13.11.1995

LiteraturPeru perdu

Vor knapp sechs Jahren kämpfte er um "den gefährlichsten Posten der Welt". Sein Land litt an Hunger, Arbeitslosigkeit und Terror; er wollte es retten vor Barbarei und wirtschaftlichem Ruin. 1987 wagte sich der Schriftsteller Mario Vargas Llosa in die Politik und kandidierte in Peru sogar fürs Präsidentenamt.
Peru perdu: Vargas Llosa unterlag dem Machiavellisten Alberto Fujimori, der in diesem eher trivialen Drama die Rolle des Schurken und Intriganten spielt. Sein Scheitern erlebt Vargas Llosa als heimlichen Sieg: Der politische Intellektuelle kehrte zurück zu seiner wahren Berufung, der Literatur. Mit der überstürzten Abreise aus Peru wiederholte er seinen Aufbruch ins europäische Exil 1958. Hier hatte er gelebt und geschrieben, lange 16 Jahre, in denen er zum international anerkannten Romancier wurde.
Von Exil und Politik erzählt Vargas Llosa, 59, in seinen Erinnerungen "Der Fisch im Wasser", die eigentlich keine Autobiographie ergeben, sondern markante Stationen seines Lebens vergegenwärtigen - wobei sich der Autor um die Chronologie nicht schert, sondern die politische Karriere kapitelweise mit der Beschreibung einer geradezu romanhaften Kindheit und Jugend verbindet: Mit 10 lernt er seinen wahren Erzeuger kennen, einen finsteren Tyrannen; mit 19 heiratet er in einer abenteuerlichen Aktion seine Tante, später seine Cousine. Das Leitmotiv dieser (von Elke Wehr übersetzten) Memoiren ist Vargas Llosas Überzeugung, daß die literarische Fiktion das wahre Leben ist - weil sie das Bestehende denunziert und dem Romancier erlaubt, "die Welt nach seinem Ebenbild neu zu erschaffen, sie in Übereinstimmung mit seinen geheimen Lüsten umzugestalten".
Mario Vargas Llosa "Der Fisch im Wasser" Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 78 Mark

DER SPIEGEL 46/1995
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