13.11.1995

SpracheEin Käfer made in USA

SPIEGEL: Was ist denn linguistisch so ergiebig an amerikanischen Autos?
Piller: Ich habe untersucht, welche Namen Autos von der Industrie bekommen und wie sie andererseits in der Familie genannt werden.
SPIEGEL: Gibt es da Unterschiede?
Piller: Und wie! Die Industrie will mit dem Namen ein positives Image vermitteln und bewirbt immer noch vorwiegend die Männer. Die identifizieren sich am ehesten mit aggressiven Namen wie "Arrow", also Pfeil, oder "Excalibur". Besonders prestigeträchtige Marken wie Cadillac heben sich von diesem Muster ab. Die nennen ihre Fahrzeuge dann "Concours" oder "Coupe DeVille", womit sie internationales Flair und Exklusivität suggerieren wollen.
SPIEGEL: Und wie taufen nun die Autobesitzer ihre Gefährte?
Piller: Die wollen eher was Familiäres und nennen ihre Kutschen dann "Schnuckelchen" oder "Hummelchen". Ganz berühmte Autos bekommen einen Spitznamen vom ganzen Volk verpaßt. Der VW-Käfer zum Beispiel, den die Amis "Beetle" nannten.
SPIEGEL: Haben die Amerikaner etwa Deutschlands beliebtesten Wagen sprachlich unsterblich gemacht?
Piller: Ja. "Käfer" ist eine Rückübersetzung. VW war erst gar nicht begeistert, bis sie endlich gemerkt haben, wie verkaufsfördernd so ein Kosename ist.

DER SPIEGEL 46/1995
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