18.12.1995

Verlage„Wir knicken nicht ein“

SPIEGEL: Dauerkrach im Haus-Blatt. Was ist los?
Kurtze: Viele Mitglieder haben sich über kritische Beiträge im Heft sehr geärgert. Vor allem der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe reagierte empört auf einen Artikel, in dem sein Autor Lothar-Günther Buchheim als Nazi verunglimpft wurde.
SPIEGEL: Die Herren waren nicht nur gekränkt, sondern stornierten sogar Anzeigen. Sollte auch Chefredakteur Jan R. Egel stürzen?
Kurtze: Das Gerücht zirkuliert, und in der Tat hat Hoffmann und Campe die Affäre noch immer nicht verwunden. Aber natürlich kann selbst ein so einflußreiches Unternehmen allein keine Entlassung durchdrücken. Wir knicken nicht ein vor Großverlagen.
SPIEGEL: Merkwürdig. Egel rechnet fest mit seinem Abgang.
Kurtze: Mit dieser News geht er offenbar inzwischen hausieren. Richtig allerdings ist: Wir wollten ihn im nächsten Jahr ohnehin ablösen, weil sich auch viele andere Mitglieder über ihn beschwert haben. Es ist halt ein verflixt schwerer Job, weil man ständig journalistische und verbandspolitische Interessen unter einen Hut bringen muß. Da kann man nicht everybody's darling sein.
SPIEGEL: Gilt denn das freie Wort nichts in der Buchhandels-Postille?
Kurtze: Doch, aber wir müssen auf unsere 6500 Mitglieder Rücksichten nehmen, die alle ihre eigene Suppe kochen.

DER SPIEGEL 51/1995
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