18.12.1995

Hausmitteilung Betr.: Sklaven

Fünf Kühe oder eine Kalaschnikow - soviel muß schon herausspringen, wenn ein Sklave wieder freikommen soll: Menschenhandel und Verschleppung gehören im Sudan - beherrscht von einem islamischen Putschregime, seit Jahren geplagt von Bürgerkrieg - zum Üblichen. Auf dem Landweg war der kleine Flecken aus schilfgedeckten Lehmhütten, in dem SPIEGEL-Reporter Walter Mayr und Fotograf Detlev Konnerth das Sklavengeschäft erlebten, nicht mehr erreichbar. Und so machten sie sich vom kenianischen Nairobi aus mit der Cessna einer Hilfsorganisation auf den Weg in das Buschland - hinweg über Stellungen der moslemisch geführten Regierungstruppen und getröstet mit der vagen Versicherung, daß die wohl nicht schießen würden. In strapaziösem Fußmarsch ging es weiter ins Bürgerkriegsgebiet, aber dann kam Hilfe: Der örtliche Gouverneur stellte den Journalisten seine Geländemaschine zur Verfügung, die einzige im Distrikt. Zehn Männer hievten das Motorrad ins Ruderboot, ohne das in der Regenzeit kein Weg zur Front am Rande der Nilsümpfe führt - dorthin, wo die hellhäutigen Mittelsmänner des Nordens auftauchen und aus dem Süden verschleppte Dunkelhäutige zum Rückkauf anbieten. Oft sind Kinder dabei, und wenn der Preis nicht stimmt, dann müssen auch sie zurück ins Sklavenland (Seite 140).

DER SPIEGEL 51/1995
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 51/1995
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Hausmitteilung Betr.: Sklaven

  • Homosexualität in Uganda: Liebe unter Lebensgefahr
  • 19 Stunden, 16.000 Kilometer: Längster Nonstop-Passagierflug aller Zeiten gelandet
  • El Salvador: Starkregen löst riesigen Erdrutsch aus
  • Videoanalyse nach dem "Super Saturday": "Die Nerven liegen blank"