02.10.1995

USA„Zuerst die Löcher stopfen“

Seine Kollegen nennen ihn "den mit dem Bluteimer": ein Mann ohne Namen, ein Gesicht ohne Regung, ohne Reaktion auf das Drama, das hier Alltag ist.
Der Arbeiter, ein Latino, schiebt immer wieder seinen Lappen durch die Blutlachen auf dem Boden und wringt die Flüssigkeit dann so teilnahmslos in einen Eimer, als wischte er verschütteten Tomatensaft auf. Der erstarrte Arm eines Toten, der wie eine Schranke unter einem weißen Laken hervorragt, scheint ihn nicht zu stören. Auch die Schreie, das Röcheln der Verletzten berühren ihn nicht.
Beharrlich beseitigt er das Blut in "Gottes Wartezimmer", wie sein Arbeitsplatz im zynischen Jargon des Krankenhauspersonals heißt. Die Patienten, die hier meist nackt auf den Operationstischen liegen, trennen oft nur Minuten vom Tod. Sie wandeln, sagt Arthur Fleming, 59, Chef der Traumatologie im King/Drew Medical Center von South Central Los Angeles, "zwischen Hoffnung und Hölle".
Soeben haben Rettungsmänner des Compton Fire Department einen 17 Jahre alten Jungen eingeliefert. Er war von einer Kugel ins Bein getroffen worden und dennoch drei Häuserblocks weit gelaufen, bevor er bewußtlos zusammenbrach, getrieben von der Angst vor Drogendealern.
"Puls 130", ruft die Schwester dann, "kein Blutdruck, nichts". Der Patient liegt im Schock. "Ich brauche Blut, sechs Einheiten", fordert einer der Chirurgen. "Es steht schlecht um ihn", diagnostiziert Lee Nelson, 35, ein schwarzer Mediziner, den dieser Job in der Notaufnahme "intellektuell anmacht". Die Herausforderung für ihn: "Vor 30 Minuten war der Junge noch gesund, jetzt geht er den Bach runter - wie kann ich ihn binnen Sekunden retten?"
Nelson ist ein frommer Mann; falls der Verletzte trotz aller Bemühungen stirbt, dann hat Gott es so gewollt: "Er fällt die letzte Entscheidung."
Auf dem Operationstisch nebenan, nur zwei Meter entfernt, ringt ein Latino mit dem Tod. Als die Pfleger ihn anheben und auf die Seite drehen, weil die Chirurgen das faustgroße Einschußloch untersuchen wollen, schwappt das Blut wie bei einem Rohrbruch aus dem Leib, und der Mann mit dem Eimer ist sofort da und wischt.
Der Junge mit dem Beinschuß kommt zu sich, versucht, sich die Sauerstoffmaske vom Kopf zu reißen. Einer der in hellgrüne Kittel gekleideten Mediziner schreit ihn an: "Entspann dich - du bist im Krankenhaus."
"Code Yellow, Code Yellow, Code Yellow", schnarrt plötzlich eine Stimme über Lautsprecher. Das bedeutet: Beeilt euch, in fünf Minuten liefert der Rettungsdienst das nächste Opfer an.
Jim Park, 49, ein aus Südkorea eingewanderter Chirurg, der im Ruheraum gerade ein Basketballmatch verfolgt, seufzt: "Heute muß Freitag sein." Seit er hier Dienst tut, weiß er: Jeden Freitag, wenn die Schecks der Sozialfürsorge im Ghetto eintreffen, haben die Drogendealer, die Schnapsläden und die Chirurgen Hochkonjunktur - vor allem im King/Drew, dem Krankenhaus, das so viele Opfer von Schußwunden versorgt wie kein anderes auf der Welt, Kriegsgebiete ausgenommen. Rund 5000 Verletzte mit Kugeln im Leib werden hier pro Jahr behandelt.
Die Besatzung eines Rettungswagens, die gelben Gummihosen blutverschmiert, schiebt einen Mann in den "crit room", den Raum für Verletzte in kritischem Zustand. Aus dem nackten Oberkörper sprudelt Blut wie aus einem Springbrunnen.
Eric Nussbaum, 29, ist im letzten Jahr seiner Facharzt-Ausbildung; er braucht bei solchen Wunden keine Erklärungen mehr. "Chancen gering", befindet er. Ihn fasziniert der Job, in der Notaufnahme sieht er seine berufliche Zukunft: "Nur hier bekomme ich ein sofortiges Ergebnis meiner Arbeit" - Tod oder Leben.
Voriges Jahr verzeichnete das Krankenhaus 62 000 Notaufnahmen. "Bei uns ist mehr los", sagt die Rettungsärztin Joanne Williams mit einem Anflug von Berufsstolz, "als die meisten Militärärzte in Vietnam je erlebt haben."
Schon 1988 meldete Chefarzt Fleming in einem Brief an den obersten Militärarzt des Pentagon: "In Los Angeles findet ein Krieg statt, wir brauchen Hilfe" - Militärchirurgen und Pflegepersonal. "Nirgendwo sonst in der Welt", notierte Fleming, sei es in Friedenszeiten für Militärärzte möglich, in kürzester Zeit soviel zu lernen: "Unser Krankenhaus befindet sich im Herzen des Kriegsgebietes."
Die Traumatologie im King/Drew wird derzeit ausgebaut, weil die Operations- und Behandlungsräume nicht mehr ausreichen. Zugleich aber fehlt es an Geräten, Blutkonserven, Geld und Personal, da der Staat die Zuwendungen streicht und 20 Prozent der Patienten keinen Cent für die Behandlung bezahlen - sie sind nicht versichert.
Ein amerikanisches Drama zeichnet sich ab: Die Republikaner in Washington wollen den Wohlfahrtsstaat, der in Wahrheit keiner ist, drastisch zurückschneiden; betroffen sind die Armen und jene Institutionen Amerikas, die sich ihrer annehmen sollen, etwa die Krankenhäuser in den Ghettos. Dabei "breitet sich der Krieg aus wie ein Steppenbrand", empört sich Fleming, der einst selbst als Militärarzt Dienst tat. "Amerika hat Probleme, wach zu werden."
In den Großstädten des Landes sind die öffentlichen Krankenhäuser vom Kollaps bedroht. Die Gewalt ist in vielen Kommunen kaum noch einzudämmen. Nach den Unruhen in Los Angeles 1992 verkauften die Händler mehr als zwei Millionen Waffen; mit über 30 Millionen Schießgeräten - 2,3 Feuerwaffen pro Einwohner - ist die Metropole nunmehr gerüstet wie eine Großmacht.
In den Bandenkriegen von Los Angeles kamen 1994 mehr Menschen um als beim Bombenanschlag in Oklahoma City. Aber diese Opfer bewegen die Gefühle nicht, obwohl unter ihnen viele Unbeteiligte sind. In manchen Vierteln sind sie so hilf- und wehrlos wie die Einwohner von Sarajevo - Zielscheiben für Gangs, die "Crips" heißen oder "Bloods", die mit Kalaschnikows und Uzis feuern und manchmal aus Autos heraus Passanten nur so zum Spaß abknallen.
Ein Jahr nachdem Fleming das Pentagon alarmiert hatte, reagierten die Militärs - aber anders, als es zu erwarten war. Nach dem Einmarsch Saddam Husseins in Kuweit bekam der Arzt einen Anruf aus Washington: "Doktor Fleming, wir würden Sie gern reaktivieren." Der Arzt erwiderte: "Den Krieg habe ich bereits vor meiner Tür, die Opfer liegen in meinen Betten und in der Leichenhalle."
Etwa 600 000 Menschen leben in South Central, Compton und Watts - Viertel, deren Namen Synonyme für Verrohung, Zerfall, Gleichgültigkeit geworden sind. 51 Prozent aller in Los Angeles registrierten Morde und Tötungsdelikte werden in der Umgebung der Klinik verübt. Das King/Drew-Hospital ist bei den Anrainern als "Killer-King" verrufen, weil viele Opfer nicht überleben.
Nur drei Prozent der Patienten sind Weiße, jeder vierte der Eingelieferten lebt von der Sozialfürsorge. Die Männer vom Rettungsdienst sind mit kugelsicheren Westen ausgerüstet. Wenn Chefarzt Fleming sein rund 30 Kilometer von der Klinik entferntes Haus verläßt, ist die nächtliche Fahrt zur Arbeit wie eine Reise durch Feindesland.
Mehrmals haben Bandenmitglieder versucht, einem verletzten Gegner noch in der Klinik den Fangschuß zu geben. Direkt neben dem Eingang zur Notaufnahme wachen deshalb Tag und Nacht bewaffnete Polizisten hinter kugelsicheren Scheiben. Die Eingänge zum Hospital sind mit Metalldetektoren ausgerüstet; viele Patienten trennen sich, auch wenn ihnen bereits Blei in den Rippen steckt, ungern von ihren Waffen.
Die letzten Kilometer Fahrt vom Freeway 105 East zum Hospital in der 120. Straße, vorbei an den trostlosen Sozialsiedlungen, sind für Fleming wie "russisches Roulette". Zwölf Jahre spielt er schon, bisher hatte er einfach Glück. "Sie schießen hier Leute über den Haufen, weil die bei einem Überfall nur zehn Dollar in der Tasche hatten."
Vor wenigen Wochen wurde ein 16jähriger Junge mit einem Kopfschuß eingeliefert. Eine Gruppe Gleichaltriger hatte ihn an der Bushaltestelle aufgefordert: "Rück deinen Beeper raus." Fleming weiß nicht, ob der Junge sich wehrte. Er sah im "crit room" nur "das kleine Loch über der Nase", der Schuß war direkt ins Gehirn gedrungen - ein hoffnungsloser Fall.
Seit zehn Monaten arbeitet Melvin Jones, 49, im King/Drew. Er wußte, was ihn erwarten würde. Seine Cousine, eine Lehrerin, die unweit des Krankenhauses lebte, wurde ermordet, als sie versuchte, einen Streit zu schlichten.
In South Central hat Jones erkannt, "wie brutal Menschen sein können und wie wenig Respekt sie für menschliches Leben zeigen". Vor wenigen Wochen bemühte er sich um eine Frau und ihr zwei Tage altes Baby, die bei einem Wohnungsbrand schwer verletzt worden waren. Weil die Wehen einsetzten, hatte die Frau einem Drogendealer die Nutzung ihres Telefons verweigert. Der warf drei Tage später einen Molotowcocktail durch das Fenster. Die zwei Jahre alte Tochter verbrannte, die Mutter und das Neugeborene wurden gerettet.
Manche Ärzte im King/Drew abonnieren Waffenjournale, um sich mit Fachfragen wie Innenballistik, Auftreffgeschwindigkeit sowie der Wirkung von Hochrasanzgeschossen vertraut zu machen. Einer von ihnen, Gary Ordog, hat ein Handbuch herausgegeben ("Management of Gunshot Wounds"), das für Militärärzte in den USA inzwischen Pflichtlektüre ist. Auch Fleming wird oft von den Streitkräften zu Vorträgen über die operative Behandlung von Schußwunden gebeten.
Für jeweils zwei Monate kommandiert inzwischen ein in El Paso gelegenes Militärkrankenhaus uniformierte Feldscher in das Ghetto-Krankenhaus ab. "Die erleben in den acht Wochen mehr", behauptet Fleming, "als in ihrer gesamten Ausbildung."
Wo sonst lernen sie am lebenden Objekt, daß etwa kleinkalibrige Geschosse durch die geringe Auftreffgeschwindigkeit keine geradlinige Spur durch den Körper reißen, sondern zuweilen wie ziellos durch das Gewebe torkeln, von Knochen abprallen und weit entfernt vom Einschußkanal steckenbleiben können? Oder daß die Mediziner nicht etwa nach Metallsplittern oder der Kugel suchen sollen, sondern, wie die Notfallspezialistin Joanne Williams, 45, sagt, nur eine Priorität kennen: "Wir müssen zuerst die Löcher stopfen."
Hauptmann Guillermo Quetell, 32, sagt nach der ersten Dienstwoche in der Notaufnahme: "Wahnsinn, einfach Wahnsinn - nahezu jeden Tag ein Mann, der von einer Schnellfeuerwaffe durchsiebt ist." Einige seiner Kameraden, die im King/Drew gelernt haben, konnten ihre Erfahrungen inzwischen bei Einsätzen auf Haiti und in Somalia anwenden. Wer weiß, fragt Quetell, "wo ich im nächsten Jahr flicken muß"?
Auch ausländische Ärzte studieren im King/Drew - wie etwa Mohammed Salim Almatbar. Er war während seines Militärdienstes in der syrischen Heimat und im Libanon als Arzt tätig. Damals ging er mitten im Bürgerkrieg von Beiruts Hamra-Boulevard vier, fünf Kilometer zu Fuß durch die Stadt, und er fürchtete sich nie. In South Central Los Angeles aber wagte er sich nicht auf die Straße: "Da sterben zu viele Unschuldige."
Melvin Jones betrachtet seinen Job "wie ein Soldat, der den Krieg haßt und gleichwohl kämpfen muß". Gegen das soziale Chaos draußen vor der Tür ist er ohnehin machtlos. Er kennt die Statistik: Die häufigste Todesursache für Schwarze zwischen 15 und 24 ist Mord. Die Wahrscheinlichkeit für einen afro-amerikanischen Jungen, Mediziner zu werden, ist geringer als 1 : 1800, die Chance, daß ein junger Schwarzer mit der Justiz aneinandergerät, dagegen 1 : 4.
Das Durchschnittsalter der eingelieferten Trauma-Patienten ist in der letzten Zeit auf 18 Jahre gesunken. Die Schießereien im Ghetto sind zu einer Epidemie geworden; die jungen Schwarzen begehen, so Mediziner Nelson, "kollektiven Selbstmord". Was die Medien als "Bandenkrieg" schildern, klagt der Farbige, sei in Wahrheit ein "Krieg der Afroamerikaner gegen sich selbst".
Die Schwarzen haben in Vierteln wie South Central jede Hoffnung verloren - Geld verdienen nur die Dealer. Teenager zeugen und gebären Kinder, die in den Straßen aufwachsen und die Gesetze der Straße verinnerlichen. Zwölfjährige verdienen als Boten oder Warnposten der Dealer 1000 bis 2000 Dollar wöchentlich; ihre Mütter, mit sieben, acht Kindern auf Sozialfürsorge angewiesen, nehmen das Geld, ohne lange zu fragen - bis eines Tages die Polizei vor der Tür steht und ihnen mitteilt, daß der Sohn im Killer-King liegt.
In einer Studie über "Schußwunden bei Kindern" (Pediatric Gunshot Wounds) schreiben die Autoren: "Unter den über zehn Jahre alten Patienten waren 80 Prozent direkt oder indirekt in bandenbezogene Schießereien verwickelt." Die Banden sind für die vaterlos aufwachsenden Kids Familienersatz, sie verheißen Ansehen und Reichtum - Goldketten, Rolex-Uhren, Kabrios. "Den Typen, der bei mir mit einer Kugel im Schädel auf dem Tisch liegt, sehen die Jugendlichen dagegen nicht", meint Fleming. Und jene, die überleben, ahnen meistens nicht, wieviel Glück sie hatten: Oft trennen sie nur wenige Millimeter vom Tod.
Folglich werden viele Halbwüchsige mehrmals mit Schußwunden eingeliefert; "astronomisch hoch" sei die Zahl der Wiederholungsopfer, sagt Fleming. Als einmal eine Ärztekommission das Krankenhaus inspizierte, informierte ein junger Patient die Besucher: "Dies ist ein klasse Krankenhaus - ich bin schon das sechste Mal hier."
Bei der Abschlußvisite hatte die Ärztin Joanne Williams einem angeschossenen Jungen erklärt: "Diesmal hast du Glück gehabt - ein zweites Mal solltest du dir das ersparen." Sechs Wochen später war der Junge wieder da, von mehreren Kugeln getroffen. "Es ist nicht meine Schuld, ich habe nur rumgestanden", erklärte er.
Unter seinen Kameraden sei solch ein Überlebenskünstler ein Held, erläutert Joanne Williams. Die Kugel hat sein Herz gestreift, und es schlägt noch immer - also ist er unsterblich. Ähnlich denkt auch der Genesende, er verliert seine Angst. Von Operation zu Operation wird der Eingriff schwieriger: Die Narben verwachsen, der sonst einfache Schnitt durch Haut, Fett, Muskeln wird zu einem Problem, wenn mehrere Schichten miteinander verwuchert sind. Bei kritischen Schußverletzungen können so jene Minuten verlorengehen, die über Leben und Tod entscheiden. Nur wenn den Teenies die Explosion im Leib den Darm zerfetzte, beobachtete Chirurg Park, "sind sie auf ewig gewarnt, die kommen nicht wieder". Ein künstlicher Darmausgang erinnere sie ihr Leben lang an die zerstörerische Kraft der Patronen.
Als wieder "Code Yellow" durch das Krankenhaus dröhnt, fragt Melvin Jones einen Kollegen: "Ist heute Vollmond?" - dann sollen die Menschen besonders gewalttätig sein. Der antwortet nur: "Hier ist immer Vollmond." Zuweilen ist das Krankenhaus derart überlastet, daß die Ärzte in der Notaufnahme entscheiden müssen, wen sie zuerst behandeln - jenen, der kaum noch eine Überlebenschance hat, oder den, der es wohl packen wird. Notarzt Bishop über diese Selektion: "Das ist eine gefechtsähnliche Situation."
Über Funk warnt der Rettungsdienst Jones und sein Team vor. Sie bringen einen schwierigen Fall, "multiple gunshot wounds", Mehrfachverwundungen in Brust- und Bauchhöhle. Der Verletzte, 17 Jahre alt, stand mit Klassenkameraden an einer Bushaltestelle. Aus einem fahrenden Auto heraus traf ihn auf kürzeste Distanz ein sogenannter "buck shot". Gleich einem Feuerwerkskörper explodierte der großkalibrige Rehposten im Leib, sieben Kugeln zerfetzten Milz und Dickdarm, verletzten Lunge, Arterien sowie eine Niere.
Nachdem sie dem Jungen im Operationssaal D die Bauchdecke geöffnet haben, erkennen Jones und seine fünf Kollegen sogleich: Milz und Dickdarm sind nicht mehr zu reparieren. Sie werden entfernt, die Arterien abgebunden. 29 Einheiten Blut, nahezu 15 Liter, etwa das dreifache Blutvolumen eines Menschen, werden bei der Transfusion gebraucht. Immer wieder blickt Jones besorgt auf die Monitore über dem mattbraunen, kurzgeschorenen Kopf des Patienten.
Nach fünfeinhalb Stunden verschließen die Chirurgen die Bauchdecke und den Brustkorb, den sie wegen Blutungen ebenfalls öffnen mußten. Die Familie betet unterdessen in der kleinen Krankenhauskapelle im Erdgeschoß, über deren Altar die Zeile aus dem Vaterunser steht: "Wie im Himmel so auf Erden."
Eine Stunde nach Ende der Operation hört das Herz des Schülers auf zu schlagen - multiples Organversagen lautet die offizielle Todesursache.
"I have a dream", hat Martin Luther King einmal für Amerikas Minderheiten ausgerufen - den Traum von Gerechtigkeit, Glück und Freiheit. Das Porträt des schwarzen Führers schmückt die Eingangshalle des King/Drew: "I have a dream."
"Warum ausgerechnet er?" fragen die aus Lateinamerika eingewanderten Eltern des Ermordeten, "er war ein guter Junge." Das, so der Chirurg später, "sagen sie alle". Die Kinder haben den Amerikanischen Traum geträumt - bis der alte Mann mit dem Eimer ihr Blut im King/Drew-Hospital aufwischen mußte. Y
Von Helmut Sorge

DER SPIEGEL 40/1995
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