13.11.1995

KroatienWundersame Stimmenvermehrung

Weil zwei Wochen nach den Wahlen zum kroatischen Parlament das amtliche Endergebnis noch immer nicht vorliegt, fürchtet die Opposition, durch Manipulationen um ihre Erfolge gebracht zu werden. In einigen Großstädten hatte die Partei von Staatspräsident Franjo Tudjman, die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ), einer ersten Stimmenauszählung zufolge empfindliche Niederlagen erlitten. Nach einer zweiten Zählung aber liegt sie in Dubrovnik und Varazdin plötzlich wieder vorn. In Zagreb war der Vertreter der Opposition von der Wahlbehörde schon zum Sieger über den amtierenden Oberbürgermeister ausgerufen worden. Doch nach Auszählung der Wahlzettel aus den Kasernen und Strafanstalten hat der HDZ-Kandidat nun einen Vorsprung von 0,04 Prozent. Die neofaschistische Kroatische Partei des Rechts, die als Tudjmans Wunschpartner für eine Regierungskoalition gilt, scheiterte zunächst an der Fünfprozenthürde. Wundersamerweise kommt sie inzwischen auf 5,02 Prozent. Die kroatische Bevölkerung Bosniens votierte mit 93 Prozent praktisch geschlossen für Tudjman. Unabhängige Beobachter waren bei der Stimmenauszählung im Kriegsgebiet nicht dabei.

DER SPIEGEL 46/1995
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