13.11.1995

VideoTanten und Mutanten

Unter den großen Herausforderungen im Leben eines Mannes ist die Wahl der richtigen Vorbilder womöglich die schwerste - und der New Yorker Künstler Matthew Barney hat bei dieser Entscheidung seinen sicheren Geschmack schon bewiesen: Er verehrt Houdini, den Entfesselungsartisten. Und er strebt Jim Otto nach, einem großen Footballspieler der sechziger und siebziger Jahre, der auch dann noch für die Oakland Raiders antrat, als seine kaputte Kniescheibe durch eine Prothese aus Plastik ersetzt worden war. Auch Barney, in seinen Performances und Video-Shows, inszeniert Körperkunst, die gerade in verstümmelten, versehrten und mutierten Leibern die Spuren von Reinheit und Schönheit aufspürt. Und er entfesselt, mit Tanten und Mutanten, die Energien der Angst, des Schmerzes, der verbotenen Lust. Er wird in New York, Paris und London gefeiert, während er bei deutschen Kritikern, naturgemäß, unter Scharlatanerieverdacht steht (zur Zeit zeigt das Museum Boymans van Beuningen in Rotterdam eine Ausstellung mit Bildern und Videos, die von Ende Januar bis Anfang April auch in Bordeaux, von Mitte Mai bis Ende Juni in Bern gastiert).

DER SPIEGEL 46/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 46/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Video:
Tanten und Mutanten

  • Wir drehen eine Runde: Elektrisch surfen
  • "Lady Liberty": Demokratie-Aktivisten errichten Statue in Hongkong
  • Filmstarts: "Man kriegt, was man verdient hat."
  • Webvideos der Woche: Kajakfahrer entgehen Felssturz knapp