13.11.1995

EigentumKampf ums Kaufhaus

Die Nürnberger Versicherung (Werbespruch: "Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg") blockiert die Rückgabe eines traditionsreichen Kaufhauses im Stadtzentrum von Halle an die Erben der ehemaligen Eigentümer. Das Gebäude im Art-deco-Stil war Anfang der dreißiger Jahre von einer jüdischen Handelsfirma errichtet worden. Schon acht Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme riefen SA-Kommandos vor dem Kaufhaus zum antijüdischen Boykott auf, das Geschäft kam so weit zum Erliegen, daß die Eigentümer 1934/35 das Kaufhaus versteigern mußten.
Das Grund- und Betriebsvermögen der einstigen Handelsfirma im Wert von mehreren Millionen Mark ist nun vom Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen den Nachfahren der früheren Eigentümer zugesprochen worden. Die Rückübertragung stockt allerdings, weil die Nürnberger Versicherung, deren eigener Restitutionsanspruch bereits vom Landesamt abgelehnt worden ist, Klage erhob.
Die Versicherung macht Pfandrechtsansprüche geltend, weil sie bei der Errichtung des Kaufhauses mit einer Sicherungshypothek beteiligt gewesen war; diese Hypothek wurde jedoch bereits im Zuge der Zwangsversteigerung vor 60 Jahren abgelöst. Das Nürnberger Unternehmen zielt nun offenbar auf einen Deal mit den Erben und ihren Geschäftspartnern, sofern man sich, so ein Schreiben der Versicherung, "auf eine wirtschaftlich tragbare Lösung mit uns" einigen könne.

DER SPIEGEL 46/1995
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