18.12.1995

Das I.G.-Farben-Haus

war schon im Bau eine Sensation. Staunend verfolgten 1929 die Frankfurter, wie der 250 Meter breite Komplex als Stahlskelett im Rekordtempo hochgezogen wurde, nach dem Vorbild amerikanischer Wolkenkratzer. Zeitweise waren bis zu 3000 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt, wo das damals modernste Bürogebäude Europas entstand. Der 1925 gegründete I.G.-Farben-Konzern, weltweit führend im Chemiegeschäft, schuf sich eine Verwaltungszentrale - und ein steinernes Symbol seiner Macht. Der Monumentalbau beeindruckte offenbar auch die Amerikaner, die ihn bei ihren Angriffen auf Frankfurt von Bomben verschonten. 50 Jahre lang diente das "Farben Building" dann der US-Armee als Quartier. Von hier dirigierte General Lucius Clay 1948 die Rosinenbomber nach Berlin. Hier wurde, ebenfalls 1948, die Währungsreform verkündet und der Auftrag für die Erarbeitung einer deutschen Verfassung erteilt. Die I.G. Farben wurde 1952 auf Order der Alliierten zerschlagen. Nach dem Abzug der Amerikaner steht das denkmalgeschützte Haus nun vor seiner dritten Epoche: Es soll künftig Teile der Johann Wolfgang Goethe-Universität beherbergen. Darüber verhandelt das Land Hessen derzeit mit dem gegenwärtigen Hausherrn, Bundesfinanzminister Theo Waigel. Die Auflösungsgesellschaft der I.G. Farben hatte das Gebäude 1955 für 40 Millionen Mark an den Bund verkauft.

DER SPIEGEL 51/1995
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