18.12.1995

Airbus-AffäreFreunde in Deutschland

Die Affäre um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit Geschäften des Flugzeugherstellers Airbus Industrie, des Essener Rüstungsunternehmens Thyssen Industrie und der bayerischen Rüstungsfirma MBB weitet sich aus. Vergangenen Donnerstag durchsuchten Ermittler zahlreiche Firmengebäude und Wohnungen in ganz Deutschland, darunter die Büros von Thyssen Industrie und die Häuser verschiedener Manager.
Durchsucht wurde auch ein Familienhaus des früheren CSU-Politikers Holger Pfahls am Tegernsee. Ein Durchsuchungsbefehl gegen Max Strauß, den die Fahnder ebenfalls begehrt hatten, wurde von der Ermittlungsrichterin abgelehnt.
Pfahls war Anfang der achtziger Jahre Büroleiter des bayerischen Ministerpräsidenten und Airbus-Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Josef Strauß, später Verfassungsschutz-Chef und von 1987 bis 1992 Staatssekretär im Bonner Verteidigungsministerium.
Die Durchsuchungen stehen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den bayerischen Unternehmer Karlheinz Schreiber, dessen Geschäfte mittlerweile von deutschen, kanadischen und Schweizer Strafverfolgern untersucht werden. Der Freund des 1988 verstorbenen CSU-Politikers Strauß soll Schmiergelder in Millionenhöhe an den früheren kanadischen Premierminister Brian Mulroney und andere Politiker weitergeleitet haben, um die Verkäufe von Airbus-Flugzeugen an kanadische Fluglinien und den Bau einer Thyssen-Rüstungsfabrik in Neuschottland zu befördern. Schreiber bestreitet die Vorwürfe.
Nach einer Zeugenaussage eines früheren Schreiber-Partners wollte der Strauß-Intimus nicht nur Gelder nach Kanada weiterleiten. Auch Freunde in Deutschland, darunter ein Thyssen-Manager, so habe Schreiber wiederholt deutlich gemacht, sollten von den Konzern-Millionen profitieren. Zudem soll Schreiber erklärt haben, er wolle mit dem Geld "Verluste der Strauß-Familie ausgleichen".
Schreiber hatte Anfang der achtziger Jahre zusammen mit der Familie Strauß Millionen in kanadischen Grundstücksgeschäften verspekuliert. Bis vor kurzem war er Direktor der Strauß-Firma FMS, über die damals das Geld in Kanada investiert wurde. Max Strauß bestritt gegenüber dem SPIEGEL, daß sein Vater das Geld zurückerhalten habe.

DER SPIEGEL 51/1995
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