13.11.1995

HeiratenMillionenschwere Nikoläuse

"Irgendwann werden Reiche heiraten - warum nicht dich?" fragt Ginie Polo Sayles ihre Leser. Ihr Ratgeber "How To Marry The Rich" ist ein trickreicher Stufenplan für Zusammentreffen mit Millionären, die mit dem gewinnbringenden Gang zum Traualtar enden sollen. Die Umsetzung ihrer Tips ist arbeitsaufwendig und zeitraubend: Man braucht teure Kleider und muß exklusive Restaurants und Fitneßstudios besuchen. Das Einchecken in eine teure Klinik für Alkoholabhängige will ebenso bedacht sein wie der Wechsel des Jobs; auch die zielsichere Auswertung von Todesanzeigen (es bleibt immer ein trostsuchender Witwer übrig) will geübt sein. Wichtigste Regel: Bloß nicht zu nett und zu lieb sein. "Seid mühsam, erfindet Dramen", rät Sayles Millionärssuchenden in ihrem Buch und in Kursen, die sie in amerikanischen Großstädten abhält. Zweifel an der Kompetenz der Autorin, die in der kleinen staubigen Texasstadt Big Spring aufwuchs, sind unangebracht: Seit zehn Jahren ist die ehemalige Sozialhilfeempfängerin Gattin des Millionärs Reed Sayles. Der texanische Ölerbe ist, wie er im Vorwort von "How To Marry The Rich" schreibt, stolz auf die geldbewußten Lebens- und Ehegrundsätze seiner Frau. Nur ein Goldsucher, behaupten Ginie und Reed, sei der richtige Partner für einen Goldbesitzer - "sie sprechen die gleiche Sprache". Ästhetisch anspruchsvolle Naturen, die Millionen lieben, sich aber vor Millionären mit Spitzbauch oder Glatze gruseln, werden von Sayles mit der glücksbringenden Kraft des Reichtums getröstet. Einen Millionär zu ehelichen, verspricht sie, das bedeute einen Nikolaus zu heiraten und das ganze Jahr in seinem Spielzeugsack zu wühlen.

DER SPIEGEL 46/1995
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