18.12.1995

KunstGesteigertes Mecklenburg

Zeitgenossen erlebten ihn als bodenständigen "Grübler" ohne rechten Sinn dafür, "daß jenseits der mecklenburgischen Grenzpfähle auch Menschen wohnen". "Mißtrauisch bis auf die Seele", dabei frühzeitig "voll und ganz verlottert", soll der Landschafts- und Blumenmaler Rudolf Bartels (1872 bis 1943) aus Schwaan bei Rostock gewesen sein. Er starb arm und einsam und hinterließ kaum Spuren in den Kunstgeschichtsbüchern. Nun aber will das Staatliche Museum Schwerin den Eigenbrötler durch eine große Ausstellung "aus der regionalen Abgeschiedenheit herausführen". Zu Recht: Bartels erweist sich als ein kühner Kolorist, der seine Motive mit breitem Pinsel ausdrucksvoll in flächige Farbstrukturen umsetzte und den der Ehrgeiz, zu "steigern, was ich in der Natur sah", bis an die Grenze zur Abstraktion geführt hat. Mit 71 Bildern wird in Schwerin mehr als die Hälfte des bekannten OEuvres gezeigt, doch viele Werke und auch Lebenszeugnisse dürften erst noch aufzuspüren sein.

DER SPIEGEL 51/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • New Orleans: Baukräne an eingestürztem Hotel gesprengt
  • Konzernchef aus Schweden: "Ich habe einen Chip in meiner linken Hand"
  • Tierische Begegnung: Fuchs verzögert den Start einer Boeing 747
  • 50 Jahre Kanzlerwahl Willy Brandt: Der letzte Superstar der Sozialdemokratie