18.12.1995

TheaterBrook zaubert wieder

Der britische Theater-Magier Peter Brook, 70, wird weltweit verehrt für seine kühnen und doch kunstvoll vereinfachten Klassiker-Inszenierungen. In dieser minimalistischen Form hat er zum Beispiel Bizets opulenten Schmachtfetzen "Carmen" für die Bühne eingerichtet - als erotisches Kammerspiel in einer Sandkuhle. In Paris, an seinem Lieblingstheater, dem dekorativ vergammelten "Bouffes du Nord", wagte er sich vergangenes Wochenende an das ewige Shakespeare-Rätsel "Hamlet". "Wer da?" - nach diesem berühmten ersten "Hamlet"-Satz hat der Regisseur und Theoretiker seine französische Bühnenfassung benannt: "Qui est la". Da läßt er die Shakespeare-Figuren, ganz en passant, auch Texte der großen Theaterreformer Bertold Brecht, Konstantin Stanislawski oder Antonin Artaud rezitieren und führt den Zuschauer traumwandlerisch in eine Welt phantastischer Assoziationen. Die Grazie der Gegensätze reicht bis in die multikulturelle Besetzung (fünf Männer und zwei Frauen) - ein Afrikaner spielt den Hamlet, die Ophelia kommt aus Italien, und die Königin ist eine Schweizerin: die skurrile Anne Bennent.

DER SPIEGEL 51/1995
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Theater:
Brook zaubert wieder

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