30.12.1991

GESTORBENAlfons Goppel

86. Der gutkatholische Handwerkersohn aus der Oberpfalz war der am längsten (von 1962 bis 1978) amtierende Ministerpräsident in der Geschichte des Freistaats Bayern. Keiner verkörperte wie er den Typus des leutseligen Landesvaters, den königstreue Bajuwaren als eine Art Ersatzmonarch betrachten durften. Keiner heimste für die CSU bei Landtagswahlen aber auch mehr Stimmen ein als der "Fonsä". An Goppels Rekordmarke von 62,1 Prozent im Jahre 1974 kam Amtsnachfolger Franz Josef Strauß zu seinem großen Leidwesen nie heran. Die Hoch-Zeit der CSU, die sich in der Ära Goppel wie eine gütige Mutter über das Land zu wölben schien, wurde freilich durch eine für die Partei ideale Kombination ermöglicht: ein milder Regent und der Paukenschläger Strauß, der die große Politik intonierte. Daß Bayern 1973 den deutsch-deutschen Grundlagenvertrag anfocht und so die Option für die Wiedervereinigung offenhielt, war nicht, wie die CSU-Legende besagt, das historische Verdienst Goppels - der mußte dazu von Strauß massiv genötigt werden. Alfons Goppel starb, friedlich, am Heiligen Abend in Johannesberg bei Aschaffenburg an Herzversagen.

DER SPIEGEL 1/1992
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