letzte Abschlagszahlung für eines der höchsten Schmerzensgelder in der deutschen Pressegeschichte. Die ätzenden Spaßmacher hatten im April 1993 auf der Titelseite das Foto des toten Uwe Barschel in der Badewanne seines Genfer Hotels gezeigt, in das ein Foto des lachenden Engholm einkopiert war. Die Titelzeile lautete: "Sehr komisch, Herr Engholm!" Das fand der im Zuge der "Schubladen-Affäre" alsbald in den freien Fall geratene Politiker gar nicht. Engholm klagte, und das Oberlandesgericht Hamburg sprach ihm in zweiter Instanz ein Schmerzensgeld in Höhe von 40 000 Mark zu. Auf "Bezüge dieser Art", so das durch die enormen Kosten des Rechtsstreits unter Druck geratene Magazin, sei "der mittlerweile mandatslose" Engholm "dringend angewiesen". Dabei hat der Sozialdemokrat, der sich noch immer an einen Posten im ZDF-Verwaltungsrat klammert, die politisch-ökologische Front gewechselt und ist Berater beim Energiekonzern Preussen Elektra.

DER SPIEGEL 43/1995
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