18.12.1995

„Hallo, Mr. President“.

Hallo, Michael-Douglas-Fans, es gibt Grund zu frohlocken: Nachdem euer Liebling sich und uns bis zum Exzeß bewiesen hat, wie er als Darsteller fieser Fascho-Machos zu brillieren versteht, beweist er mit einer scharfen Kehrtwendung nun auch noch das Gegenteil und legt einen Top-Softie mit Stil und Manieren und untadeligem Charme aufs Parkett. Als US-Präsident Shepherd ist er seinen Schäfchen ein so guter Hirte und zudem ein so lupenreiner Demokrat, daß man sich die USA in eine Monarchie verwandelt wünscht, um ihn in Ewigkeit mit nichts als hochherzigen Worten alle Finsterlinge der Welt bekämpfen und alle Ozonlöcher stopfen zu sehen. Das Duo Aaron Sorkin (Buch) und Rob Reiner (Regie) hat schon mit "Eine Frage der Ehre" den Musterfall eines unpolitischen Politfilms vorexerziert, und in ihrem auf Hochglanz gewienerten Weißen Haus zeigen sie nun abermals, wie aus einer melodramatischen Süßigkeit, mit hochprozentigem Patriotismus flambiert, ein Rührwerk wird, bei dem kein Auge trocken bleibt.

DER SPIEGEL 51/1995
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