18.12.1995

SteuernMuß Otto nachzahlen?

Der Münchner Gelddrucker Siegfried Otto, Hauptgesellschafter der Druckerei Giesecke & Devrient, muß womöglich weitere 140 Millionen Mark Steuern nachzahlen. 100 Millionen hat er bereits nachgeliefert, nachdem er seine Schwarzgeldeinnahmen dem Fiskus offenbart hatte. Doch nun haben der Münchner Wirtschaftsanwalt Jürgen Leske und der Journalist Friedrich von Schönfels Finanzminister Erwin Huber aufgefordert, Schenkungsteuer von Otto zu verlangen. Der hatte seinem Schwiegersohn Thomas Kramer mindestens 200 Millionen Mark gegeben - geschenkt, wie Kramer bislang unwidersprochen behauptet. Da Otto weder einen Darlehensvertrag mit Kramer noch einen Vertrag über eine treuhänderische Verwaltung der Gelder vorgelegt habe, sei davon auszugehen, daß Otto das Geld verschenkt habe, meinen die beiden Experten, die ein Buch über Steuerhinterziehung ("Schlauer als der Staat erlaubt") veröffentlicht haben. Nach Paragraph 20 Erbschaftsteuergesetz müsse der Gelddrucker Schenkungsteuer zahlen. Der mit einer Stieftochter des Unternehmers verheiratete Kramer ist mit Otto nicht verwandt und fällt daher in die Steuerklasse IV, wonach Erbschaften oder Schenkungen an Familienfremde von mehr als 100 Millionen Mark mit einem Satz von 70 Prozent zu besteuern sind.

DER SPIEGEL 51/1995
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