30.12.1991

Ost-Spionage mit West-Geld

Der frühere DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski, 59, hat das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und dessen Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) finanziell weit stärker alimentiert als bislang bekannt. In den letzten Jahren des DDR-Regimes führte Schalcks Valutabehörde "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) durchschnittlich über 400 Millionen West-Mark an den Repressions- und Spionageapparat von Erich Mielke ab. Ein Großteil der Summe stammte aus Häftlingsfreikäufen oder Provisionszahlungen, die westliche Partner Schalcks, wie der bayerische Fleisch-Multi Marox aus Rosenheim, für lukrative Ost-West-Geschäfte geleistet hatten. Aus einer jetzt bekannt gewordenen Übersicht geht hervor, daß die früher von den Stasi-Generälen Markus Wolf und Werner Großmann geleitete HVA beispielsweise mit Schalck-Geldern "Drucktechnik" anschaffte, die die "Originaltreue nachgefertigter fälschungssicherer Paßdokumente westlicher Staaten" garantieren sollte. Für 1,2 Millionen Mark organisierten die Mielke-Spione "Video- und Sicherungstechnik des Operationsgebietes zu Ausbildungszwecken am Original"; eine "gefährdete Quelle im Operationsgebiet BRD" wurde mit 100 000 Mark abgesichert; 25 000 Mark gaben die DDR-Aufklärer aus, um einem Agenten "Kreditbürgschaften beim Aufbau einer beruflichen Position im Operationsgebiet" zu sichern. KoKo finanzierte, in Fürsorge für aufgeflogene Agenten, so auch indirekt den "Bau von Eigenheimen auf Mietbasis für Kundschafter nach zum Teil jahrelanger Haft" in der Bundesrepublik. Schalck hatte bislang stets "verbindlich" erklärt, in keiner Weise "mit der HVA Beziehungen unterhalten" zu haben.

DER SPIEGEL 1/1992
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