18.12.1995

MusikerBonbons vom Samtgeiger

Bis weit in die dreißiger Jahre konnte niemand aus der Zunft mit seinem Ruhm konkurrieren: Der Wiener Geiger Fritz Kreisler (1875 bis 1962) war der Schwarm aller Konzertfreunde und Plattensammler. Warum, das ist jetzt auf einer opulenten Sammlung von elf CDs neu zu hören ("The Complete RCA Recordings", BMG 09026-61649-2): Dank seinem "Ton wie Samt, einer tollkühnen Technik und unübertrefflichem Schwung" lasse der warmherzige Virtuose die Grenzen von E und U einfach dahinschmelzen, rühmte Kreislers Pianisten-Kollege Arthur Rubinstein. Aus der Not, daß höchstens ein paar Minuten Musik auf eine Plattenseite paßten, machte der kultivierte Star eine Tugend: Er bediente die Grammophon-Besitzer mit Kabinettstückchen von Gluck bis Tschaikowski, begleitete den Tenor John McCormack und spielte manchen US-Evergreen ein, ja sogar der Hawaii-Schmachtnummer "Aloha Oe" verlieh er altösterreichischen Charme. Erst später kamen Sonaten, begleitet vom großen Rachmaninow persönlich, oder ein rabiat, aber liebevoll überarbeiteter Paganini-Konzertsatz hinzu. Favoriten des Publikums jedoch blieben bis ans Ende seiner Karriere im Jahre 1947 Kreislers eigene Produkte, allen voran die Walzer-Bonbons "Liebesleid" und "Liebesfreud" und eine terzenselige "Caprice viennois".

DER SPIEGEL 51/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 51/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Musiker:
Bonbons vom Samtgeiger

  • Trump attackiert eigene Partei: "Die Republikaner müssen härter werden"
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Johnson droht Parlament: "Dann muss es Neuwahlen geben"
  • Dänemark: Leuchtturm wird verschoben