13.11.1995

Hausmitteilung Betr.: Israel

Es war alles vorbereitet: Für den vorletzten Sonntag, 19.30 Uhr, hatte die Israelin und SPIEGEL-Mitarbeiterin Esther Bacharach in Jerusalem ihre langjährige Freundin Lea Rabin zum Abendessen eingeladen. Zugesagt hatte auch Jizchak Rabin, der israelische Premierminister, und mit an der Tafel sitzen sollten die SPIEGEL-Redakteure Jürgen Hogrefe aus Jerusalem und Dieter Wild aus Hamburg. Ein freundliches Tischgespräch war zu erwarten, vor allem natürlich mit dem Premier - Partner in fünf SPIEGEL-Gesprächen, zum erstenmal 1974. Der Mord setzte allem ein Ende. Am Montag, als Rabins Sarg auf dem Herzl-Berg ins Grab gesenkt wurde, trafen sich die SPIEGEL-Leute in einer Talmudschule auf dem Scopus-Berg zum Interview mit dem Rabbiner Benni Elon, einem prominenten Vertreter rechter Juden: "Ich befürchte", so der Rabbi, "daß dieses Attentat kein Schlußpunkt ist" (Seite 162). Für Titelautor Hogrefe beschreibt solche Prophezeiung das Klima der Gewaltbereitschaft, das er seit seinem Arbeitsbeginn als SPIEGEL-Korrespondent vor gut einem Jahr wahrgenommen und notiert hat. Im Oktober 1994 berichtete er über ein Netzwerk rechtsradikaler Israelis, dazu gesponnen, den Friedensprozeß mit allen Mitteln zu stoppen; dieses Jahr im August war der jüdische Siedlerrat "Jescha" sein Thema, der zum "zivilen Ungehorsam" gegen den eigenen Staat aufrief, doch in Gedanken bereits viel weiter ging. "Am Schluß", so hieß es bei diesen Radikalen, "schießen Juden auf Juden", und soweit ist es nun (Seite 154). Auf dem Herzl-Berg, wo Rabin beigesetzt wurde, hatten sich schon im September des Nachts junge Rechtsradikale getroffen, um sich einem schauerlichen Ritual zu unterziehen: der Aufnahme in die damals noch unbekannte Geheimgruppe "Ejal" ("Kraft"). Über den Gräbern früherer Widerstandskämpfer gelobten sie, die Feinde des jüdischen Volkes zu eliminieren. Das SPIEGEL-Titelbild zeigt die Vereidigung von Ejal-Verschwörern, aus deren Reihen der Rabin-Mörder kam.

DER SPIEGEL 46/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 46/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Hausmitteilung Betr.: Israel

  • Trump attackiert eigene Partei: "Die Republikaner müssen härter werden"
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Johnson droht Parlament: "Dann muss es Neuwahlen geben"
  • Dänemark: Leuchtturm wird verschoben